07:39 16 Dezember 2018
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    Boris Jelzin und Bill Clinton

    Beleg für US-Einmischung? Jelzin-Clinton-Gespräche geben Aufschluss

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    Politik
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    Die veröffentlichten Abschriften der Telefonate zwischen dem ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin und seinem US-Amtskollegen Bill Clinton werfen ein Licht auf Ereignisse, die sich kaum anders als eine Einmischung in innere Angelegenheiten Russlands deuten lassen. Jelzin hatte Clinton damals zudem um einen Stopp der Nato-Expansion gebeten.

    Wie aus den Dokumenten hervorgeht, die am heutigen Freitag veröffentlicht wurden,  hatte Clinton Jelzin in einem Telefonat im Jahr 1993 Finanzhilfe für russische Regionen angeboten, um die Stimmung bei den örtlichen Politikern zugunsten des russischen Staatschefs zu beeinflussen.

    „Wie ist die vorherrschende Stimmung bei den regionalen Spitzenpolitikern? Können wir etwas mithilfe unseres Hilfspakets tun, um die Regionen zu unterstützen?“, fragte Clinton

    Jelzin gefiel diese Idee: „Das wäre gut. Diese regionalen Politiker, die früher die Oppostion unterstützten, unterstützen jetzt uns. Aber nichtsdestotrotz wäre diese Art regionaler  Unterstützung sehr nützlich.“

    ​Aus den Abschriften ist ersichtlich, wie schmerzhaft Russland auch damals auf die Nato-Osterweiterung reagierte. In einem anderen Gespräch brachte der erste russische Präsident seinen Unmut zum Ausdruck:

    „Ich möchte ein klares Verständnis von Ihrer Idee der Nato-Expansion erlangen, weil ich im Moment nichts außer einer Erniedrigung Russlands beobachte, wenn Sie so weitermachen. Wie sieht das aus Ihrer Sicht aus, wenn der Block weiter existiert, während der Warschauer Pakt aufgelöst wurde?“, fragte Jelzin seinen US-Kollegen.

    Jelzin und Clinton schütteln sich die Hand bei einer Pressekonferenz
    © Sputnik / Vladimir Rodionov Владимир Родионов
    „Das ist eine neue Form der Einkreisung, wenn sich der Block, der den Kalten Krieg überlebt hat, bis zu den Grenzen Russlands ausdehnt. Viele Russen haben Angst.,Was wollt ihr damit erreichen, wenn Russland euer Partner ist?‘, fragen sie. Ich frage das auch: Warum wollen Sie das tun? Wir brauchen eine neue Struktur für die paneuropäische Sicherheit, nicht die alten!“, so Jelzin weiter. „Lass uns einfach keine Blocks haben, nur einen europäischen Raum, der seine Sicherheit selbst gewährleistet.“

    ​In einem weiteren Telefonat hatte Jelzin Clinton inständig darum gebeten, dass die Aufnahme der ehemaligen Sowjetrepubliken in die Nato möglichst lange aufgeschoben wird. „Gut, lass uns darauf einigen, dass die ehemaligen Sowjetrepubliken nicht als erste aufgenommen werden. Bill, bitte verstehen Sie mich, ich fliege mit einer schweren Last auf meinen Schultern zurück nach Russland.“

    Jelzin erhielt jedoch vom US-Staatschef eine sehr vage Antwort: „Ich habe Ihre Botschaft verstanden. Aber Ihr Vorschlag ist nicht die Art und Weise, wie wir das machen. Ich will nichts tun, was nach dem alten Russland und nach der alten Nato aussehen wird.“

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    Tags:
    Nato-Osterweiterung, Expansion, Einmischung, Wahlen, Opposition, NATO, Bill Clinton, Boris Jelzin, USA, Russland