19:37 16 Oktober 2018
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    US-Panzer in Bremerhaven auf dem Weg nach Osteuropa (Archivbild)

    Fort Trump: Wer von ständiger US-Militärbasis in Polen profitiert

    CC BY 2.0 / U.S. Army Photo/ 21st TSC Public Affairs / Sgt. 1st Class Alexander Burnett
    Politik
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    Nikolai Protopopow
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    Einige Tausend Infanteristen, Hunderte Panzer, Schützenpanzerwagen, Artilleriekanonen und Hubschrauber – Polen will offenbar die geopolitische Landschaft Europas ändern und hat die USA dazu eingeladen, auf seinem eigenen Territorium eine ständige Militärbasis einzurichten.

    In Polen soll dauerhaft eine komplette US-Panzerbrigade stationiert werden. Während das Pentagon die Details erörtert, drückten die Polen bereits ihre Bereitschaft aus, zwei Mrd. US-Dollar für die Installation des Militärstützpunkts auszugeben. Warum sich Warschau eine permanente US-Militärpräsenz wünscht und welche Vorteile Washington daraus zieht – das lesen Sie in diesem Artikel.

    „Bedrohung“ im Osten

    Die USA und Polen führen bilaterale Verhandlungen, also außerhalb der Nato. Die Polen erklären die Notwendigkeit einer US-Militärpräsenz mit der angeblich von Russland ausgehenden Bedrohung. Sie sind über die engen Verbindungen zwischen Moskau und Minsk beunruhigt – nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im militärischen Bereich. Dem stellvertretenden polnischen Verteidigungsminister Tomasz Szatkowski zufolge würde Polen nach der Stationierung der US-Truppen nicht mehr als Puffer-Land betrachtet, was das Sicherheitsgefühl stärken würde.

    In Polen sind bereits etwa 4000 US-Soldaten aus Pentagon- und Nato-Einheiten stationiert – zwar auf dem Rotationsprinzip, doch nach den gemeinsamen Übungen in Europa zeigt man keine Eile, die Panzer wieder abzuziehen. Um die internationalen Vereinbarungen zu umgehen, greift man zu Tricks. So stationierten die USA im vergangenen Jahr bei der Operation Atlantic Resolve in Polen die 3. Panzerbrigade mit 100 Panzern des Typs M1A1 Abrams, schweren Selbstfahrlafetten des Typs M109 Paladin und Schützenpanzerwagen des Typs Bradley. Später wurde dieser Einheit die 2. Panzerbrigade zur Unterstützung geschickt. Auf dem Papier wirkt dieser Vorgang weniger beunruhigend – eine Brigade wurde durch eine andere ersetzt. Doch die Militärtechnik wurde nicht mitgenommen.

    Auf den ersten Blick erscheint alles harmlos  – leere Panzer stehen im Fuhrpark. Doch bei Bedarf können die Besatzungen für diese Panzer innerhalb weniger Stunden vom Stützpunkt Ramstein in Deutschland nach Polen gebracht werden. Zu dieser Taktik griffen die Amerikaner bereits während des Kalten Kriegs. Jedes Jahr wurde bei den Manövern REFORGER geübt, innerhalb weniger Tage die Truppen in Westdeutschland zu stationieren, wo das Kriegsgerät bereits geparkt wurde. Die Soldaten wurden damals mit Flugzeugen zu ihren Einsatzorten gebracht.

    Bequemer Hebel

    Rotation ist halt Rotation, doch die ständige Präsenz der US-Truppen mitten in Osteuropa nahe der russischen Staatsgrenze ist eine andere Geschichte. Laut dem Militärexperten Alexander Perendschijew würden die neuen Umstände der politischen Elite in Polen die Möglichkeit verschaffen, ihre Positionen sowohl im eigenen Land als auch in Europa zu festigen.

    „Das werden mobile Truppen sein, die bei Bedarf schnell in jedes Gebiet in Europa verlegt werden können“, so der Experte. „Polen wird damit zum Aufmarschgebiet für die Verlegung der Truppen, darunter in die Ukraine. Es kann sich dabei um Staaten wie Tschechien, die Slowakei, Ungarn handeln, die in der letzten Zeit eine gewisse Unabhängigkeit von der Nato und der EU demonstrieren. Den Amerikanern würde es dieser Stützpunkt ermöglichen, bei Verhandlungen Gewaltanwendung anzudeuten. Das ist de facto ein Akt der Besetzung Osteuropas, wo die politische Elite Polens als Instrument und treuer Helfer der USA auftritt“, so der Experte.

    Der ehemalige Leiter der Hauptverwaltung für internationale militärische Zusammenarbeit des Verteidigungsministeriums, Generaloberst Leonid Iwaschow, äußerte die Meinung, dass der Ausbau der ständigen US-Truppenpräsenz in Polen auf die Förderung der Wirtschaftsinteressen der USA gerichtet ist.

    „Die Amerikaner müssen ihr teures und nicht sehr gutes Schiefergas an die Europäer verkaufen“, sagte Iwaschow. „Deswegen hält Washington Europa mithilfe seiner Militärstärke im Zaum, vor allem die Nato. So wird das strategische NATO-Kommando Europa immer von einem General bzw. Admiral aus den USA geleitet, der ziemlich weitgehende Vollmachten hat. Die Beziehungen zwischen Washington und den westeuropäischen Ländern verschlechtern sich, besonders mit Deutschland, Frankreich und anderen Ländern Europas. Deswegen nutzen die USA die nachgiebigen osteuropäischen Länder für ihre Interessen. So verzichtete Bulgarien unter gewissem Druck auf die russische Gaspipeline, wobei der Weg für das US-Schiefergas freigemacht wurde“, so der Experte.

    Aus militärischer Sicht bedroht das neue US-Objekt nicht die Sicherheit Russlands. „Das ist ein kleiner Stützpunkt. Man braucht da keine Angst zu haben, wir haben alle Mittel, um im Falle einer Bedrohung eine Antwort zu geben. Dort wird es bis zu 6000 Soldaten geben. Die Einheiten, die derzeit in Polen stationiert sind, werden in den Stützpunkt aufgenommen, plus ein paar weitere Bataillone; die Amerikaner haben kein unerschöpfliches Pool an Berufssoldaten.“

    Europäische Konfrontation

    Laut dem Kreml ist die Stationierung des US-Stützpunktes in Polen ein eigenständiger Beschluss Warschaus, der für die Stabilität in Europa weniger förderlich ist und Gegenmaßnahmen nach sich ziehen wird.

    Die US-Truppen in Europa zählen derzeit bis zu 60.000 Soldaten. Der größte Stützpunkt Ramstein befindet sich in der Mitte Deutschlands. Er ist einer von zwei Stützpunkten in Deutschland, wo vermutlich die Atomsprengköpfe aufbewahrt werden. Ramstein ist das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa und ein Nato-Stützpunkt. Rund 15.000 Militärs sind hier stationiert, knapp 30.000 Zivilisten sind hier tätig.

    Weitere Militärstützpunkte befinden sich in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Italien. Zudem stationierte die Nato 2016 auf Bitte Lettlands, Litauens und Estlands multinationale Bataillone in diesen Ländern. Später kündigte das litauische Verteidigungsministerium die Einrichtung eines ersten Militärgeländes im Baltikum nach Nato-Standards 60 Kilometer von der russischen Grenze entfernt an.

    Doch laut Informationen aus offenen Quellen hat Russland in der westlichen Richtung ausreichend Ressourcen für eine effektive Verteidigung geschaffen. In Sankt Petersburg und im Gebiet Leningrad sind die Einheiten der 6. Allgemeinen Armee stationiert, die mit T-72-Panzern, Haubitzen mit großer Reichweite, Raketensystemen Iskander-M und Flammenwerfern TOS-1A Solnzepjok bewaffnet sind.

    Südlicher, in den Gebieten Belgorod, Woronesch und Smolensk, sind die Einheiten der 20. Allgemeinen Garde-Armee des Militärbezirks West stationiert, die derzeit aktiv umgerüstet wird, darunter mit Panzern T-72B3 der letzten Generation. Im Gebiet Pskow sind die 76. Garde-Landedivision und eine Spezialeinheit-Brigade stationiert. Im Gebiet Kaliningrad befindet sich das 11. Korps der Baltischen Flotte mit T-72-Panzern, Großkaliber-Artillerie und Raketensystemen Iskander-M. In der Luft wird die westliche Richtung von der 6. Armee der Luftstreitkräfte und Flugabwehr mit Flugplätzen in den Gebieten Woronesch, Smolensk, Leningrad und Pskow geschützt.

    Militärexperten zufolge würde die Stationierung des US-Stützpunktes in Polen kaum zu einem großen Krieg in Europa führen – das wollen weder die USA noch die Europäer oder Russland.

    Das Fazit: Die Amerikaner haben es erneut geschafft, ihre Kontrolle über die Europäische Union zu festigen. Der polnischen Regierung bleibt nur, sich vor ihren Wählern für die milliardenschweren Ausgaben für den Schutz aus Übersee zu rechtfertigen.

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    Tags:
    Expansion, Kriegsgefahr, Pläne, Festung, US-Militärstützpunkt, Militärstützpunkt, Truppenentsendung, Panzertechnik, Waffensystem M109 Paladin, T-72-Panzer, Abrams M-1A1, M1-Abrams, Atlantic Resolve, Pentagon, NATO, Donald Trump, Osteuropa, Russland, USA, Polen, Deutschland