02:25 21 Oktober 2018
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    Johano Strasser

    Protest, Aufbruch und Diplomatie: „Bürgerschreck“ Johano Strasser EXKLUSIV

    CC BY-SA 3.0 / Olaf Kosinsky / Johano Strasser auf dem SPD Bundesparteitag
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Der Schriftsteller Johano Strasser kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken: Er protestierte in den 60ern gegen das Establishment, kämpfte als Juso-Funktionär für die Ostpolitik Willy Brandts und zusammen mit Freunden wie Günter Grass prägte er die deutsche Literaturszene. Einst wurde er von politischen Gegnern als „Bürgerschreck“ bezeichnet …

    Sputnik hat mit Johano Strasser exklusiv über Protestbewegungen damals und heute, über den Zustand der SPD, die Rolle Russlands und die Politik der USA gesprochen. Was in Washington passiere, nennt Strasser eine Tragödie.

    Herr Strasser, Sie sind schon in den 60ern für eine Veränderung in Politik und Gesellschaft auf die Straße gegangen. Seitdem hat sich einiges getan. Sind Sie heute zufrieden, wie sich die Demokratie hierzulande entwickelt hat?

    Ganz zufrieden ist man natürlich nie. Aber ich glaube, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass die antiautoritäre Bewegung der 60er und 70er einen ganz wesentlichen Anteil daran hat, dass aus der Bundesrepublik Deutschland eine westliche Demokratie wurde. Die übrig gebliebenen Elemente aus der Nazi-Zeit, die Blockwart-Mentalität in vielen Bereichen der Gesellschaft, das autoritäre Gehabe in dem Ämtern, in den Schulen und Hochschulen, das ist weitgehend verschwunden. Und in der Folge haben sich neue Bewegungen gegründet. Diese haben zum Beispiel das gleiche Recht für Frauen, die Abschaffung der Diskriminierung von Homosexuellen und vieles andere durchgesetzt.

    Heute ist es normal, dass jeder, der in Deutschland der Meinung ist, hier läuft was falsch, eine Bürgerinitiative gründen kann. Und das hat sehr häufig auch Erfolg, weil das die Politiker auf Probleme aufmerksam macht. Dieses Frühwarnsystem, das durch die kritische Einmischung der Bevölkerung entstanden ist, hat die Demokratie erheblich gestärkt.

    Aber — das muss man dazusagen — es gibt natürlich keine perfekte Demokratie. Und unsere Demokratie ist es sehr sicher auch nicht: Wir haben nach wie vor ein Problem mit Lobbyismus, mit Korruption, die materielle Verteilung in der Gesellschaft ist ungerecht, manche Menschen geraten ins Abseits und ihnen wird die Lust und Teilnahme am demokratischen Prozess genommen. Das sind alles Schwächen, die es abzustellen gilt.          

    Auch heute gehen die Menschen wieder auf die Straße: Auf der einen Seite gibt es Großdemonstrationen für mehr Toleranz, auf der anderen Seite Kundgebungen von Pegida und Co. Welche Gemeinsamkeit und Unterschiede gibt es zu den Protesten der 60er?

    Zunächst einmal muss man die Unterschiede doch sehr deutlich betonen. Diejenigen, die gegen die Rechten auf die Straße gehen, sind in aller Regel diejenigen, die am Grundgesetz und an der Menschenwürde festhalten. Denn man darf nicht unterscheiden zwischen Volksdeutschen, für die das deutsche Recht gilt, und anderen, die zu uns kommen, für die das nicht gilt. Es ist eine unglaubliche Schande, dass in einem Land wie Deutschland, das in der Nazi-Zeit größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte verübt hat, jetzt wieder Nazis herumlaufen, die Nazi-Parolen brüllen, den Hitler-Gruß zeigen. Und man muss den Personen, die mit diesen Nazis herumlaufen und hinterher so tun, als hätten sie das nicht wahrgenommen, denen muss man sagen: Es gehört mit zum demokratischen Anstand, das man sich mit solchen Menschen auf der Straße nicht gemein macht.

