13:16 17 Oktober 2018
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    VIDEO: Erdogan war in Deutschland – aber warum eigentlich? Um Proteste zu erleben?

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    Andreas Peter
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    © REUTERS / Hannibal Hanschke

    Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan war Staatsgast in Deutschland. Viele fragen sich: Warum? In der Berichterstattung deutscher Medien wurde versucht, die Einladung Erdoğans zu rechtfertigen – mit der Aufzählung der Kritik deutscher Politiker und der Anzahl von Gegendemonstrationen. Doch rechtfertigt das einen Staatsbesuch?

    Erdoğan war also hier. Nimmt man die Tonart der wichtigsten deutschen Medien zum Maßstab, dann drängt sich die Frage auf, warum er überhaupt eingeladen und mit allen diplomatischen Ehren empfangen und bedacht wurde. Nicht nur viele Demonstranten vor Ort fragten sich genau das. Sowohl sie als auch viele Medien führten ernstzunehmende Argumente ins Feld, deren Basis die neue Machtfülle des türkischen Staatspräsidenten ist, mit der er Entwicklungen eingeleitet hat, die mindestens zweifelhaft genannt werden können.

    Alles bekannt. Deutschland ist auch nicht das einzige Land, das mit dem Auftreten dieses Präsidenten fremdelt. Es muss also ganz außerordentlich wichtige Gründe geben, warum ein solcher Besuch dennoch geplant und durchgeführt wird. Davon aber erfahren deutsche Leser, Zuschauer und Hörer wenig bis gar nichts. Sie sind auf Vermutungen angewiesen.

    Erdoğan hat großen Rückhalt in türkischem Volk

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Köln
    © REUTERS / Kayhan Ozer/Presidential Press Office/Handout via REUTERS
    Der naheliegende, weil sichtbare Grund könnte sein, dass die Anhängerschaft dieses Präsidenten enorm groß ist, gerade auch in der türkischen Gemeinde in Deutschland, wie das Abstimmungsverhalten der Mehrheit der wahlberechtigten Deutsch-Türken bei türkischen Wahlen zeigte. Einen Präsidenten mit diesem Rückhalt düpiert man besser nicht.

    Denn ein weiterer, wenn nicht der wesentliche Grund für die interessante Milde, die Erdoğan durch Deutschlands Regierung wieder erfährt, nachdem monatelang gegenseitig übel gekeilt wurde, könnte sein, dass die Türkei als Staat derart wichtig ist für grundsätzliche deutsche Interessen, die immer auch Interessen der westlichen Staatengemeinschaft sind, dass über vieles hinweggesehen wird, was anderen weniger verziehen würde.

    Deutschland und der Westen besuchten und empfingen türkische Militärdiktaturen

    Deutschland hat gewisse Traditionen im Umgang mit der Türkei. 1988 wurde General Kenan Evren willkommen geheißen, Anführer des brutalen Militärputsches von 1980, der die Demokratie in Blut und Terror ertränkte. Für die Bundesrepublik, wie für andere westliche Staaten, dennoch kein Problem für artige diplomatische Verbeugungen.

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    Nato-Mitgliedschaft der Türkei wichtiger als alles andere

    Der Grund ist simpel. Die Türkei ist Nato-Land. Sie unterhält nach den USA die zweitgrößte Streitmacht im Bündnis. Als Wächter über den Bosporus sowie als Wachposten zum Nahen Osten ist die Türkei noch immer und auf absehbare Zeit von so überragender Bedeutung für den Westen, dass Erdogan weiß, dass er sich Dinge herausnehmen kann, die man anderen Staatsgästen so nie durchgehen lassen würde.

    Diesen Aspekt des Besuches vernimmt man in deutschen Medien eher selten und wenn dann eher in verhaltenem Tonfall. Genauso wie zwar gerne und ausgiebig Anti-Erdogan-Demonstrationen gezeigt werden, aber deutschen Zuschauern und Lesern nicht erklärt wird, warum diese Demonstranten eigentlich immer, beinahe ausschließlich Kurden sind. Und warum treten die eigentlich fast immer im Dunstkreis einer äußerst fragwürdigen Gruppierung wie der MLPD auf? Brav werden in deutschen Medien Hammer und Sichel, linke Parolen verbreitet, Hauptsache, sie sind gegen Erdogan gerichtet. Wo doch ansonsten linke Symbolik und Rhetorik in deutschen Massenmedien eher mit einer negativen Konnotation behaftet sind.

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    Sollte Protestberichterstattung von der Frage ablenken: Warum dieser Besuch?

    Kann es sein, dass diese Art Begleitberichterstattung die berühmten rosa Elefanten sind, die kritische Distanz suggerieren sollen, aber lediglich die Antwort auf die alles entscheidende Frage vernebeln: Wenn Erdoğan so schlimm ist, warum wird er dann eingeladen und auf der protokollarisch höchstmöglichen Stufe empfangen und behandelt? Was ist so immens wichtig an ihm und dem Land, das er präsentiert? Vielleicht erfahren wir es ja noch.

    Tags:
    Besuch, Proteste, NATO, Recep Tayyip Erdogan, Deutschland, USA
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