05:44 12 Dezember 2018
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    Wie Deutschland das Verhältnis zu Russland verbessern kann – Brandt-Sohn über Chancen

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    Tilo Gräser
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    Ein neues Buch beantwortet die Frage „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen“. Zu den namhaften Autoren gehört neben ehemaligen Politikern und Offizieren auch der Historiker Peter Brandt. Im Sputnik-Gespräch äußert er sich zu seinen Sorgen um das deutsch-russische Verhältnis und dazu, wie es verbessert werden könnte.

    „Eine paneuropäische Freihandels-, Wohlstands- und Friedenszone von Lissabon bis Wladiwostok könnte zum Vorbild und Ausgangpunkt einer weltweiten Neuordnung der Staatenwelt werden, um Energien freizubekommen für die Lösung der elementaren Menschheitsprobleme.“ Das schreibt Peter Brandt in dem Buch „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen“, herausgegeben von Adelheid Bahr im Westend-Verlag, das am 2. Oktober erschienen ist. Brandt ist Historiker und Mitglied der SPD – und der älteste Sohn von Rut und Willy Brandt.

    Im Sputnik-Gespräch erklärt er seine Sicht auf das aktuelle deutsch-russische Verhältnis und wo er die Ursachen für dessen Zustand sieht. Er erinnert unter anderem an die von seinem Vater und Egon Bahr in den 1960er Jahren begründete neue Ost-Politik.

    Brandt äußert sich zu der westlichen Haltung, für ein besseres Verhältnis von Russland wiederholt Vorleistungen einzufordern. Gleichzeitig benennt er, was beide Seiten aus seiner Sicht tatsächlich tun müssten. Er beantwortet ebenso die Frage, ob die deutsche Politik nichts aus der Geschichte gelernt hat, wenn sie wieder Panzer mit dem Balkenkreuz an die russische Grenze schickt.

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    Auch wirft er einen Blick auf die einstigen geheimen Kanäle zwischen Ost und West, die mit halfen, Situationen wie die Kuba-Krise 1962 zu entschärfen. Er gibt wieder, was Bahr dazu sagte und warum er diese Kanäle auch in der Gegenwart für notwendig ansah.

    Die östliche Seite hatte der westlichen Entspannungspolitik im Kalten Krieg unter anderem vorgeworfen, eine „Aggression auf Filzlatschen“ darzustellen. Das sei „nicht ganz falsch“ gewesen, gestand Bahr 2012 in dem Buch „Ostwärts und nichts vergessen“ ein. Der Historiker Brandt spricht auch darüber, was die Entspannungspolitik seines Vaters heute bedeutet und ob sie als „Regime Change auf Filzlatschen“ missverstanden werden kann.

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    Der heute 70-jährige Peter Brandt war Professor für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte an der Fernuniversität Hagen und ging 2014 in den Ruhestand. Er ist Direktor des interdisziplinären Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften sowie Autor und Herausgeber zahlreicher Werke zur neueren deutschen Geschichte. Brandt ist Mitglied des Vorstandes der Friedrich-Ebert-Stiftung.

    Adelheid Bahr (Hg.): „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen – Ein Aufruf an alle von Matthias Platzeck, Peter Gauweiler, Antje Vollmer, Peter Brandt, Oskar Lafontaine, Daniela Dahn und vielen anderen“  (Westend Verlag 2018. ISBN 9-78386-4892-363; 208 Seiten; 18 Euro)

    Tags:
    Verhältnisse, Freihandelszone, Kalter Krieg, SPD, Deutschland
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