02:40 20 Oktober 2018
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    ein Kind in Idlib

    Britischer Ex-Botschafter in Syrien gibt zwölf Antworten auf Fake News

    © REUTERS / Khalil Ashawi
    Politik
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    Armin Siebert
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    Der ehemalige britische Botschafter in Syrien widerlegt in zwölf Thesen gängige Begründungen des Westens für ein notwendiges militärisches Eingreifen in dem Bürgerkriegsland. Der ehemalige Top-Diplomat und jetzige Mitarbeiter der Vereinten Nationen bezieht sich sowohl auf Idlib, als auch auf mögliche Chemiewaffeneinsätze und die Rolle Russlands.

    Peter Ford ist ein früherer britischer Diplomat, der von 1999 bis 2003 Botschafter in Bahrain und von 2003 bis 2006 Botschafter in Syrien war.

    Nach seiner Pensionierung im Jahre 2006 wurde er Vertreter des Generalkommissars des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA).

    Der sich selbst als „Insider“ bezeichnende Ex-Diplomat hat nun einen Artikel auf der amerikanischen Website 21centurywire veröffentlicht, in dem er Behauptungen westlicher Medien und Regierungen in Bezug auf Syrien widerlegt.

    Ford nennt seine Liste "Das schmutzige Dutzend — 12 Lügen, die uns kontinuierlich untergeschoben werden, um eine bevorstehende Bombardierung Syriens zu rechtfertigen."

    1. In Idlib gibt es mehr Babys als Dschihadisten

    Zufällig ist dieses Juwel der moralischen Erpressung unwahr. Es gibt doppelt so viele Dschihadisten (etwa 100.000) wie Babys (0-1 Jahr) (55.000). Was soll dieses Faktoid überhaupt sagen? Versuchen sie nicht, ein Gebiet mit Dschihadisten zu befreien, weil sie vielen Kindern schaden könnten? Die westliche Koalition achtete kaum auf diese Überlegung als sie Mosul und Rakka zerstörten, um ISIS zu vernichten. Es werden immer noch Babys aus dem Schutt in Rakka herausgezogen.

    2. Die Berichte (über den bevorstehenden Angriff mit chemischen Waffen) müssen wahr sein, denn Assad hat es schon einmal getan.

    Falsch. Seit 2013, als Assad unter Aufsicht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) chemische Waffen aufgegeben hat, hat die OPCW die Orte angeblicher Attacken in von Dschihadisten beherrschten Gebieten nicht mehr besucht, sondern Berichte von Pro-Dschihad- Organisationen wie den Weißhelmen und der Syrian American Medical Society sowie Beweise von feindlichen Geheimdiensten akzeptiert. Im Falle des einen Ortes, den die OPCW besucht hat, Duma, sagte ihr Bericht, dass sie keine Beweise für Sarin, keine unerwünschten Spuren in den Blutproben von „angeblichen Opfern“ (ihre Bezeichnung) und keine eindeutigen Beweise für die Verwendung von Chlor gefunden hätten.

    3. Der Bericht der OPCW über Duma war fehlerhaft, weil die Russen und Syrer Verzögerungen verursachten.

    Falsch. Wie im Bericht der OPCW dokumentiert, wurde die Verzögerung durch die UN-Bürokratie und Dschihad-Schützen verursacht. Die Inspektoren sagen nicht, dass ihre Ergebnisse durch die Verzögerung in erheblichem Maße ungültig geworden sind.

    4. Assad benutzt chemische Waffen, weil sie eine große Anzahl von Menschen aus Angst vor der Flucht abhalten.

    Falsch. Das tun sie nicht. Dieses verzweifelte Argument wird ausgefochten, um der Tatsache entgegenzuwirken, dass Assad dumm sein müsste, chemische Waffen einzusetzen. Sie wissen, was das Ergebnis sein und dass Assad minimalen militärischen Nutzen daraus ziehen würde. Bislang hat keiner der mutmaßlichen chemischen Angriffe einen Exodus ausgelöst, der größer ist als die Flucht durch die legendären „Tonnenbomben“. Die Bewohner von Duma waren sich bei ihren eigenen Zeugenaussagen gegenüber westlichen Journalisten nicht einmal bewusst, dass es einen Angriff gegeben haben könnte, bis sie davon in den Medien hörten.