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    Ich glaube nicht, dass alle, die in der Pegida-Bewegung sind, die bei diesen Aufmärschen mitmachen, alles Nazis sind. Und es lohnt sich sicherlich auch, darüber nachzudenken, welche Kränkungen diesen Menschen in ihrem Leben zugefügt worden sind, vor allen Dingen wenn es sich um Ostdeutsche handelt. Was ist da falsch gelaufen nach der deutschen Vereinigung in diesem Prozess? Und da ist vieles falsch gelaufen. Die Treuhand hat zum Beispiel brutal und ohne Rücksicht auf menschliche Schicksale Deindustrialisierung betrieben. Und diese Dinge spielen natürlich auch eine Rolle.

    Das sollte man nicht vergessen. Solche Kränkungen werden in die Seele der Menschen mit eingeschrieben, mit unlöschbarer Tinte. Deshalb muss man unterscheiden zwischen den Rädelsführern, den harten Nazis, die müssen auch nach Recht und Gesetz bestraft werden. Und bei den Mitläufern kann man in der Diskussion vielleicht doch noch eine andere Perspektive für sie erreichen.

    „Otto Schily, Herbert Riehl-Heyse, Bärbel Boley, Johano Strasser und Jens Reich – Kammerspiele 1990 in München“
    © Foto : Europaverlag/„Johano Strasser – Als wir noch Götter waren im Mai“
    „Otto Schily, Herbert Riehl-Heyse, Bärbel Boley, Johano Strasser und Jens Reich – Kammerspiele 1990 in München“

    Sie sind in den 70er Jahren vehement für die Belange der SPD eingetreten. Als „Bürgerschreck“ wurden Sie von Konservativen bezeichnet. Würden Sie auch heute noch so vehement für die Sozialdemokratie werben?

    Ich bin ein relativ sturer und auch treuer Mensch. Ich bin seit 50 Jahren in der SPD und versuche auch immer noch, die SPD in meinem Sinne zu verändern. Mir ging es damals wie heute um die Einlösung des großen demokratischen und humanistischen Versprechens: Es geht um Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Es geht um Humanismus. Und es geht darum, Bedingungen zu schaffen, in denen die Forderung nach gleicher Menschenwürde für alle tatsächliche Realität wird. Da gibt es sehr vieles zu tun.

    Und manchmal bin ich der Meinung, dass auch die SPD lang nicht alles tut, was sie tun könnte. Nun kann sie nicht alles tun, wenn sie in Koalitionen ist. Und wir haben in Deutschland fast immer Koalitionsregierungen. Deswegen kann man immer sagen, das Programm der Partei ist das eine, das, was in der Koalition möglich ist, ist das andere. Dennoch glaube ich, dass die SPD in der Vergangenheit insbesondere in den Jahren der rot-grünen Regierungskoalition unter Schröder und Fischer in einer Weise dem neoliberalen Zeitgeist auf den Leim gegangen ist, die schon schwerwiegend ist.

    Das habe ich in mehreren meiner Bücher kritisiert und das werde ich auch weiterhin kritisieren. Ich glaube, wir müssen die Grundlage der Politik der SPD neu überdenken. Die ökologischen Fragen zwingen uns dazu. Und die wachsende Ungleichheit in der Welt und im Inneren unseres Landes zwingen uns dazu, andere politische Maßstäbe an unsere Arbeit zu setzen.          

    Ein Grund für Ihr Engagement für die SPD war Willy Brandt. Sie waren auch ein großer Fürsprecher seiner Ost- und Friedenspolitik. Zusammen mit Ihrem guten Freund Günter Grass konnten Sie mit dem Altkanzler seinerzeit persönlich diskutieren. Fehlt solch eine Figur wie Brandt in der heutigen Politik?

    Sicherlich. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Menschen wie Willy Brandt, aber auch Herbert Wehner und Helmut Schmidt, durch die dramatischen Umstände, die sie in der Nazizeit und im Exil durchlebten, ganz andere Lebenserfahrungen in die Politik mitbrachten. Willy Brandt war ein Politiker mit Weitblick und historischer Erfahrung. Und aus dieser Erfahrung heraus hatte er sich zum Beispiel für die Ost- und Entspannungspolitik entschieden. Und diese hat er gegen anfänglich große Mehrheiten gegen ihn mit Mut und Energie umgesetzt. Er wurde anfangs beschimpft, es gab Plakate mit der Aufschrift „Willy Brandt an die Wand“. Doch er war erfolgreich.

    Ein ähnlicher Typ war Günter Grass, mit dem ich eng befreundet war. Wir haben auch zusammen sehr viele politische Veranstaltungen gemacht. Er war auch geprägt von seiner Vergangenheit, von seiner jugendlichen Anfangsbegeisterung für die Nazis, die ganz kurze Zeit angehalten hatte. Als Schriftsteller hat er sich dann nicht nur auf die Rolle des Autors beschränkt, sondern er hat auch gesagt: Ich bin Bürger dieses Landes und als solcher habe ich auch Verantwortung für dieses Land, dafür muss ich mich auch öffentlich zu Wort melden. Er hat sich damit natürlich auch sehr viele Feinde gemacht. Aber ich denke auch, dass er einen wesentlichen Anteil daran gehabt hat, dass in diesem Land die Demokratie stärker wurde.

    „Zwei gute Freunde: Die Schriftsteller Günter Grass und Johano Strasser“
    © Foto : Europaverlag/„Johano Strasser – Als wir noch Götter waren im Mai“
    „Zwei gute Freunde: Die Schriftsteller Günter Grass und Johano Strasser“

    Mit welchem Gefühl schauen Sie aktuell auf die politischen Entwicklungen in den USA? 

    Was in den USA zurzeit passiert, ist eine Tragödie. Donald Trump ist ein Mensch, der eigentlich nicht in ein solches Amt gehört. Noch dazu ein Amt, das besondere Befugnisse hat, die weit über das hinausgehen, was ein vergleichbarer Staatschef — beispielsweise die Kanzlerin — hätte. Das darf eigentlich nicht passieren. Das Land ist gespalten in einer Weise, wie es das seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg nicht mehr war. Es gibt eine Verfeindung zwischen den beiden großen Parteien und ihrer Klientel, die dazu führt, dass Politik im klassischen Sinne der Abwägung unterschiedlicher Argumente in den Parlamenten kaum noch möglich ist.

    Ich denke, dass dieser Zustand nicht mehr lange anhalten kann. Es gibt viele Dinge, die Amerika neu machen muss. Das Wichtigste ist, dass die USA lernen müssen, mit einer multipolaren Welt zu leben. Eine Zeit lang hatten sie diese „splendid isolation“, sie haben also gesagt: Lassen wir die Europäer sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, wir halten uns raus. Dann haben sie sich eingemischt und seit dieser Zeit haben sie die Vorstellung, sie sind der Polizist der Welt. Das hat hier und da auch mal Vorteile gehabt, weil sie im Wesentlichen auch demokratische Werte mitvertreten haben. Im Irak war das dann schon wieder anders. Aber jetzt ist die Welt ganz offensichtlich nicht mehr so geordnet, wie sie sich das vorstellen. Wir haben nicht mehr die bipolare Welt des Ost-West-Konflikts. Wir haben jetzt eine multiplere Welt, in der auch Mächte wie China, Indien oder möglicherweise Brasilien sind. Das ist eine völlige Veränderung der Situation.

    Die USA müssen Diplomatie lernen. Das ist aber etwas, das in der amerikanischen Geschichte eigentlich nie eine große Rolle gespielt hat. Und ein großes Talent dafür haben die meisten Politiker dort dafür auch nicht. Ich glaube allerdings, dass die Bevölkerung der USA — die ich ziemlich gut kenne, weil die Hälfte meiner Familie dort gelebt hat — die Kraft hat, die Dinge wieder zu reparieren. Es gibt auch eine neue, realistischere Frauenbewegung in den USA, die eine große Rolle spielt. Es gibt viele junge Leute in den Schulen, die sich gegen die Volksbewaffnung durch die Waffenindustrie wenden. Es gibt eine ganze Menge, das in Bewegung gekommen ist, und deshalb bin ich einigermaßen optimistisch.

