21:51 16 November 2018
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    Manöver Wostok-2014 (Archivbild)

    „Wostok 2018“: Warm-up für einen Krieg, oder nur Verteidigungstraining?

    © Sputnik / Witalij Ankow
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    Nikolai Protopopow
    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
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    Massive Luftschläge, Abwehr von Raketenangriffen, Landungsoperationen und Einsätze hinter der Feindeslinie – das alles trainieren die russischen Streitkräfte seit Dienstag, dem 11. September eine Woche lang in Russlands Fernem Osten. „Wostok 2018“ heißt das Manöver, das es in dieser Größenordnung in Russland noch nie gab.

    Ein vergleichbares Kräfteaufgebot gab es auf russischem Boden das letzte Mal bei einer Militärübung zu Sowjetzeiten, vor knapp 40 Jahren. Diesmal sind rund 300.000 Soldaten, über 30.000 Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge, circa 1.000 Flugzeuge und Hubschrauber, fast 100 Schiffe am Manöver beteiligt.

    Besonders intensiv verläuft die Übung auf einem Übungsgelände in der Region Transbaikalien. Allein hier sind über 7.000 Technikeinheiten und rund 250 Luftfahrzeuge im Einsatz. Der russische Generalstab stellt außerordentlich hohe Anforderungen an das Material und das Personal: die Soldaten müssen zügig in einer sich rasch verändernden Umgebung handeln, auf schnelle Entscheidungen und unkonventionelle Lösungen kommt es an.

    Übrigens: Aus der geografischen Lage des Manövers leitet sich dessen Name ab: „Osten 2018“.

    Hier stehen vordergründig Verteidigungsmanöver auf dem Plan, die Kräfte trainieren es, den Gegner durch Artilleriefeuer und Luftunterstützung niederzuhalten. Auch Roboter und Drohnen kommen dabei großflächig zum Einsatz.

    Chinesische Panzer, die an den Manövern zwischen Russland und China teilnehmen
    © Sputnik / Ewgenij Epantschintsew
    Laut dem russischen Verteidigungsministerium sind nahezu alle bei den Streitkräften des Landes vorhandenen Waffenmuster an der Übung beteiligt – zum Beispiel: Kampfpanzer T-72, T-90 und der modernisierte T-80BWM oder auch Raketensysteme vom Typ „Iskander“.

    Aus der Luft werden die Truppen von Jagdbombern Su-34 sowie Kampfhubschraubern Mi-28 und Mi-35 unterstützt, auch wurden die Nahunterstützungsflugzeuge Su-25 und die Jagdbomber Su-24 auf die örtlichen Flugplätze verlegt. Selbst strategische Bomber vom Typ Tu-95MS und die Überschallbomber Tu-22M3 sind vor Ort.

    Währenddessen schützen die Mehrzweckjäger Su-35 und die Abfangjäger MiG-31BM die Einsatzkräfte gemäß dem Übungsszenario vor Luftangriffen. Kampferfahrungen der russischen Luftstreitkräfte in Syrien werden in das Training einbezogen.

    Große Landungsschiffe „Nikolai Wilkow“ (links) und „Admiral Newelskoj“ setzten Marineinfanteristen an der Küste ab
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Große Landungsschiffe „Nikolai Wilkow“ (links) und „Admiral Newelskoj“ setzten Marineinfanteristen an der Küste ab

    Große Landungsschiffe „Nikolai Wilkow“ (links) und „Admiral Newelskoj“ setzten Marineinfanteristen an der Küste ab

    Zu Wasser trainieren Verbände der Pazifik- und Nordflotte: insgesamt circa 80 Kampf- und Unterstützungsschiffe.

    Gemäß dem Übungsszenario wehren die Schiffsbesatzungen im Ochotskischen Meer und im Nordwestpazifik Luftangriffe ab, führen einen Gegenangriff gegen Schiffsverbände aus – dabei werden unter anderem „Kalibr“-Raketen eingesetzt – und schützen die Küstenlinie vor einer Anlandung des Gegners. Flugzeuge und Hubschrauber der Marine geben Bodentruppen derweil Luftunterstützung durch massive Bomben- und Raketenschläge.

    Ein Bahntransport mit chinesischem Militärgerät vor dem Start der Übung „Wostok 2018“
    © Sputnik / Ewgenij Epantschinzew
    Ein Bahntransport mit chinesischem Militärgerät vor dem Start der Übung „Wostok 2018“

    Das Manöver „Wostok 2018“ umfasst ein Gebiet von insgesamt neun Truppenübungsplätzen. Es findet im Bering- und im Ochotskischen Meer sowie in den Buchten Awtschinskij und Kronozkij statt. Das Material dafür wurde auf dem Land- und Luftweg aus über 7.000 Kilometern verlegt, über 4.000 Seemeilen haben Kampfschiffe zurückgelegt, um eigens für die Übung von einer Flotte in die andere zu wechseln.

