13:39 15 Dezember 2018
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    Konzert gegen Rassismus in Chemnitz

    Chemnitz: „Die Welt“ twittert gegen „Abschaum“, Steinmeier wirbt für Linksextreme

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    Im Netz ist vor dem Hintergrund eines von linken Kräften organisierten „Wir sind mehr“-Konzerts in Chemnitz eine Diskussion über Rassismus sowie linke und rechte Gewalt aufgeflammt. Ein von der Zeitung „Die Welt“ veröffentlichter Tweet hat den Unmut angeheizt.

    Unter dem Tweet mit dem provokanten Titel „Chemnitz: ‚Ansingen gegen den Abschaum‘“ erschienen sofort zahlreiche empörte Kommentare – einige Deutsche sollen ihn auf sich bezogen und als beleidigend empfunden haben:

    ​„WEN nennen Sie „Abschaum“? Mich? Ich unterstütze die Proteste der Chemnitzer. Singen diese linksextremistischen, staatsfeindlichen Punks gegen MICH? Bin ICH gemeint? Oder WIR DEUTSCHEN?“, schrieb ein Twitter-Nutzer.

    „Merken Sie eigentlich nicht, dass Sie mit derartigen Überschriften, die einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung menschenverachtend diffamieren („Abschaum!”), zur Polarisierung der Gesellschaft beitragen?“, so ein anderer User.

    Andere Nutzer seien von der Tatsache entrüstet, dass man „auf dem Rücken eines Ermordeten ein Party macht“:

    „Ansingen? Hilft da auch eine Armlänge Abstand? Party auf dem Rücken eines Ermordeten, mit Tanz und Gesang gegen Polizei und Staat. Anschließendes Steineschmeißen und Plünderungen nicht ausgeschlossen. Herzlichst, ihr Frank Walter“, schrieb ein Nutzer.

    Rund 65.000 Menschen waren am Montag unter dem Motto „Wir sind mehr“ dem Aufruf von Musikern gefolgt, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufzustehen. Zu den Bands zählten neben den Toten Hosen die Chemnitzer Band Kraftklub. Unter den Teilnehmern war  auch eine Gruppe, die zwischenzeitlich wegen „linksextremistischer Bestrebungen“ im Blick des Verfassungsschutzes geraten war. Es handelte sich um „Feine Sahne Fischfilet“, deren Präsenz viel Aufsehen erregte.

    Bemerkenswert ist, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Facebook-Account für dieses Event geworben hatte. Dies sorgte für Kritik in den Reihen der CDU.

    „Es gehört nicht zu den Aufgaben eines Bundespräsidenten, für Konzerte zu werben, bei denen auch linke Bands auftreten, die in ihren Texten zu Gewalt gegen Polizisten aufrufen“, sagte der  CDU-Abgeordnete Philipp Amthor gegenüber der „Bild“-Zeitung.

    Auch Internet-Nutzer waren mit dieser Werbung unzufrieden:

    „Der deutsche Bundespräsident macht auf seiner Facebook-Seite Werbung für ein Konzert mit der Band „Feine Sahne Fischfilet“, die in Verfassungsschutzberichten offiziell als „linksextrem“ eingestuft wurde. Im Klartext: Die Band ist gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Die politischen Maßstäbe in diesem Land haben sich damit endgültig komplett verschoben“, schrieb  Markus Hibbeler in den Kommentaren zum Facebook-Post.

    „Mit dieser Empfehlung stellt sich der Bundespräsident ganz klar GEGEN Chemnitz, gegen Sachsen, gegen Demokraten – einfach gegen alle „normalen“ anständigen Bürger. Das kann nicht mein Präsident sein“, empört sich Ulrich Lucas

    „Sehr geehrter Herr Bundespräsident, das ist nicht Ihr Ernst, dass Sie Werbung machen für ein Konzert, bei dem eine linksextremistische Band wie Feine Sahne auftritt? Halten Sie es tatsächlich für klug, Rechtsextremismus mit Linksextremismus zu bekämpfen?“, so Tim Pe.

    Die „Wir sind mehr“-Veranstaltung war eine Reaktion auf den gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen Deutschen vor gut einer Woche sowie die folgende Vereinnahmung der Bluttat durch rechtspopulistische Kräfte wie „Pro Chemnitz“ beziehungsweise AfD und Pegida.

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