    Welchen Blick haben Sie auf die historische, aber auch auf die aktuelle politische Rolle Russlands?

    Was Russland angeht, war ich ein großer Anhänger der Politik von Gorbatschow. Und ich glaube auch, dass er wirklich Sensationelles bewirkt hat: Die Wiederzusammenführung Europas, dass Europa wieder in den Grenzen, in denen es über viele Jahrhunderte eine bewegte Rolle gespielt hat, jetzt wieder ein Ganzes sein kann. Vorausgesetzt, dass nicht künstlich ein Konflikt zwischen Russland und Westeuropa aufkommt, was die Westeuropäer nicht wollen.

    Die Amerikaner haben dort ganz andere Interessen. Für die Amerikaner ist der durchaus gewünschte Nebeneffekt der Verschärfung der Konflikte mit Russland die Schwächung Europas. Und Russland, die russische Diplomatie, scheint nicht klar genug zu sehen, dass es diese Entente Cordiale zwischen Westeuropa und den USA nicht mehr gibt. Und dass man sich deswegen auch gegenüber dem Westen Europas anders verhalten müsste. Zum Beispiel bei den Konflikten in der Ukraine und in Syrien hoffe ich, dass man doch noch zu Verständigung kommen kann. Mit Trump ist da wenig zu machen, mit den Westeuropäern ist da viel zu machen. Das muss sein, weil nicht nur kulturell, was wichtig genug ist, Russland zu Europa gehört.

    Und wenn man die russische Musik, die russische Literatur, die russische Wissenschaft nimmt, das ist ein ganz wichtiger Bestandteil der europäischen Kultur. Auch unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der Zusammenarbeit bei der Gestaltung der multipolaren Welt müssen hier wieder Wege der vernünftigen Zusammenarbeit kommen. Dazu wird es Veränderungen auf beiden Seiten brauchen. Nicht zuletzt auch in Russland, wo ich den Kurs, der jetzt gefahren wird, eine autoritäre Haltung gegenüber Kritik und so weiter für selbstschädigend halte. Russland braucht dringend die Frühwarnsysteme kritischer Bürger-Selbstinitiativen und sollte sie nicht dauernd behindern, wie das jetzt der Fall ist.

    Das neue Buch von Johano Strasser “Als wir noch Götter waren im Mai“ ist aktuell im Handel erhältlich.
    © Foto : Europaverlag
    Das neue Buch von Johano Strasser “Als wir noch Götter waren im Mai“ ist aktuell im Handel erhältlich.

    Sie waren immer ein großer Freund der europäischen Zusammenarbeit, auch der guten Nachbarschaft und freier Grenzen. Droht das bei dem aktuellen Streit in der EU zu zerbrechen?

    Die Gefahr ist groß. Im nächsten Jahr haben wir Europawahlen, und wenn die Wahlbeteiligung so niedrig ist, wie sie in den letzten Jahrzehnten war, ist die Gefahr sehr groß, dass im Europaparlament in Zukunft eine Mehrheit von Europagegnern sitzt. Und das wäre eine Katastrophe. Deswegen muss man etwas tun. Aber die Chancen sind gegeben. Seit Macron wissen wir, dass man mit Europa, mit einer pro-europäischen Haltung Wahlen gewinnen kann. Das sollten wir auch in Deutschland tun. In der Tat haben wir in Europa eine ganze Reihe von Ländern, wo die Unterstützung der Werte, auf denen Europa gebaut ist — Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und so weiter — nicht mehr in der Weise geachtet sind.

    In Polen haben wir ein Problem mit der Rechtsstaatlichkeit, der Abbau der Rechtsstaatlichkeit ist dort massiv, in Ungarn ebenfalls, die Pressefreiheit wird eingeschränkt. Das sind Dinge, die die Europäische Union nicht dulden kann. Endlich greift sie jetzt in diesen Dingen auch durch. Die Zustimmung zu Europa insgesamt ist sowohl in Polen als auch in Ungarn bisher immer noch positiv. Wir haben das Problem in Italien, wo zwei völlig inkompatible Parteien sich gemeinsam auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Anti-Europa-Haltung einigen und dort jetzt eine Politik machen, die ans Wahnsinnige grenzt. Ich hoffe, dass die traditionelle proeuropäische Haltung der Italiener irgendwann wieder ans Licht kommen wird, und zwar möglichst bald.

