00:19 18 Oktober 2018
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    Biologisches Material (Symbolbild)

    Sammeln USA Bioproben russischer Bürger? Moskau spricht von Gefahr für Sicherheit

    © Sputnik / Michail Kirejew
    Politik
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    Das russische Militär hat am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen die USA erhoben: Es wird vermutet, dass Washington derzeit an seinem Biowaffen-Potenzial aktiv arbeitet. Besonders besorgniserregend sei das Sammeln des Biomaterials russischer Bürger durch US-Forscher.

    Es ist laut dem Kommandeur der ABC-Abwehrtruppen Russlands, Igor Kirillow, unklar, wozu die USA vor zwei Jahren versucht hätten, Bio-Proben von russischen Bürgern im Nordkaukasus zu sammeln.

    „Das Sammeln und die Ausfuhr von Bioproben russischer Bürger zu ungeklärten Zwecken stellt eine Gefahr für die Sicherheit Russlands dar“, betonte Kirillow.

    Darüber hinaus hätten US-Firmen im Rahmen des Projekts Genografik das Biomaterial der Stammvölker im Nordkaukasus, im Fernen Osten Russlands und in der Ural-Region gesammelt. „Ich möchte fragen, zu welchen Zwecken die US-Luftwaffe diese Aktivitäten geplant hat?“, so der Chef der ABC-Abwehrtruppen weiter.

    Auch der russische Präsident Wladimir Putin hatte im vergangenen Jahr auf den merkwürdigen Vorfall aufmerksam gemacht und dabei gesagt, jemand sammle landesweit Gewebeproben verschiedener russischer Stammvölker „zu unklaren Zwecken“.

    Zuvor hatten Medien berichtet, dass das US-Militär auf der Suche nach RNA-Mustern und Synovia-Proben (Körperflüssigkeit in Geweben) von Russen sei. Eine entsprechende Ausschreibung soll auf der Webseite einer US-Behörde veröffentlicht worden sein.

    Am Donnerstag hatte Kirillow die vom georgischen Ex-Minister für Staatssicherheit Igor Giorgadse veröffentlichten Dokumente kommentiert. Aus diesen Papieren geht Kirillow zufolge hervor, dass seit Dezember 2015 in Georgien insgesamt 73 Menschen infolge von Tests eines Medikaments im Labor Lugar Center ums Leben gekommen seien. Das Labor befindet sich im georgischen Dorf Alexejewka.

    Das getestete Medikament soll von der Firma Gilead Sciences Inc. des ehemaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld hergestellt worden sein. Dabei soll es um den medizinischen Wirkstoff Sofosbuvir gehen, bekannt unter dem Handelsnamen „Sovaldi“, der zur Behandlung der chronischen Hepatitis C verwendet wird.

    Das russische Militär vermutet jedoch geheime Menschenversuche: „Der praktisch zeitgleiche Tod einer großen Zahl von Freiwilligen gibt Anlass zu der Annahme, dass im Lugar-Zentrum unter dem Deckmantel einer ärztlichen Behandlung eine hochtoxische chemische Substanz oder ein tödlicher biologischer Kampfstoff getestet wurde“, so Kirillow weiter.

    Die USA erhöhen laut dem Vertreter des russischen Militärs konsequent ihr biologisches Potenzial, und zwar nicht nur im post-sowjetischen Raum. „Heutzutage sind weltweit mehr als 30 von den USA kontrollierte Labore tätig und sie werden ständig modernisiert, was von offiziellen UN-Daten untermauert wird“, fügte er hinzu.

    Zu den Möglichkeiten dieser Labors gehören, so Kirillow, Forschungen an den Erregern von besonders gefährlichen Infektionskrankheiten. Auch die Lage dieser Labors sei bedenklich: „Die Wahl der Orte, wo diese Labors eingerichtet werden, ist aus unserer Sicht auch kein Zufall – viele von ihnen liegen auf den Territorien, die an Russland und China angrenzen, und stellen damit eine dauernde biologische Gefahr für unsere Staaten dar.“

    Kirillow wirft den USA die Verletzung der Sicherheitsregeln vor: Das Land habe lebensfähige Milzbrand-Sporen in zehn Länder entsandt. „Im Zeitraum zwischen 2005 und 2015 wurde vom Testzentrum des US-Heeres (auf dem Dugway Proving Ground, einer Anlage der US-Armee zum Testen von biologischen und chemischen Waffen – Anm. d. Red.) unter Verletzung der Sicherheitsregeln die Entsendung von lebensfähigen Milzbrand-Sporen durchgeführt. Das pathogene Biomaterial wurde an 194 Empfänger in zehn Staaten verschickt.“

    Das Ganze füge sich in das US-Konzept eines „kontaktlosen Krieges“ ein. Die USA verletzten damit zudem die Biowaffenkonvention.

    Das Pentagon hat bereits die Vorwürfe aus Russland als „Teil der russischen Desinformationskampagne“ gegen den Westen zurückgewiesen. Zudem hat das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Donnerstag bestritten, dass es im Lande vom Pentagon kontrollierte Labors gebe.

    Wie der ehemalige georgische Minister für Staatssicherheit, Igor Giorgadse, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Moskau erklärt hatte, bat er US-Präsident Donald Trump darum, ein Ermittlungsverfahren zur Tätigkeit des Richard-Lugar-Labors einzuleiten,  wo nach seiner Behauptung tödliche Experimente an Menschen vorgenommen worden sein könnten. Giorgadse führte Angaben zum Tod von 30 Personen an, die vermutlich im Dezember 2015 während einer Hepatitis-C-Therapie im Labor gestorben sein sollen. Im April und August  2016 seien 30 bzw. 13 Menschen gestorben. Die jeweilige Todesursache sei als „unbekannt“ bezeichnet worden, es seien jedoch keine Ermittlungen dazu angestellt worden. 

    Laut Giorgadse sind die Probanden nicht namentlich genannt und lediglich mit Nummern in Verbindung mit dem jeweiligen Geburtsdatum und der jeweiligen geschlechtlichen Zugehörigkeit angegeben.

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    Tags:
    Biowaffen, Georgien, USA, Russland