02:28 16 Dezember 2018
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    Wladimir Putin (r.) bei der Hochzeit von Karin Kneissl (i.d.Mitte) und Wolfgang Meilinger (l.)

    Kneissl-Hochzeit mit Putin schadet der Regierungskoalition nicht - Sozialforscher

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    Nikolaj Jolkin
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    Zwar fühlten sich die Elite und die Diplomaten in Österreich von dem überraschenden Putin-Besuch bei der Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) brüskiert, doch hat die Bevölkerung selbst diesen Blitzbesuch laut Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts Vienna, wegen des Werbewertes und Beehrens der Steiermark positiv wahrgenommen.

    Der Sozialforscher unterstreicht im Sputnik-Interview, dass die veröffentlichte Meinung und die öffentliche Meinung zwei Paar Schuhe seien. „Einige Menschen haben das als besonderes Ereignis gesehen, andere vielleicht weniger interessiert. Und bei den Kollegen von Karin Kneissl hat es eher künstliche Verwunderung gegeben, ob sie sich richtig mit dem Knicks verhalten hat. Aber bei den Österreichern an sich hat Putin generell ein gutes Image, viel besser als Trump.“

    Laut einer Umfrage der Tageszeitung „Österreich“ fand ein Drittel den Putin-Besuch okay und ein Drittel war dagegen. Auf die Frage: „Ist es für Österreichs internationales Ansehen gut?“ antworteten 33 Prozent der Befragten „ja“ und 31 Prozent „nein“. Ausschlaggebend für das leicht positive Ergebnis war die starke Zustimmung der FPÖ-Wähler. 

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    Kniende Kneissl als Brückenbauerin?

    Die Umfrage, laut der sowohl die FPÖ als auch ihre Außenministerin Prozentpunkte verlieren, ist nach Meinung von Psychologen eine Momentaufnahme, „weil das Bild, das sie so selektiv gezeigt hat, wo die Außenministerin kniet, ein negatives Bild rüberbringt und mit der Geschichte auch als Unterwerfung transportiert wurde.“

    Witzeling weiter: „Ob jetzt die Frau Außenministerin und die Regierung als Brückenbauer agieren, wird davon abhängen, wie die Regierung stabil im Inland ist und mit der EU-Ratspräsidentschaft umgehen kann. Das hat mit dem Putin-Knicks nichts zu tun, weil die Regierung sich ihren Respekt in der EU und in der gesamten Welt selber erarbeiten soll. Deswegen ist es nicht so wichtig. Das ist eher ein künstlich aufgebauschtes Thema. Wenn ich ein gutes Verhältnis zu den Nachbarländern habe und auch zu den anderen, dann werden sie das anders sehen.“

    Zwar stehe Karin Kneissl vom Diplomatischen her zwei Stufen unter dem Kanzler und dem Präsidenten, so der Sozialforscher, „wurde sie jetzt aufgewertet. Und das bringt in diese Koalition eine gewisse Konkurrenz hinein.“

    Man sehe das auch an der Reaktion von Kurz, urteilt Witzeling, „der zwar bei der Hochzeit eher in den hinteren Reihen gesessen ist und sich eher von Fotos ferngehalten hat, auch gesagt hat, er habe von der Einladung Kneissls an Putin nichts mitgekriegt. Er hat sich vorsichtig rausdistanziert. Und Kneissl hat sicher einen Kurzzeiterfolg gehabt, weil der russische Präsident gekommen ist. Da sind jetzt schon die ersten leichten Hochlinien in der Regierung.“

    Jetzt sei halt die Frage, so der Sozialforscher, wer spiele in der Regierung den dominanteren Part, die ÖVP oder die FPÖ, wobei für die FPÖ die große Gefahr bestehe, dass die ÖVP vom romantischen Partner zur Schwarzen Witwe werde und der FPÖ die Themen wegnehme. „Das ist dann die Dynamik, die in dieser scheinbar harmonischen Partnerschaft latent dahintersteckt.“

    Wenn man den veröffentlichten Umfragen trauen und glauben dürfe, dann habe die Regierung doch stabil gute Werte, führt der Experte aus. „Kurz ist vorne, danach die FPÖ, die immer ein bisschen was verliert und gewinnt. Das Kernproblem ist, dass die Opposition, stark vertreten durch die Sozialdemokraten, mit sich selbst in der Sinnsuche ist. SPÖ-Parteichef Kern sitzt nicht stabil im Sattel. Und die Partei hat noch keine Lösung gefunden, zu sagen, ich gehe gegen eine neoliberale Politik vor.“

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    Daher sei die Regierung weiterhin mit guten Werten bei der Bevölkerung stabil, so die Einschätzung von Witzeling. „Und da das Migrationsthema sich mit Sicherheit noch nicht gelöst hat, hat die Regierung noch einen guten Rückenwind. Sie genießt deswegen gute Werte und auch Kurz selbst. Dank seiner Migrationspolitik ist er im eigenen Land beliebter als Merkel. Das ist momentan der politische Wind. Er will die Grenzen dichtmachen und keine Migranten aufnehmen.“

    Der Experte stellt fest: „Da haben Sozialdemokraten zu lange weggeschaut, dass sich der Frust in der Bevölkerung zu lange hochstauen konnte, und das Migrationsthema alle anderen Themen — Sicherheit, Zukunft der Jugend und Altersarmut überdeckt hat. Und es ist jetzt das Feindbild Migranten da. Auf dieser Welle surft Bundeskanzler Kurz souverän und hat als junger Schwiegermutter-Liebling es geschafft, positive Assoziationen bei der Bevölkerung auszulösen. Jedoch ist die Koalition einem starken Konkurrenzkampf ausgeliefert. Und da wird sich zeigen, wie gut die Beziehung zwischen den Regierungspartnern wirklich ist.“

    Das komplette Interview mit Daniel Witzeling zum Nachhören:

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    Hochzeit, Migranten, Konkurrenz, Koalition, Wähler, SPÖ, ÖVP, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), Wladimir Putin, Karin Kneissl, Österreich