23:35 13 Dezember 2018
SNA Radio
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und Volker Kauder

    Niederlage für Merkel: Kauder als Fraktionschef der Union gestürzt

    © REUTERS / Arnd Wiegmann
    Politik
    Zum Kurzlink
    Marcel Joppa
    352583

    Es ist die Überraschung des Tages: Die Unionsfraktion stürzt ihren Vorsitzenden nach 13 Jahren im Amt. Volker Kauder gilt als enger Unterstützer von Kanzlerin Angela Merkel. Nun muss er seinen Hut nehmen. Nachfolger wird der CDU-Politiker Ralph Brinkhaus, der anscheinend vor allem Merkel-Kritiker auf seine Seite bringen konnte.

    Damit hatten viele Merkel-treue Unionspolitiker nicht gerechnet: Der Mann, der der Bundeskanzlerin in der Bundestagsfraktion 13 Jahre lang den Rücken gestärkt und zu Mehrheiten verholfen hatte, muss nun seinen Posten als Fraktionsvorsitzender räumen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Endgame

    Erst Rückenwind, dann Gegenwind …

    Volker Kauder hielt bislang einen Rekord: So lang wie er war noch niemand Chef der Unions-Fraktion. Doch schon bei der letzten Abstimmung, kurz nach der Bundestagswahl 2017, gab es Gegenwind. Etliche Unionspolitiker verweigerten ihm die Gefolgschaft. Jetzt gab es mit Ralph Brinkhaus erstmals einen Gegenkandidaten.

    Brinkhaus ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Doch innerhalb der Fraktion ist er kein unbeschriebenes Blatt. 2009 kam der zum ersten Mal für seinen Wahlkreis Gütersloh in den Bundestag. Unter den anderen Unionsabgeordneten machte sich der ausgebildete Steuerberater einen Namen als Finanzfachmann. Für fünf Jahre rückte Brinkhaus als einer der Stellvertreter Kauders in den Fraktionsvorstand auf.

    Neuer Schwung mit neuem Chef?

    Im Vorfeld der Fraktionswahl sprach sich Brinkhaus dafür aus, „neuen Schwung in die Fraktionsarbeit hineinzubringen“. Der CDU-Politiker forderte, beide Unionsparteien müssten selbstbewusster auftreten und mehr Eigenständigkeit in der Bundesregierung zeigen. Damit scheint Brinkhaus einen Nerv getroffen zu haben: Interne Kritiker von Merkels Kurs des „Weiter so“ haben ihn nun zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Union gewählt.

    Bundeskanzlerin Merkel hat sich mit Bedauern zur Niederlage ihres Kandidaten Volker Kauder geäußert. SPD und Opposition sehen eine dramatische Machterosion für die Kanzlerin. Merkel hatte Kauder als Wunschkandidaten erneut zur Wahl vorgeschlagen. Doch internen Streit über die Kampfkandidatur von Brinkhaus habe es nicht gegeben. Übrigens hatten sich auch CSU-Chef Horst Seehofer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt im Vorfeld für Kauder ausgesprochen. Seine Niederlage ist auch ihre Niederlage. Das ganze wird nun auch als Folge der jüngsten Streitigkeiten um Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen gewertet.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Merkel bedauert eigene Fehler im Fall Maaßen

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Kandidat, CDU, Angela Merkel, Deutschland