16:03 23 September 2018
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    Deutsch-Syrer zu Ereignissen von Chemnitz: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“

    © REUTERS / Matthias Rietschel
    Politik
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    Im deutschsprachigen Netz wird eine Facebook-Mitteilung des Deutsch-Syrers Manaf A. Hassan aktiv geteilt, der auf die Ursachen der Proteste in Chemnitz eingegangen ist und unter anderem auch die pauschale Bezeichnung der Protestierenden als „Nazis“ zurückgewiesen hat.

    Hassan verweist unter anderem auf die Tatsache, dass die Haftbefehle zu diesem Fall überhaupt publik werden konnten, sodass die Namen des Opfers, der Zeugen, der Richterin und des Tatverdächtigen genannt wurden. Das schließe den Schutz der Beteiligten aus, betont Hassan. In einem Rechtsstaat wie Deutschland sei dies ein Skandal und ein weiterer Beleg dafür, dass die Gesellschaft sich in eine „ganz gefährliche Richtung" bewege, die die Selbstjustiz fördere.

    Die „verabscheuungswürdige" Tat gegen Daniel Hillig müsse juristisch schnellstmöglich aufgearbeitet werden, schreibt der Facebook-User und fordert auch die „schnellstmögliche" Abschiebung aller vorbestraften und unter Bewährung stehenden Flüchtlinge: „Wer die Sicherheit und Freiheit in Deutschland nicht zu schätzen weiß und Deutschland mit seiner Einstellung/Gesinnung schadet sowie die Sicherheit und öffentliche Ordnung gefährdet, hat jegliches Recht auf Aufenthalt verloren. Egal welche Beweggründe man hatte, um ins Land zu kommen", so Hassan.

    Er unterstreicht die Unfähigkeit des deutschen Staates, diese Richtlinien umzusetzen: Die deutsche Regierung müsse „diese Marschroute vorgeben statt solch wichtige Schritte für die Sicherheit des Landes zu blockieren", ist er sich sicher.

    Denn: Bisher hätten die Prozesse und Handhabungen mit solchen kriminellen Schwerverbrechern anscheinend „nicht sonderlich abschreckend genug" gewirkt. „Im Gegenteil: Man hat das Gefühl, dass dieser lockere Umgang einige Flüchtlinge dazu verleitet hat, Straftäter zu bleiben oder gar zu werden".

    Hassan betont die Dringlichkeit der geforderten Maßnahmen:

    „Die Geduld aller ist am Ende", schreibt er. „Sowohl die von Deutschen, Deutschen mit Migrationshintergrund als auch Flüchtlingen/Ausländern, die mit dem Ganzen nichts zu tun haben und wirklich gut gesinnt sind. Und ich bin überzeugt, dass dies die überwiegende Mehrheit ist". Allerdings sei auch eine Minderheit an Kriminellen imstande, ein Land in Schutt und Asche zu legen.

    Dabei seien für ihn die gewaltbereiten Rechts-, aber auch Linksradikalen, keinen Deut besser. Denn diese seien in „einem wundervollen Land wie Deutschland" aufgewachsen und sollten wissen, dass Rassismus, Hass, Selbstjustiz usw. nicht im Einklang mit Demokratie stehen würden und größtenteils bestraft würden.

    Unrecht dürfe nicht mit Unrecht bekämpft werden, das verstoße schließlich gegen das Grundgesetz, so Hassan weiter. „Wer deeskalieren will, soll sich gefälligst an unsere Grundordnung halten. Alle, die sich nicht daran halten, egal aus welchem Lager, gehören in die Schranken gewiesen".
    Er ruft zu einer differenzierten Vorgehensweise auf und warnt unter anderem vor Ausschreitungen, bei denen „Menschen in einer Stadt in Deutschland gejagt werden, weil sie ähnliche Haut-, Haar- und Augenfarbe wie die Täter haben".

    Die grausame Tat an Daniel Hillig verdiene zwar „ehrliche Aufarbeitung und Aufklärung". Dass sein Tod nun von allen Seiten ausgenutzt werde, sei jedoch „feige und falsch".

