03:28 20 September 2018
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    Wieso herrscht Funkstille bei US-Spionen in Moskau? Washington gerät in Erklärungsnot

    © Sputnik / Alexei Druzhinin/Anton Denisov/Pressedienst des Präsidenten von RusslandCC0
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    In den letzten zwei Jahren soll Washington seitens seiner Agenten keine wichtigen geheimen Informationen über die Handlungen und Pläne Moskaus mehr erhalten haben. Wie die Zeitung „The New York Times“ (NYT) schreibt, sollen die geheimen Schüsselinformanten schlicht aufgehört haben, sich mit der CIA in Verbindung zu setzen. Ist das wirklich so?

    Seit 2016 bekommt Washington immer weniger Geheimdaten von seinen Informanten in Moskau, die die Pläne der russischen Führung betreffen. Laut amerikanischen Printmedien haben die Agenten einfach aufgehört, sich mit der CIA in Verbindung zu setzen. Deswegen habe man in den USA keine Vorstellung davon, was Moskaus Absichten im Vorfeld der Zwischenwahlen im US-Kongress sind.

    Inwiefern ist die Information über das Stillschweigen von Spionen glaubwürdig? Und was wären die Gründe dafür?

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    Die Quellen der NYT behaupten, die USA seien nicht im Bilde, was die Absichten Russlands und des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Vorfeld der Zwischenwahlen im US-Kongress angehe. Die Wahlen seien für den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump sehr wichtig. Er habe es nötig, die Kontrolle über das Parlament zu bewahren, und dafür brauche er den Sieg der Republikanischen Partei.

    Laut der NYT-Version hatten bisher Informanten, die „der russischen Führung nahestanden“, Angaben zur angeblichen Einmischung Moskaus in die US-Präsidentschaftswahlen überreicht. Die Gründe für das derzeitige Schweigen werden nicht genannt. Aber in Washington glaube man nicht, dass die Informanten eliminiert oder enttarnt wurden. Das Fehlen von Informationen führt man dort auf die „aggressivere Spionageabwehr“ Moskaus zurück, weswegen sich Informanten zurückhalten und versuchen, ihre Entlarvung zu verhindern.

    „In Moskau gibt es zur Zeit durchaus wenige von unseren Leuten, und die sind einer unglaublichen Beobachtung ausgesetzt“, teilte der Ex-CIA-Agent John Sipher gegenüber der NYT mit.

    Es ist nicht auszuschließen, dass die Ausweisung einiger Mitarbeiter der US-Aufklärung, die in den Auslandsvertretungen der USA gearbeitet haben, das amerikanische Agentennetz umgeworfen hat. Im März hatte Washington 48 russische Diplomaten und 12 Mitarbeiter der russischen UN-Vertretung ausgewiesen. Als Antwortmaßnahme erklärte Moskau 58 US-amerikanische Diplomaten zu unerwünschten Personen.

    Die Ausweisung von russischen Diplomaten erfolgte in Reaktion auf die Vergiftung des Ex-Mitarbeiters des russischen Geheimdienstes GRU Sergej Skripal in Großbritannien. London hat bisher keinerlei Beweise dafür vorlegen können, dass Moskau mit diesem Zwischenfall zu tun hatte.

    Außer den USA und Großbritannien hatten mehr als zehn EU-Länder sowie Kanada, Norwegen, die Ukraine und eine Reihe weiterer Staaten russische Diplomaten ausgewiesen.

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    Der Veteran der Auslandsaufklärung des sowjetischen Geheimdienstes KGB, Oleg Netschiporenko, merkte an, dass es schwer sei, anhand einer Publikation in einer amerikanischen Zeitung Schlussfolgerungen dazu zu ziehen, inwiefern die Informationen glaubwürdig seien. „Wenn alle (Spione – Anm. d. Red.) gescheitert sind, kann man den Verdacht hegen, dass sie unter Beobachtung unserer Geheimdienste gearbeitet haben“, so Netschiporenko gegenüber der russischen Zeitung „Wsgljad“.       

    Der KGB-Veteran bezweifelt, dass der Grund des Schweigens der US-Spione in der intensiveren Aktivität der russischen Auslandsaufklärung liegt. „Man könnte denken, dass sie früher nicht daran gehindert wurden, Informationen an die CIA zu vermitteln … Das ist ein weiterer Schwachsinn, eine Blase, die die westlichen Geheimdienste uns gegenüber betreiben. Diese Information sorgt bei mir für ein Lächeln“, räumte Netschiporenko ein.

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    Beim Jura-Professor und Amerikanisten an der Moskauer Hochschule für Wirtschaft, Alexander Domrin, kommt kein Lächeln auf, wenn er über Washingtons Probleme redet. Er bezeichnet die Informationen über die aggressivere Tätigkeit der russischen Spionageabwehr als Fabelei. Das Schweigen der amerikanischen Agenten deutet er als Zeichen dafür, dass sie ihren amerikanischen Sponsoren nicht mehr vertrauen.

    „Das ist eine lustige Information. Einerseits zeugt sie davon, dass sogar die russische fünfte Kolonne, die Nestbeschmutzer aufhören, ihren eigenen Sponsoren zu vertrauen. Andererseits bestätigt das durchaus meine These, dass diese Nestbeschmutzer um ihre eigene Existenz bangen, weil sie bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten keine Perspektive sehen“, äußerte Domrin gegenüber „Wsgljad“.

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    Tags:
    Einmischung, GRU, CIA, Sergej Skripal, Donald Trump, USA, Moskau