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    5. Die OPCW wird nicht in der Lage sein, zu ermitteln, weil sie nicht sicher ist.

    Eine schwache Ausrede zur Verhinderung eines Angriffs ist die Feststellung von Fakten vor dem Bombenangriff. Die Türken eskortieren westliche Journalisten nach Idlib. Sie haben Hunderte von Truppen dort und die Dschihadisten katzbuckeln vor ihnen, weil sie die gesamte Logistik kontrollieren. Die Türken könnten die OPCW eskortieren. Und wären die Dschihadisten auf den Besuch der Inspektoren nicht schärfer als jeder andere, wenn ihre Behauptungen wahr wären?

    6. Die bevorstehenden militärischen Schläge zielen nicht auf einen Regimewechsel ab.

    Falsch. Der Plan ist, den syrischen Staat mit Angriffen auf die Präsidentschaft zu enthaupten. Andernfalls ist das Ziel, Idlib zu einem Sumpf für die Russen zu machen. Alles, um Asad und Putin den Sieg zu nehmen, unabhängig davon, ob das den Krieg verlängert.

    7. Es sind alles russische Desinformationen.

    Ja, wie die Waffeninspektoren vor dem Irak-Krieg, die sagten, dass es keine chemischen Waffen im Irak gäbe. Realität: Die Russen haben genug Geheimdienstinformationen darüber, was die westlichen Mächte mit ihren Dschihadisten vorhaben und benennen die falschen Schachzüge.

    8. Es wird nicht genügend Zeit für die parlamentarische Debatte bleiben.

    Realität: Die Regierung hat Angst vor einer Wiederholung von 2013, als Labour und 30 mutige Tory-Abgeordnete gegen eine Bombardierung stimmten. Dies führte dazu, dass Cameron und dann Obama sich zurückzogen.

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    9. Den Abgeordneten kann nicht gesagt werden, was geplant ist, da dies die Sicherheit des Servicepersonals gefährden würde.

    Wie tief kann man nur sinken? Vortäuschende Sorge um Flugblätter, wenn es wirklich nur darum geht, die Leute in Unwissenheit darüber zu halten, wie groß die Angriffe sein werden.

    10. Es wird ein Massaker, Blutbad oder einen „Völkermord“ geben.

    Falsch. Wir hörten all diese Hysterie vor Aleppo, vor Ost-Ghuta und vor der Kampagne im Süden. Alles sehr übertrieben. Die syrisch-arabische Armee war nicht für ein einziges Massaker verantwortlich, während die Dschihadisten für viele verantwortlich waren (Quelle: Quartalsberichte der unabhängigen Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zu Syrien).

    11. Die Menschen können nirgendwo hingehen.

    Falsch. Die Russen haben Sicherheitskorridore geöffnet, aber die Dschihadisten lassen die Menschen nicht gehen. Sie können immer noch in den nördlichen Grenzstreifen gehen, den die Türkei kontrolliert, wo es Lager gibt und viele (einschließlich Dschihad-Kämpfer) werden vorübergehend in die Türkei einreisen können.

    12. Wir können Ihnen nicht sagen, welche bewaffneten Gruppen wir unterstützen, denn das würde sie zu Zielen für Assad machen.

    Wirklich? Glaubst du, er weiß es nicht? Ist es nicht eher so, dass sie Angst haben, dass herauskommt, dass sie einige Kopfabschneider unterstützt haben?

    Hier finden Sie Fords Artikel im Original:

    https://21stcenturywire.com/2018/09/14/the-bluffers-guide-to-bombing-syria/

    Vielen Dank an Sylvia Gutschera für die Übersetzung.

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    Tags:
    Debatte, Erpressung, Offensive, Regimewechsel, Dschihadisten, IS, OPCW, Baschar al-Assad, Großbritannien, Syrien, Russland