12:44 22 September 2018
SNA Radio
    Unterstützer der AfD-Partei (Archiv)

    Geheimrezept der AfD: „Gefühl kultureller Bedrohung“ – Studie

    © AFP 2018 / JOHN MACDOUGALL
    Politik
    Zum Kurzlink
    153440

    Der Erfolg der AfD liegt nicht in konkreten Vorschlägen, sondern im „Gefühl kultureller Bedrohung“, dem die Partei Ausdruck verleiht. Deswegen ist es für die etablierten Parteien auch geradezu unmöglich, zur AfD abgewanderte Wähler ohne große Einbußen bei der liberalen Kernwählerschaft zurückzugewinnen. Die Ergebnisse einer soziologischen Studie.

    Die Verluste der etablierten Parteien an die AfD im Zuge der Bundestagswahl 2017 waren groß: 980.000 Wähler verlor die Union. 470.000 wandten sich von der SPD ab. 400.000 kehrten der Linken den Rücken. Seitdem wurden verschiedene Wege eingeschlagen, die abgewanderten Wähler wieder zurück in die Parteienboote zu holen – zuletzt etwa von der CSU mit einem noch einmal deutlich verschärften Kurs in der Asylpolitik.

    Die AfD und das „Gefühl kultureller Bedrohung“

    Der Erfolg solcher Bemühungen lässt auf sich warten. Kein Zufall, besagt eine neue Studie vom Institut für Soziologie an der Universität Leipzig. Aus Sicht der Autoren der Studie laufen solche Bemühungen ins Leere, denn die werbenden Parteien erfüllen eine Bedingung nicht, die für diese Wählergruppe bestimmend sei: das „Gefühl einer kulturellen Bedrohung“. Laut dem Initiator der Studie gilt nämlich, dass diese Wähler die AfD nicht wegen konkreter politischer Entscheidungen wählen, sondern wegen der Grundstimmung, die der Parteipolitik zugrunde liegt.

    Diese Stimmung könne zwar nachgeahmt werden, aber nur auf Kosten anderer Wähler: „Um AfD-Anhänger auf ihre Seite zu ziehen, müssten die etablierten Parteien ihre mehr oder weniger liberalen Positionen in Zuwanderungsfragen zumindest teilweise aufgeben“, schreiben die Autoren in ihrer Analyse. Damit würden die Parteien aber Wähler verlieren, die ihnen wegen dieser liberalen Positionen anhängen. Das Fazit: Die etablierten Parteien können diesen Wählern kein überzeugendes Angebot machen und werden sie kaum zurückgewinnen können.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Radio-Bremen Reporter sitzt bald im AfD-Landesvorstand

    Neben dem „Gefühl kultureller Bedrohung“ spiele auch eine Unzufriedenheit mit der Demokratie und mit gesellschaftlichen Unterschieden eine Rolle. Der Anteil von Menschen mit niedriger gesellschaftlicher Stellung ist bei der AfD im Verhältnis zu anderen Parteien besonders hoch. Es sei vor allem diese Gruppe, die der Migration gegenüber besonders negativ eingestellt ist, schreiben die Studienautoren.

    Kosmopoliten contra Kommunitaristen

    Für die Analyse wurden die Menschen in zwei Gruppen eingeteilt: Kosmopoliten, die internationale Gerechtigkeit und offene Grenzen wollen, und Kommunitaristen, die die Wichtigkeit nationalstaatlicher Grenzen zum Schutz der eigenen sozialen Gemeinschaft betonen. Für die letztere Gruppe sind Gleichheit und Gerechtigkeit nur eingeschränkt im Rahmen einer einheitlichen Gesellschaft und abgeschlossener Räume zu verwirklichen. Und eben diese Sicht bediente nach Ansicht der Autoren in den letzten Jahren die AfD.

    Für ihre Analyse werteten die Leipziger Soziologen Daten von über 8400 Befragten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2016 aus. Hierbei wurde zum ersten Mal die Einstellung zu Migranten und Zuwanderung abgefragt.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Union erreicht Rekordtief bei Wählergunst – Umfrage

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Die „PARTEI“ bei EU-Wahl: Mit Nazinamen gegen die AfD
    Putins Vorstoß „vernünftig“: AfD-Politiker plädiert für Dialog mit Assad
    „ZDF goes Antifa“ oder AfD-„Maulheldentum“? Gauland-Interview sorgt für Furor im Netz
    Tags:
    Wähler, Migranten, Zuwanderung, Erfolg, Wahlkampf, Die LINKE-Partei, SPD, CDU, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland