18:41 15 Oktober 2018
SNA Radio
    Politik

    Wie Deutschland das Verhältnis zu Russland verbessern kann – Brandt-Sohn über Chancen

    Zum Kurzlink
    Tilo Gräser
    131145
    © Sputnik /

    Ein neues Buch beantwortet die Frage „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen“. Zu den namhaften Autoren gehört neben ehemaligen Politikern und Offizieren auch der Historiker Peter Brandt. Im Sputnik-Gespräch äußert er sich zu seinen Sorgen um das deutsch-russische Verhältnis und dazu, wie es verbessert werden könnte.

    „Eine paneuropäische Freihandels-, Wohlstands- und Friedenszone von Lissabon bis Wladiwostok könnte zum Vorbild und Ausgangpunkt einer weltweiten Neuordnung der Staatenwelt werden, um Energien freizubekommen für die Lösung der elementaren Menschheitsprobleme.“ Das schreibt Peter Brandt in dem Buch „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen“, herausgegeben von Adelheid Bahr im Westend-Verlag, das am 2. Oktober erschienen ist. Brandt ist Historiker und Mitglied der SPD – und der älteste Sohn von Rut und Willy Brandt.

    Im Sputnik-Gespräch erklärt er seine Sicht auf das aktuelle deutsch-russische Verhältnis und wo er die Ursachen für dessen Zustand sieht. Er erinnert unter anderem an die von seinem Vater und Egon Bahr in den 1960er Jahren begründete neue Ost-Politik.

    Brandt äußert sich zu der westlichen Haltung, für ein besseres Verhältnis von Russland wiederholt Vorleistungen einzufordern. Gleichzeitig benennt er, was beide Seiten aus seiner Sicht tatsächlich tun müssten. Er beantwortet ebenso die Frage, ob die deutsche Politik nichts aus der Geschichte gelernt hat, wenn sie wieder Panzer mit dem Balkenkreuz an die russische Grenze schickt.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Größter deutscher Energiekonzern entsteht — russischer Milliardär mit dabei

    Auch wirft er einen Blick auf die einstigen geheimen Kanäle zwischen Ost und West, die mit halfen, Situationen wie die Kuba-Krise 1962 zu entschärfen. Er gibt wieder, was Bahr dazu sagte und warum er diese Kanäle auch in der Gegenwart für notwendig ansah.

    Die östliche Seite hatte der westlichen Entspannungspolitik im Kalten Krieg unter anderem vorgeworfen, eine „Aggression auf Filzlatschen“ darzustellen. Das sei „nicht ganz falsch“ gewesen, gestand Bahr 2012 in dem Buch „Ostwärts und nichts vergessen“ ein. Der Historiker Brandt spricht auch darüber, was die Entspannungspolitik seines Vaters heute bedeutet und ob sie als „Regime Change auf Filzlatschen“ missverstanden werden kann.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Wie verrückt ist die deutsche Politik geworden?

    Der heute 70-jährige Peter Brandt war Professor für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte an der Fernuniversität Hagen und ging 2014 in den Ruhestand. Er ist Direktor des interdisziplinären Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften sowie Autor und Herausgeber zahlreicher Werke zur neueren deutschen Geschichte. Brandt ist Mitglied des Vorstandes der Friedrich-Ebert-Stiftung.

    Adelheid Bahr (Hg.): „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen – Ein Aufruf an alle von Matthias Platzeck, Peter Gauweiler, Antje Vollmer, Peter Brandt, Oskar Lafontaine, Daniela Dahn und vielen anderen“  (Westend Verlag 2018. ISBN 9-78386-4892-363; 208 Seiten; 18 Euro)

    Tags:
    Verhältnisse, Freihandelszone, Kalter Krieg, SPD, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Mehr Videos

    • Russische Elite-Kampftaucher bei Übung (Archivbild)
      Letztes Update: 17:55 15.10.2018
      17:55 15.10.2018

      Was machen russische Elite-Kampftaucher in Syrien?

      von Wsgljad

      In Syrien gibt es ab jetzt offenbar nicht nur russische Militärpiloten, Militärberater und Geheimdienstler. Laut westlichen Medienberichten wurden im östlichen Mittelmeer sogar russische Kampftaucher gesichtet.

    • Die Befreiung Tallinns. Einwohner begrüßen sowjetische Truppen.
      Letztes Update: 17:35 15.10.2018
      17:35 15.10.2018

      Tallinn stellt Moskau Rechnung für „Okkupation“ aus

      Estland hat den Schaden, der durch die „sowjetische Okkupation“ verursacht wurde, berechnet – dieser beträgt laut dem estnischen Justizministerium 1,2 Milliarden Euro.

    • Horst Seehofer nach der Pressekonferenz zur Landtagswahl in Bayern 2018
      Letztes Update: 17:27 15.10.2018
      17:27 15.10.2018

      „Migration entscheidendes Thema“: Warum die Bayernwahl Desaster für CSU und SPD ist

      von Marcel Joppa

      Nach der Bayernwahl gibt es zahlreiche Theorien, warum CSU und SPD verloren haben. Politikwissenschaftler Werner Patzelt ist sich sicher: Es hat auch mit der jeweiligen Haltung in der Migrationsfrage zu tun. Gleiches gilt demnach für das Abschneiden von Grünen und AfD. Patzelt rät vor allem der SPD jetzt zu einer ganz bestimmten Strategie.

    • Sicherheitskräfte von Kosovo (Archiv)
      Letztes Update: 17:24 15.10.2018
      17:24 15.10.2018

      Bekommt Kosovo bis Jahresende seine eigene Armee?

      Die selbsterklärte Republik Kosovo will ihre Sicherheitskräfte (FSK) bis Jahresende in eine eigenständige Armee verwandeln. Am Donnerstag soll das Parlament laut seinem Chef Kadri Veseli einen entsprechenden Gesetzentwurf erörtern.