15:40 15 November 2018
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    Ackerbau in Deutschland

    „Deutschland schneidet katastrophal ab“: FDP für Smart Farming auf dem Land

    © AFP 2018 / DPA/ Patrick Pleul
    Politik
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    Valentin Raskatov
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    GPS-gesteuerte Drohnen, autonome Traktoren und viele weitere Technologien kommen in Deutschland nicht zum Einsatz, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen fehlen. Dadurch wird das Land im internationalen Wettbewerb zum Verlierer, findet die FDP – und will sich für Smart-Farming-Technologien einsetzen.

    Drohnen bringen selbständig das Saatgut aus und verteilen Pflanzenschutzmittel. Unbemannte Traktoren und Mähdreschen fahren selbständig die Felder ab. Der Ackerwirt sitzt draußen im Garten und sieht sein Feld über eine App, tätigt die eine oder andere Bestellung und plant die nächsten Tage vor. Zwischendurch kommt eine neue, vielversprechende Tomatensorte rein, die auf dem Boden des Bauern höhere Erträge verspricht – mit der Genschere im Labor maßgeschneidert.

    „Deutschland schneidet katastrophal ab“

    So sieht die Zukunft des Ackerbaus aus, wenn Smart-Farming-Technologien zum Einsatz kommen. Und eigentlich ist sie zu großen Teilen vielerorts keine Zukunft mehr, sondern Gegenwart. Nur in Deutschland nicht, findet die FDP. Sie macht sich deshalb für das Thema Smart Farming stark. Davon versprechen sich die Liberalen große Sprünge in der deutschen Landwirtschaft.

    „Ich meine, dass Deutschland in dem Bereich gegenwärtig katastrophal abschneidet“, sagt der Bundestags-Abgeordnete Gero Hocker (FDP) gegenüber Sputnik. Ein Blick in die baltischen Länder, andere osteuropäische Staaten oder die USA zeige: Deutschland ist weit hinterher. „Vielleicht hat man sich auch ein Stück auf dem Wohlstand und dem Wachstum ausgeruht, dass man solche bahnbrechenden Investitionen und Innovationen in Deutschland nicht zur Marktreife geführt und in die Fläche gebracht hat“, mutmaßt der Politiker.

    Das führe auf lange Sicht zu Nachteilen im internationalen Wettbewerb. Denn in Sachen Effizienz seien dadurch andere Länder im Vorteil. Immer mehr Lebensmittel kämen deshalb aus dem Ausland. Bedauernswert findet Hocker diesen Vorgang auch deswegen, weil Deutschland höchste Standards bei Lebensmitteln halten will, diese höchsten Standards aber beim Wettbewerb mit der Zeit keine Rolle spielen werden, wenn sie nicht durch die erhältlichen Technologien unterstützt werden.

    Auch Öko-Bauern könnten profitieren

    Neben einer Ertragssteigerung können die Technologien auch sparsamere Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder Wasser bringen, indem zielgenau analysiert wird, wo etwas fehlt und nicht einfach die Ressourcen gleichmäßig über das gesamte Feld verteilt werden. Auch beim Tierwohl zeigen sich viele Bauern bereit, Kameras bei sich zu installieren, sodass der Verbraucher jederzeit selbst nachsehen kann, ob Standards eingehalten werden.

    Aber das scheitert am langsamen Internet.

    „Es wird viel kritisiert an der Landwirtschaft. Auf der anderen Seite hat die Politik es in den letzten Jahren, vielleicht sogar in den letzten Jahrzehnten, versäumt, Landwirtschaft in die Situation zu versetzen, tatsächlich auch diese Technologien anwenden zu können und Vorbehalte gegenüber der Landwirtschaft abzubauen“, ist sich der Politiker sicher.

    Auch beim ökologischen Anbau sieht Hocker in Smart Farming eher den Schlüssel als ein Hindernis, das nur Monokulturen in die Hände spielt. Denn schließlich könnten auch Ökobauern mit modernen Technologien etwa eine schnelle Fruchtfolge differenzierter planen.

    Gesetzliche Rahmenbedingungen nötig

    Deswegen fordert er, dass vonseiten des Staates „gesetzliche Rahmenbedingungen“ geschaffen werden, damit die Technologien auch wirklich genutzt werden können. Die Nachfrage sei da. Die Investitionen würden getätigt werden, sobald die Sicherheit hergestellt ist, gibt sich Hocker überzeugt. „Die Technologien haben sich auch in anderen Ländern durchgesetzt, ohne dass der Staat sie in besonderer Weise gefördert hätte“, bemerkt er.

    Was Risiken des Smart Farming betrifft, gibt er sich gelassen. Man solle „nicht das Haar in der Suppe suchen, welche Risiken und welche Probleme daraus entstehen können, sondern in erster Linie argumentieren, dass das Glas halbvoll ist“. Schließlich würden heute auch keine Flugzeuge fliegen, wenn alle immer nur die Absturzgefahr betont hätten.

    Das Interview mit Gero Hocker (FDP) in voller Länge:

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    Tags:
    Technologien, Traktor, Drohnen, Innovationen, Wettbewerb, Lebensmittel, Landwirtschaft, Apps, FDP, Bundestag, Gero Hocker, Deutschland