15:34 19 Oktober 2018
SNA Radio
    AfD-Logo (Archiv)

    Vereinigung „Juden in der AfD“ wird gegründet – Jüdische Verbände empört

    © AFP 2018 / John MACDOUGALL
    Politik
    Zum Kurzlink
    Paul Linke
    482173

    Die Vereinigung der „Juden in der AfD“ wird am Sonntag gegründet. Davor warnen Jüdische Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung. Die AfD verteidigt das Vorhaben.

    Eine Bundesvereinigung jüdischer AfD-Mitglieder soll am kommenden Sonntag in Wiesbaden gegründet werden. Das teilte der hessische Landesverband der Partei mit. Erwartet werden prominente Parteimitglieder wie Beatrix von Storch sowie die Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, Erika Steinbach.

    Zu Beginn rechnet die Vereinigung mit bis zu 20 Mitgliedern, wie einer der Organisatoren, Wolfgang Fuhol, gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (EPD) mitteilte. Demnach sollen Zweck und Ziel des Vereins am Sonntag in Form einer Satzung beschlossen werden. In einem dem EPD vorliegenden Diskussionspapier, welches als Grundlage dienen soll, werde vor allem auf Antisemitismus unter Muslimen verwiesen und dies in Zusammenhang mit der Kritik der AfD an der Zuwanderungspolitik gebracht.

    „AfD ist keine Alternative für Juden“

    In einer gemeinsamen Erklärung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, warnen zahlreiche jüdische Organisationen vor der rechtskonservativen Partei. „Die AfD ist eine Partei, in der Judenhass und die Relativierung bis zur Leugnung der Schoa ein Zuhause haben. Die AfD ist antidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikal.“ Die Partei sei „keine Alternative für Juden“, erklärten die Organisationen.

    Die AfD versuche zwar durch ihre vermeintliche Verbundenheit mit Israel und ihre angebliche Sorge um die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland zu punkten. Doch die Partei sei „ein Fall für den Verfassungsschutz, keinesfalls aber für Juden in Deutschland“, so die 17 Organisationen und Verbände, die sich der Erklärung angeschlossen haben. Dazu gehören unter anderem der „Zentralrat der Juden in Deutschland“, der „Jüdische Frauenbund“, der „Bund traditioneller Juden“, der Sportverein „Makkabi“ und die „Allgemeine Rabbinerkonferenz“.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Deutschland hält die Luft an: Wer nicht spurt, ist Nazi

    „Gefahren für das Judentum“

    Gegen die Kritik wehrte sich die AfD Offenbach bereits im September mit einer Pressemitteilung: „Wer der AfD wahrheitswidrig unterstellt, nicht mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen, besorgt mit das anrüchige Geschäft der politischen Gegner der AfD, die aus Angst vor dem Verlust der Macht zu jedem Mittel greifen, um unliebsamen Konkurrenten das Wasser abzugraben und mundtot zu machen“, so Christin Thüne, Sprecherin und Direktkandidatin für die Landtagswahl der AfD Offenbach.

    Statt die AfD zu verteufeln, seien die Spitzenvertreter der jüdischen Verbände und Organisationen in Deutschland aufgefordert, intensiver als bisher vor einer zunehmenden Islamisierung und den damit verbundenen Gefahren für das Judentum in Deutschland und Europa zu warnen, so die AfD-Sprecherin.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Fake-Zitate im Bayern-Wahlkampf? Falsche „AfD-Plakate“ sorgen für Verwirrung

    Umstrittene Äußerungen von Gauland und Höcke

    In ihrer gemeinsamen Erklärung erinnerten die jüdischen Vertreter an die umstrittenen Aussagen von verschiedenen AfD-Politikern: „Gauland nennt Hitler und die Nazis einen ‚Vogelschiss‘ in der Geschichte. Gleichzeitig ist Gauland aber ‚stolz auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen‘. Björn Höcke, der AfD-Fraktionsvorsitzende im thüringischen Landtag, fordert eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Das Holocaust-Denkmal in Berlin bezeichnet er als ‚Denkmal der Schande‘.“

    Die AfD fordere in ihrem Wahlprogramm ein Verbot des koscheren Schächtens und der Beschneidung. Wer diese im Judentum fundamentalen Gebote zur Disposition stelle, der spreche Juden in Deutschland das Recht ab, in diesem Land zu leben, heißt es in der Pressemitteilung.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Antisemitismus, Rassismus, Holocaust, Migranten, Juden, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland