06:52 14 Dezember 2018
SNA Radio
    Russlands Aufklärungsflugzeug Il-20 (Archiv)

    Nach Il-20-Abschuss: Israel muss beweisen, dass es Leben von Russen zu schätzen weiß

    © REUTERS / Sergey Pivovarov
    Politik
    Zum Kurzlink
    Viktor Marachowski
    10627613

    Die Ermittlung zu den Umständen der Il-20-Katastrophe in Syrien geht weiter. Die grundlegende Haltung Russlands hat der russische Präsident Wladimir Putin geäußert: Der Absturz sei von einer Kette von tragischen Zufällen verursacht worden.

    Allerdings wäre es ein großer Fehler zu glauben, dies bedeute „Da ist nichts zu machen, es kommt manchmal so etwas vor, es gibt keine Vorwürfe gegen jemanden“. Im Gegenteil. Das ist gerade ein Fall, in dem eine Äußerung des einheimischen (sowjetischen – Anm. d. Red.) Politikers Lasar Kaganowitsch äußerst relevant ist: „Jede Panne hat einen Vor- und Nachnamen sowie eine Amtsbezeichnung“. Denn erstens geht es in diesem  Fall um fünfzehn gestorbene Soldaten von uns. Zweitens: Vor welchem Hintergrund und warum diese Kette von Zufällen möglich wurde. Drittens geht es darum, dass derartige Zufälle in der Zukunft für immer auszuschließen sind.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Versagte die Freund-Feind-Erkennung bei Il-20-Abschuss? Moskau klärt auf

    Gerade deswegen sieht die von Israel öffentlich geäußerte Haltung, die auf die Beweise der These „Die Syrer haben wahllos geschossen, sie verstehen überhaupt nicht, wie man mit dem Luftabwehrsystem umgeht, richtet deshalb alle Vorwürfe an sie“ hinausläuft, nicht nur für Russland unannehmbar aus. Vor allem aber für Israel selbst. 

    Der Knackpunkt hier ist folgender. Am Syrien-Krieg, der überhaupt die Widersprüchlichkeit unserer Welt veranschaulicht, nehmen unmittelbar mehrere weltweit stärkste Kriegsmaschinen teil, und jede von ihnen verfolgt Ziele, die den Zielen einer anderen entgegengesetzt sind.

    Dennoch ist die Zahl der getöteten Soldaten dieser Militärmächte äußerst gering. Jeder weiß, wie diese Situation erreicht wurde: Nämlich dank einem skrupulösen und äußerst harten System der Koordinierung und der gegenseitigen Vereinbarungen, das von Russland moderiert wird. Der Krieg in Syrien ist ein Krieg der modernen Geschichte, der womöglich unter dem stärksten Einfluss der Diplomatie steht und die Regeln am meisten einhält. 

    Dabei ist Russland zum „Kriegsmoderator“ geworden, nicht nur weil der syrische Staat mit russischer Unterstützung das Todesurteil gegen sich aufhob und seine Territorien von den Banden Meter um Meter zurückerobert. Sondern weil Russland, im Unterschied zu den Vereinigten Staaten, die sich aktiv als Schiedsrichter aufdrängten, die Souveränität und die Interessen der Teilnehmer dieses Krieges tatsächlich studiert, begreift und berücksichtigt.  

    >>Andere Sputnik-Artikel: Israel übergibt Russland Daten zu Il-20-Tragödie

    Darunter auch die Interessen Israels. Die Fälle, bei denen Russland dem jüdischen Staat entgegenkam, wurden in den letzten Tagen mehrmals aufgezählt. Darunter ist die Vermittlung beim Abzug von proiranischen Truppen (die Israel als „Kämpfer“ einstuft) aus den Regionen unweit des israelischen Territoriums. Sowie der Verzicht auf das bereits abgeschlossene eine halbe Milliarde Dollar schwere Geschäft für die Lieferung von S-300-Systemen, weil deren Reichweite sich auf das komplette israelische Territorium ausdehnt. Die Liste ist lang. Russland zeigte durchaus mit seinen Taten, dass es die Beziehungen zu Israel schätzt und seine Position versteht. Denn Israel braucht Russland nicht zu erklären, wie es sich fühlt, von Erzfreunden umgeben zu sein, unter den terroristischen Untergrundbewegungen zu leiden und ständig zu lesen, welches Übel du bist.

