11:16 17 Oktober 2018
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    MH-17 - AbschussVerteidigungsministerin Ank Bijleveld (in d. M.) gibt Pressekonferenz in Den Haag

    MH17-Abschuss: Niederlande weisen Russen wegen Spionageverdacht aus

    © AFP 2018 / EMMANUEL DUNAND © REUTERS / Piroschka van de Wouw
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    Die niederländische Regierung weist nach eigenen Angaben vier russische Staatsbürger aus. Diese sollen versucht haben, den Zugriff auf Ermittlungsdaten zum Abschuss der malaysischen Boeing MH17 über der Ostukraine zu bekommen. Die Niederlande leiten die Ermittlungen.

    Darüber hinaus wird den Russen zur Last gelegt, einen Hacker-Angriff auf die in Den Haag ansässige Organisation für das Verbot Chemischer Waffen vorbereitet zu haben. Die vier Männer seien im April mit diplomatischen Pässen eingereist, erklärte die niederländische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld am Donnerstag.

    Das niederländische Verteidigungsministerium stellte in Aussicht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika noch am Donnerstag neue Anschuldigungen gegen „russische Agenten“ erheben würden. Das Außenministerium in Den Haag hat zudem den russischen Geschäftsträger einbestellt.

    Die russische Botschaft in den Niederlanden wollte sich zu diesen Informationen vorerst nicht äußern. Auch der russische Auslandsgeheimdienst SWR wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

    „Wir kommentieren diese Mittelungen des niederländischen Verteidigungsministeriums nicht“, sagte SWR-Sprecher Sergej Iwanow auf Sputnik-Anfrage.

    Wladimir Dschabarow vom Auswärtigen Ausschuss des Föderationsrats (russisches Parlaments-Oberhaus) stellte den Niederlanden eine „spiegelbildliche Antwort“ in Aussicht. „Wie schon bei anderen derartigen Anschuldigungen gegen Russland wurden auch diesmal kein einziger ernsthafter Beweis vorgelegt“, sagte der Parlamentarier. Er beschuldigte die Niederlande, bei der „russophoben Kampagne“ Großbritanniens mitzumachen.

    Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 im damals umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk abgestürzt. Alle 298 Insassen der von Amsterdam nach Kuala Lumpur fliegenden Verkehrsmaschine, darunter 85 Kinder, kamen ums Leben.

    In der Region lieferten sich die ukrainische Armee und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Die Regierung in Kiew und die Milizen werfen sich gegenseitig vor, den Jet abgeschossen zu haben. Weil die meisten Opfer Niederländer waren, übernahmen die Niederlande die Leitung der Untersuchung. Doch noch vor Beginn der Ermittlungen hatten viele Kiewer und westliche Politiker die ostukrainischen Volksmilizen schon für den mutmaßlichen Abschuss verantwortlich gemacht und Russland eine Verwicklung vorgeworfen.

    Nach Erkenntnissen des internationalen Ermittlungsteams JIT (Niederlande, Australien, Ukraine, Belgien, Malaysia), die seit 2014 zu der Katastrophe ermitteln, wurde die Maschine mit einer Boden-Luft-Rakete der Baureihe Buk abgeschossen. Das JIT veröffentlichte unlängst einen neuen Bericht, laut dem die Rakete aus einem von den Volksmilizen kontrollierten Gebiet abgefeuert wurde. Dorthin soll sie aus Russland gebracht worden sein.

    Diese Angaben widersprechen jedoch den Ergebnissen von mehr als 100 Feldexperimenten des Buk-Herstellers Almaz-Antey, der im Rahmen eigener Untersuchungen sogar ein abgemustertes Flugzeug mit einer Rakete zerstört hat.

    Der Rüstungskonzern warf den Ermittlern vor, wichtige technische Daten der Rakete ignoriert und ihre Schlussfolgerung an eine bereits vorgefertigte Meinung angepasst zu haben.

    Auch die Regierung in Moskau weist diese Schlussfolgerungen der Ermittler als voreingenommen zurück. Sie kritisiert unter anderem, dass die Ukraine die Towergespräche und die USA ihre Radardaten vom Tag der Katastrophe geheim halten. Russland hingegen hat alle seine Daten zur Verfügung gestellt.

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    Tags:
    MH17-Absturz, Niederlande, Donbass, Russland, Ukraine