    Wichtig ist natürlich auch, zu erkennen, dass es in der europäischen Architektur — an der Spitze in der Kommission vor allen Dingen — Teile zu verändern gilt. Insbesondere was die Handelspolitik angeht, die richtigerweise nicht die Trumpsche Linie will, aber die auf der anderen Seite eine neoliberale Politik betreibt. Mit nichttarifären Handlungshemmnissen und den Handelsgerichtshöfen, die nicht in irgendeiner Weise demokratisch legitimiert sind, die auch nicht akzeptabel sind.

    Ich glaube, die Europäische Union muss zweierlei tun. Einerseits muss sie fortschreiten in der Stärkung der gemeinsamen demokratischen Institutionen: Sie muss das europäische Parlament noch weiter stärken und zu einem ganz normalen Parlament machen, sie muss eine dem Parlament verantwortliche Regierung schaffen. Sie muss aber zweitens dafür sorgen, dass das Ideal der Subsidiarität, das ja festgeschrieben ist im Lissabon-Vertrag, dass dies in der Praxis mehr genutzt wird.

    Man muss auch sehen, die Jugend in Europa ist fast durchweg für Europa. Die muss man mobilisieren, denen muss man das wieder deutlich machen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass man sich heute überall in Europa kreuz und quer bewegen kann. Dass das einmal geschaffen wurde und auch wieder verschwinden kann, wenn überall Grenzen errichtet werden und diese nationalistische Kleingeisterei weiter um sich greift. Wo immer man in Schulen über dieses Thema redet, merken die Jugendlichen: Ach ja, wir sind hineingewachsen in ein grenzenloses Europa und wissen gar nicht, dass das einmal mühsam errungen werden musste. Und das muss man ihnen wieder klarmachen, damit sie mithelfen, dass Europa nicht den Bach runtergeht.

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    Im Zentrum Europas ist ja Deutschland weiterhin ein Taktgeber. Und auch hier gibt es politische Flügelkämpfe. Abschließend, drängt es Sie auch heute noch, sich politisch wieder mehr einzumischen? Was würde der „Bürgerschreck“ Johano Strasser einer Kanzlerin Angela Merkel mit auf den Weg geben?

    Ich glaube, dass die Tage von Merkel zu Ende gehen, dafür sind die Zeichen zu deutlich. Sie verliert an Rückhalt in der eigenen Partei, die CSU hat schon seit längerem versucht, sich in der Union gegen Merkel zu profilieren. Ihr Problem ist, dass sie kein Gespür für die Zukunft hat. Und dass sie sich nur darauf konzentriert, das, was bisher so halbwegs gut gegangen ist nach ihrer Auffassung von Politik, auch weiter über die Runden zu bringen. Das reicht aber nicht.

    Deutschland braucht vor allen Dingen jemanden, der in Europa an der Seite von Frankreich und dem einen oder anderen Land im Norden Europas — mein Geburtsland Holland und die skandinavischen Länder könnte man dazu nehmen — jetzt dafür sorgt, dass dieses Europa nach vorne weiter aufgebaut wird. Und darüber hinaus müssen wir uns auch Gedanken machen, wie die UNO eigentlich in Zukunft operieren soll? Das sind Perspektiven, die von Frau Merkel nicht mehr wahrgenommen werden können. Und deswegen muss es zu einer dramatischen Veränderung an der Spitze der Politik kommen, damit sie Perspektiven eröffnet und den Menschen auch wieder Hoffnung stiftet.

    Das komplette Interview mit Johano Strasser zum Nachhören:

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    Tags:
    Gefahr, Verantwortung, Lobbyismus, Demokratie, Nazis, Bewegung, Protest, CSU, EU, SPD, Angela Merkel, Michail Gorbatschow, USA, Russland, Deutschland