    Das Manöver ist ein bilaterales, gemäß der Übungslage bekämpfen sich zwei Seiten: Die Kräfte des Militärbezirks Zentrum plus die Nordflotte treten den Kräften des Militärbezirks Ost samt der Pazifikflotte entgegen.

    Eine Besonderheit des diesjährigen Manövers: Neben den russischen Streitkräften sind auch die chinesische und die mongolische Armee daran beteiligt. Sie sind in die Kampftaktik des russischen Militärs eingebunden. Rund 3.500 chinesische Soldaten sind derzeit in Russland zu Gast.

    Der russische Generalstabschef, General Waleri Gerassimow, erklärte, ein derart massives Manöver habe in der Russischen Föderation bislang nicht stattgefunden. Die diesjährige Übung sei auch insofern einmalig, als dass daran mehrere Militärbezirke gleichzeitig beteiligt seien.

    „Strategische Manöver werden üblicherweise mit einem Militärbezirk in einer strategischen Richtung unter dem Oberkommando des Generalstabs abgehalten“, erklärt Gerassimow. Zum diesjährigen Manöver wurden, wie gesagt, die Einsatzkräfte mehrerer Militärbezirke entsandt, befehligt werden sie vom Verteidigungsminister Sergei Schoigu persönlich.

    Jagdbomber Su-34 im Fernen Osten (Archivbild)
    © Sputnik / Sergej Orlow
    Jagdbomber Su-34 im Fernen Osten (Archivbild)

    Ein Manöver, das sich in der Größenordnung mit „Wostok 2018“ vergleichen ließe, ist eine Übung aus dem Jahr 1981: „Zapad 81“, abgehalten zeitgleich in den Militärbezirken Weißrussland, Kiew und Baltikum sowie in den Gewässern der Ostsee. 20 Divisionen (rund 100.000 Mann) und über 1.000 Flugzeuge und Hubschrauber waren damals auf einer Fläche von 650 mal 550 Kilometer im Einsatz.

    Kampfpanzer T-72
    © Sputnik / Witlaij Ankow
    Kampfpanzer T-72

    Wie die meisten Manöver der russischen Streitkräfte wird auch die diesjährige Übung sehr aufmerksam von westlichen Strategen verfolgt. Obwohl „Wostok 2018“ nur auf russischem Territorium stattfindet und eine reine Verteidigungsübung ist, erhebt die Nato den Vorwurf, das Manöver sei eine Vorbereitung zu einem massiven Konflikt.

    Das russische Außenministerium betont: Die Übung „Wostok 2018“ finde fernab der Nato-Länder statt und habe auf deren Sicherheit keinerlei Einfluss.

    Überdies ist das Manöver völlig transparent, ausländische Militärattachés wurden zur Teilnahme eingeladen. Über 90 Beobachter aus 57 Ländern, der Militärmission der Nato und der ständigen EU-Vertretung in der Russischen Föderation haben ihre Teilnahme bestätigt.

    Marineinfanterie wird abgesetzt
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Marineinfanterie wird abgesetzt

    Im Grunde aber entbehrt „Wostok 2018“ jeder Sensation, sagte General Gerassimow: „Es ist nichts Besonderes, es wurde einfach Zeit. Es handelt sich um den jährlichen Vorbereitungszyklus der Streitkräfte, und in diesem Jahr wurde beschlossen, zwei Militärbezirke einzubeziehen“, so der russische Generalstabschef.

    Alle gegnerischen Staaten innerhalb des Manövers seien rein fiktiv, die Übung entspreche der russischen Militärdoktrin und sei darauf gerichtet, die Fähigkeiten des Personals zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu steigern, hieß es aus dem Generalstab.

    Der Hauptzweck des Manövers bestehe darin, das Operieren in östlicher Richtung und auf taktisch wichtigen Meeres- und Ozeanabschnitten zu trainieren.

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    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
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    Landungsschiff, Großmanöver, Kampfjets, Truppen, Militärübung, Soldaten, Militärmanöver, Manöver, Mi-35, T-80, Kampfpanzer T-90, Mi-8, Su-24, T-72-Panzer, Su-25, S-300, Tu-22M3, Tu-95MS, Wostok 2018, Wostok-2018, Pazifikflotte, Verteidigungsministerium Chinas, Verteidigungsministerium Russlands, EU, NATO, Sergej Schojgu, Walerij Gerassimow, Sergej Schoigu, Wladimir Putin, Sowjetunion, Fernost, Wladiwostok, UdSSR, Russland, China