13:08 24 September 2018
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    Alexander Petrow und Ruslan Boschirow in Salisbury (Screenshot von Überwachungskamera)

    Was sie in Salisbury wirklich suchten: Skripal-Verdächtige packen aus

    © REUTERS / Metropolitan Police/ Handout
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    Exklusiv: Mutmaßliche Skripal-Attentäter melden sich erstmals zu Wort (10)
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    Die Briten sehen sie hinter dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal: Die Russen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow sprechen erstmals öffentlich darüber, mit welchem Ziel sie im März ins britische Salisbury gereist waren Die beiden sind nach eigenen Worten Unternehmer. Eine Verwicklung in das Attentat bestreiten sie vehement.

    Sie seien zuerst am 3. März nach Salisbury gekommen, um zu spazieren, und hätten keinerlei Giftstoffe bei sich gehabt, so die beiden in einem Exklusivinterview mit Sputnik und RT. 

    „Wir wollten durch die Stadt bummeln“, beschreibt Petrow als Ziel.  „Doch die ganze Stadt war mit Schnee bedeckt, da hat es uns nach einer halben Stunde gereicht.“ Ihre Kleidung sei schnell nass geworden. Deshalb seien sie zum Bahnhof zurückgekehrt und hätten mit dem Zug die Stadt verlassen. „Wir hatten etwa 40 Minuten auf den Zug gewartet – in einem Café auf dem Bahnhof.“

    Boschirow ergänzte: „Wir tranken heiße Schokolade. Denn wir waren durch und durch nass.“ Nach seinen Worten hatten beide am 3. März maximal eine Stunde in Salisbury verbracht.

    Auf die Frage der RT- und Sputnik-Chefredakteurin Margarita Simonjan, ob sie „Nowitschok und einen anderen Giftstoff“ bei sich hatten, antworteten die beiden mit Nein.

    Am nächsten Tag seien sie aber wieder nach Salisbury gefahren, um die dortigen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, erzählte Petrow weiter. „Wir saßen im Park, tranken Kaffee in einem Café“, ergänzte Boschirow. „Wir bummelten und genossen die schöne englische Gotik.“

    Auch die Frage, ob sie, wie London behauptet, beim militärischen Nachrichtendienst GRU arbeiteten, beantworteten beide mit Nein. „Wir sind Unternehmer mittlerer Klasse“, sagte Petrow.

    Giftanschlag auf die Skripals

    Der frühere russisch-britische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia, die am 4. März unweit des geheimen Militärlabors Porton Down bewusstlos aufgefunden wurden, waren nach Darstellung der britischen Regierung mit dem tödlichen Giftstoff A234, im Westen unter dem russischen Namen Nowitschok bekannt, vergiftet worden. Ihre schnelle Genesung halten Experten jedoch für überraschend

    Die britische Regierung machte umgehend Russland für das mutmaßliche Attentat verantwortlich. Russland weist diesen Vorwurf von sich und fordert eine unabhängige Aufklärung. Die britische Premierministerin Theresa May ließ 23 russische Diplomaten auweisen. Aus „Solidarität“ mit London wiesen auch die USA, Deutschland und viele weitere EU-Staaten Dutzenden russischen Diplomaten die Tür.

    Als Reaktion wies auch Moskau westliche Diplomaten aus, erklärte sich dabei aber wiederholt bereit, bei den Ermittlungen zu helfen. Die britischen Behörden winkten ab. Der damalige Außenminister Boris Johnson versprach im März, „verblüffende Beweise“ gegen Russland zu präsentieren, tat das bis zu seinem Rücktriff im Juli aber nicht. Das mit der Untersuchung beauftragte britische Militärlabor Porton Down teilte im April mit, dass eine russische Herkunft des Nervengifts nicht nachweisbar sei.

    Anfang September hat die britische Polizei Bilder von zwei Verdächtigen veröffentlicht. Bei ihnen soll es sich um Mitarbeiter des russischen Militär-Nachrichtendienstes GRU  handeln. Am 5. September hat die britische Staatsanwaltschaft gegen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow Anklage erhoben.

    Nach russischen Angaben haben die beiden nie beim GRU gearbeitet. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am gestrigen Mittwoch mitgeteilt, dass die russischen Behörden Petrow und Boschirow bereits identifiziert hätten und deren Aufenthaltsort kennen. Bei den beiden handle es sich um "Zivilisten ohne kriminellen Hintergrund". Putin forderte die beiden auf, „aufzutauchen und selber über sich selbst zu erzählen“.

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    Ruslan Boschirow, Sergej Petrow, Salisbury, Großbritannien, Russland