    Jedoch die Achtung und die Berücksichtigung der Interessen können prinzipiell nicht einseitig sein. In einem einseitigen Modus funktioniert es überhaupt nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die ausbleibende und gleiche Regeleinhaltung dem Verletzter selbst schadet.  

    >>Andere Sputnik-Artikel: Il-20-Abschuss: Israels Verteidigungschef zeigt Verständnis nach Vorwurf aus Moskau

    Dabei muss Folgendes bemerkt werden. Die Streitkräfte der USA, Russlands quasi globalen Konkurrenten und offiziellen Gegners, der schreckliche Beziehungen zu Russland hat, befolgen die Regeln des syrischen Krieges ganz strikt und koordinieren ihre Handlungen mit den russischen Kollegen. 

    Die Streitkräfte der israelischen Verteidigung hingegen – die kein Gegner Russlands sind und sich mit ihm in guten und konstruktiven Beziehungen befinden – erlaubten sich bisher aus einem unklaren Grund, was sich die atomare Großmacht nicht erlaubt hatte. Zum Beispiel, die russische Seite nur über eine von zehn Operationen auf dem syrischen Territorium zu benachrichtigen. Oder – wie bei dem unglückseligen Angriff auf Latakia – die Operation erst eine Minute (!) vor dem Beginn der Luftattacke anzukündigen.

    Das Ergebnis wurde die tragische Kette von Ereignissen, an deren Ende der Tod russischer Soldaten liegt.

    Und da es schon geschehen ist, ist es einfach nicht akzeptabel und fehl am Platz, zu argumentieren, dass „die falsch schießenden Syrer Schuld an allem tragen“. Denn das Ziel der beim Krieg arbeitenden Diplomatie lag ursprünglich darin, die Sicherheit der Militärangehörigen der in der Region agierender Länder zu gewährleisten. Und es wurde davon ausgegangen, dass alle sich an der Diplomatie beteiligenden Länder die Sicherheit garantieren würden.

    Nun wählt Israel tatsächlich aus zwei einfachen Varianten. Entweder übernimmt es Verpflichtungen und erklärt sich verantwortlich dafür, dass sich in der Zukunft keine tragischen Vorfälle wegen seiner Operationen mit russischen Flugzeugen ereignen. Oder Israel verzichtet, die Verantwortung zu übernehmen. Damit erlegt es Russland die Pflicht auf, die Sicherheit seiner Soldaten völlig zu gewährleisten, ohne sich auf jegliche Verabredungen mit Israel zu verlassen. Mit welchen Mitteln das getan werden kann ist teilweise offensichtlich. Beispielweise haben wir viel darüber gelesen, dass die Luftabwehr der syrischen Verbündeten nicht genügend fortschrittlich sei. Na ja, das ist ein Fall, wo Russland zweifellos helfen kann. 

    Es besteht die Meinung, dass dieser Ablauf der Ereignisse Israel nicht völlig gefallen würde. Deshalb ist es für Israel von entscheidender Bedeutung, seinen Militärs beizubringen, dass man russische Leben schützen und sie bedrohende Kombinationen auf jeden Fall vermeiden muss, – selbst wenn diese Kombinationen witzig-schlau sind und Benutzer sozialer Netzwerke sie mit einem „Like“ bewerten.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Interessen, Beweise, Fehler, Soldaten, Absturz, Tod, Il-20, S-300, Latakia, Israel, Syrien, USA, Russland