06:07 12 Dezember 2018
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    Manöver der russischen Armee im Fernen Osten (Archivbild)

    „Keine Rettung für Polen“: Experte über mögliche russische Reaktion auf US-Basis

    © Sputnik / Witalij Timkiw
    Politik
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    Ein Stützpunkt der US-Armee in Polen wäre laut dem russischen Außenministerium eine Bedrohung für Russland. Und es gäbe vor allem einen Verlierer, wenn US-Truppen auf polnischem Gebiet dauerhaft stationiert würden: Polen selbst, sagt der Sicherheits- und Friedensforscher Alexander Schilin im Sputnik-Gespräch.

    Wenn die USA Stützpunkte in osteuropäischen Ländern aufbauen, dann weichen sie damit die Sicherheit dieser Länder auf, sagt der Sicherheitsexperte Schilin im Sputnik-Gespräch. Durch die Stationierung von US-Truppen dränge Warschau die russische Führung dazu, dagegenzuhalten.

    „Weil die Anflugzeit von Marschflugkörpern sich dadurch auf ein Minimum reduziert, wird Russland gezwungen sein, Polen als ein Land zu listen, welches im extremen Bedrohungsfall präventiv angegriffen werden muss“, erklärt der Analyst.

    Dies hätte nur einen Gewinner: „Die Hardliner in den USA“, sagt Schilin. Und es gäbe auch klare Verlierer: „Das ist jeder Pole einschließlich des polnischen Präsidenten“, denn im besagten Bedrohungsfall „wird keine Rettung möglich sein“.

    „Im Grunde geht es darum, dass die Amerikaner ihre Militäreinrichtungen unter dem Schutz der Zivilbevölkerung jener Länder aufbauen, in die sie ihre Nase hineinstecken“, sagt der Experte. „Es wäre zu begrüßen, wenn die Länder Osteuropas endlich mal ihr Hirn einschalten würden. Sonst kann es kritisch werden, wenn die US-Militärmaschinerie in Gang kommt. Das Schlimme ist, dass diese Maschinerie zwar leicht zu starten, aber dann nicht mehr aufzuhalten ist.“

    Die Pläne, einen US-Stützpunkt in Polen aufzubauen, werden laut dem Experten nicht nur in Moskau kritisch gesehen. Skeptisch ist man auch in Berlin und in Paris.

    „Die Pläne, eine US-Basis in Polen zu stationieren, sind natürlich gegen Russland gerichtet. Aber nicht nur. Deutschland und Frankreich sind bei diesem Vorhaben aus dem Grund misstrauisch, dass die USA Polen als ein Land ansehen, welches mit US-Unterstützung die traditionellen Führungsmächte der EU herausfordern könnte. Das ist durchaus im Sinne ihres ewigen Prinzips: Teile und herrsche“, sagt der Analyst.

    Der Experte mahnt: Sollten die Regierungen der EU-Länder sich nicht endlich besinnen und „diese Frage auch in der Nato nicht klar und deutlich thematisieren“, dann kommt „eine Menge Schwierigkeiten“ auf sie zu.

    US-Präsident Donald Trump erklärte nach Verhandlungen mit seinem polnischen Amtskollegen Andrzej Duda, die USA würden derzeit die Möglichkeit prüfen, einen Stützpunkt in Polen dauerhaft zu stationieren, während Warschau bereit sei, dafür „Milliarden Dollar“ zu zahlen.

    Zuvor hatte Polen den Vereinigten Staaten angeboten, eine amerikanische Panzerdivision auf polnischem Boden zu stationieren. Die Kosten der Stationierung würden mit zwei Milliarden Dollar veranschlagt. Warschau sei bereit, diese Summe zu zahlen, erklärte der polnische Präsident.

    Das Angebot wurde abseits der Nato, auf bilateraler Grundlage unterbreitet. Die endgültige Entscheidung diesbezüglich steht noch aus.

    Das russische Außenministerium erklärte: Die Pläne für den Aufbau eines US-Stützpunkts in Polen würden auch „eine Kraftprojektion in Richtung der russischen Grenze“ beinhalten. Die Entstehung dieser Basis würde Moskau dazu drängen, „zusätzliche militär-technische Maßnahmen“ zu ergreifen, um die Sicherheit Russland unter den neuen Umständen verlässlich zu garantieren, sagte der russische Vize-Außenminister Alexander Gruschko.

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    Tags:
    Militärstützpunkt, Bau, Kritik, Reaktion, Außenministerium Russlands, Pentagon, EU, NATO, Donald Trump, Andrzej Duda, Alexander Gruschko, Osteuropa, Polen, USA, Russland