    Allerdings lehnt er die undifferenzierten Bezeichnungen der Protestierenden als „Nazis" sowie andere pauschale Anschuldigungen ab. Die Menschen, die sich derzeit „friedlich und respektvoll gegenüber Mitmenschen zeigen und sich zu Recht gegen die Politik des Landes richten",  würden „ein offenes Ohr und die Umsetzung ihrer Forderungen" verdienen. 

    „Menschen wegen des wachsenden Drucks auf die eigene Person undifferenziert als ‚Nazis‘ etc. zu beschimpfen, ist scheinbar mittlerweile gängige Praxis geworden, um laute Stimmen verstummen zu lassen", bedauert Hassan. Die deutsche Regierung sowie die deutschen Politiker müssten begreifen, dass sie damit alles nur schlimmer machen und Menschen wirklich extrem nach rechts oder links drängen würden. Hassan warnt vor einem Weg ins Chaos. Die Gesellschaft stehe „an einem Scheideweg: Entweder alle zusammen gegen das Unrecht oder aber jeder allein gegeneinander".

    Zudem fordert der Facebook-Nutzer die Deutschen dazu auf, sich nicht von der AfD „ausspielen" zu lassen: Zwar seien viele Wähler der AfD gar nicht rassistisch oder wollten nicht den Hass schüren. Dennoch sei die AfD eine Partei, die sich als Retter in der Not aufspiele, und gleichzeitig „hinter Fassaden" einen „dicken, braunen Baumstamm" habe, „der bis in die Nazi-Zeit reicht".

    Das Volk sei das stärkste Glied einer Demokratie, erinnert Hassan seine Leser. „Wir können unsere Interessen und Forderungen auch ohne diese Partei durchsetzen. Demonstrationen müssen von keiner Partei organisiert werden", ist er überzeugt.

    Er verweist auf die Nebenumstände, die die Proteste in Chemnitz beeinflusst haben sollen: „Vielmehr liegen die Schmerzen dieser Menschen weit zurück. Der Osten Deutschlands ist auch nicht überwiegend rechtsgesinnt", schreibt er. Zwar sei die AfD in den Umfragen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt die zweitstärkste Kraft, doch das sei darauf zurückzuführen, dass man „es versäumt hat, dem Osten in der Realität ein Existenzrecht einzuräumen. Menschen fühlen sich dort wie Menschen zweiter Klasse", so Hassan. Die Ohnmacht lasse Ostdeutsche „einen Weg einzuschlagen, den sie sonst niemals gehen würden. Weil sie nicht mehr wissen, was sie sonst noch machen können, um ihre Situation zu verbessern".

    Zudem sei der Osten immer „laut und aktiv" gewesen, er trage „das Herz auf der Zunge", betont Hassan. „Wenn er etwas auf dem Herzen hat, dann trägt er es gern öffentlich vor. (…) Sonst hat er das Gefühl, nicht erhört oder ernstgenommen zu werden".

    Und bei alledem finde er es nicht wirklich überraschend, dass unter den Flüchtlingen so viele Kriminelle kämen, hebt der Deutsch-Syrer hervor.

    „Wer in Syrien Halsabschneider, radikale Islamisten und Vergewaltiger bewaffnet und über Jahre Unterstützung zusichert, um in der Region seine Interessen durchzusetzen, der muss doch damit rechnen, dass diese kriminellen Unmenschen denken, sie seien in dem Land erwünscht, dessen Regierung ihnen geholfen hat".

    In diesem Zusammenhang verweist er auf die Geschichte einer jungen Jesidin, die in Deutschland einem IS-Mann begegnet war, der sie im Irak vergewaltigt und versklavt hatte. „Diese schockierende Geschichte steht symbolisch für meine Aussagen und für die vielen Fehler, die in den letzten Jahren gemacht wurden", bedauert Hassan.

    „Wer Wind sät, wird Sturm ernten… leider hat die deutsche Regierung hier den Wind gesät und das Volk erntet gerade den Sturm", schreibt er abschließend.

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    Tags:
    Flüchtlinge, Mord, Proteste, Migranten, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Chemnitz, Deutschland