18:43 23 September 2018
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    Serbiens Präsident Aleksander Vucic (l.) und sein Amtskollege aus der nicht anerkannten Republik Kosovo Hashim Thaci (r.) beim EU-Westbalkan-Gipfel in Sofia (Archivbild)

    Kosovo und Serbien ziehen Grenzverschiebung offiziell in Betracht

    © AFP 2018 / Pool/ Dimitar Dilkoff
    Politik
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    Die Präsidenten Serbiens und des Kosovo haben erstmals klar signalisiert, dass sie ein Friedensabkommen und eine damit verbundene Grenzverschiebung ernsthaft in Betracht ziehen, schreibt die US-Zeitung „Politico“.

    „Der Kosovo will ein bindendes rechtliches Abkommen mit Serbien erreichen. Die Zeit, um das zu tun, ist jetzt“, sagte der kosovarische Staatschef, Hashim Thaçi, beim Europäischem Forum Alpbach am Samstag. Das Zeitfenster für diese Entscheidung sei aber sehr schmal. „Es ist gar nicht einfach. Es ist sehr, sehr schwer. Darum müssen alle dahinter stehen.“

    Auf Details bezüglich einer möglichen Grenzkorrektur gingen die Politiker jedoch nicht ein. Das meistdiskutierte Szenario sieht laut der Zeitung vor, dass Gebiete im Norden des Kosovo, die mehrheitlich von Serben besiedelt sind, an Serbien abgetreten werden. Im Gegenzug könnte Pristina das vorwiegend von Albanern bewohnte Presevo-Tal erhalten.

    Vucic bat seinerseits die EU um Beistand: „Wenn wir eine Art Kompromiss oder eine Lösung erreichen können, dann nur mit Unterstützung der Europäischen Union“, so der serbische Präsident.

    Mehr zum Thema >>> Neue Eskalation auf dem Balkan: Steht Serbien vor neuem Kosovo-Krieg?

    Thaçi versuchte dem Blatt zufolge, die EU-Länder von der Wichtigkeit eines Abkommens zwischen Pristina und Belgrad zu überzeugen: „Die Länder unserer Region, EU-Mitgliedsstaaten sowie andere Länder der Welt sollten sich einem potentiellen Friedensabkommen zwischen dem Kosovo und Serbien nicht entgegensetzen bzw. es befürchten, selbst wenn eine solche Vereinbarung eine Grenzverschiebung nach sich zieht“, zitiert „Politico“ den kosovarischen Staatschef weiter.

    Die beiden Staatschefs sollen sich nach Medienberichten am 7. September in Brüssel zu Verhandlungen zur Normalisierung der Beziehungen treffen.

    Nach dem Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem US-Amtskollegen Donald Trump in Helsinki im vergangenen Juli kursierten Gerüchte, dass die beiden Staatschefs eine Art „Aufteilung“ des Kosovo vereinbart hätten. Später wies Moskau jedoch diese Informationen als „Desinformation“ zurück.

    Sowohl Serbien als auch der Kosovo wollen EU-Mitglieder werden. Seit 2014 gibt es Beitrittsgespräche für Serbien. Die EU hat aber klargemacht, dass keines der beiden Länder Mitglied werden könne, bevor sie den langjährigen Territorialstreit nicht endgültig geregelt haben.

     

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    Tags:
    territorialer Streit, Verschiebung, Abkommen, Grenzen, Hashim Thaçi, Aleksandar Vučić, EU, Kosovo, Österreich, Serbien