18:16 16 Oktober 2018
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    Israel's Prime Minister Benjamin Netanyahu

    Netanjahu fliegt zu Putin: S-300-Systeme in Syrien zwingen Israel zum Einlenken

    © REUTERS / Gali Tibbon/Pool
    Politik
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    Swobodnaja Pressa
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    Wann genau der israelische Regierungschef nach Moskau kommt, steht noch nicht fest. Dass er den russischen Präsidenten besuchen wird, ist aber bereits vereinbart. Das geht aus einer Mitteilung des israelischen Regierungsamts hervor, die die Zeitung „Haaretz“ zitiert. Nach langer Trotzphase will die israelische Führung offenbar verhandeln.

    Benjamin Netanjahu und Wladimir Putin haben bei einem Telefonat „ein Treffen in nächster Zeit“ vereinbart, um die „wichtige Koordination“ zwischen den Streitkräften der beiden Länder fortzusetzen, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

    Es wird das erste Treffen zwischen Putin und Netanjahu nach dem Abschuss des russischen Seefernaufklärers Il-20 vor der syrischen Küste sein. Das russische Verteidigungsministerium macht bekanntlich die israelische Luftwaffe für das Unglück verantwortlich. Die Israelis suchen die Schuld bei der syrischen Flugabwehr.

    Nach dem Abschuss der russischen Maschine hat das Verteidigungsministerium in Moskau beschlossen, Flugabwehrsysteme S-300 nach Syrien zu verlegen. „Wir haben die Verlegung der S-300-Systeme nach Syrien abgeschlossen“, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einer Arbeitssitzung am 2. Oktober.

    Deshalb kontrolliere das russische Militär nun „den Nahbereich auf 50 Kilometer, den Fernbereich auf 200 Kilometer Entfernung“. Gerade der Fernbereich sei die Zone, von der aus die israelische Luftwaffe Einrichtungen ein Syrien attackiert habe, erklärte der Minister.

    Demnach wird bis Ende dieses Monats ein einheitliches Flugabwehr-Leitsystem in Syrien aufgebaut sein, innerhalb der kommenden drei Monate wird die Ausbildung des Personals an den S-300-Systemen abgeschlossen.  

    Die Stationierung der Flugabwehrsysteme soll denn auch ein zentrales Thema des geplanten Treffens zwischen Netanjahu und Putin werden.

    Denn: Durch die Verlegung der russischen S-300-Systeme nach Syrien ist das syrische Militär befähigt worden, israelische Kampfjets, Drohnen und Bomber auch außerhalb des syrischen Luftraums zu bekämpfen, schreibt das Fachportal „Avia.pro“.

    „Es war doch abzusehen, dass Israel von seiner harten Linie früher oder später würde abrücken müssen, die die israelische Führung nach der Tragödie mit der russischen Il-20 zunächst eingenommen hatte“, sagt der Analyst Iwan Konowalow, Direktor des Zentrums für strategische Konjunktur.

    Nach der Verlegung der S-300-Systeme wird die israelische Haltung nachgiebiger. Das wird laut dem Experten daraus ersichtlich, dass Tel-Aviv das Treffen mit Moskau vereinbart hat – und nicht umgekehrt.

    „Die Israelis haben lange gedacht, ihre Position würde unerschütterlich bleiben. Für die israelische Führung ist das Abwarten aber der normale Modus operandi. Zunächst bluffen sie – und erst wenn sie einsehen, dass das nicht mehr möglich ist, zeigen sie sich verhandlungsbereit“, erklärt Konowalow.

    Vor dem Anruf des israelischen Premiers in Moskau hatten seine Kabinettsmitglieder Russlands Entscheidung, moderne Flugabwehrsysteme nach Syrien zu liefern, heftig kritisiert. Die S-300-Systeme würden zerstört, sollten sie gegen das israelische Militär eingesetzt werden, erklärte Netanjahus Minister für regionale Zusammenarbeit Zachi Ha-Negbi.

    Und der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, Israel habe keine Absicht, seine Einsätze in Syrien einzustellen. Die Einsätze seien notwendig, um die iranischen Kräfte in Syrien zu bekämpfen, weil sie angeblich die Hisbollah mit Waffen belieferten.

    Das russische Außenministerium betonte in diesem Zusammenhang, die iranischen Kräfte unterstützten in Syrien den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Sie befänden sich völlig legal auf syrischem Boden, „auf Einladung der syrischen Regierung“, sagte die Außenamtssprecherin Maria Sacharowa.

    Das gilt übrigens auch für Russland: Dass russische Kräfte sich in Syrien aufhalten, sei rechtens, betont der Experte Konowalow. „Sie wurden von der rechtmäßigen Regierung eingeladen“ – was man über die israelische Luftwaffe nicht sagen kann. „Das Vorgehen Israels ist absolut rechtswidrig.“

    Bisher habe es jedoch eine stillschweigende Vereinbarung zwischen Moskau und Tel-Aviv gegeben: „Russland hat Israel daran nicht gehindert, seine Ziele in Syrien zu verwirklichen.“ Dieses Gentlemen-Agreement habe Israel gebrochen – nicht Russland.

    „Es bleibt ihnen nur, aufzubauen, was sie mit eigenen Händen zerstört haben. Es ist ja Netanjahu, der den russischen Präsidenten angerufen hat. Sie haben lange gebockt, sehen es aber letztlich ein, dass das kontraproduktiv ist“, sagt der Analyst.

    Schließlich hat die israelische Luftwaffe die Handlungsfreiheit in Syrien verloren, als dort die russischen S-300-Systeme stationiert wurden.

    „Da der syrische Himmel für die Israelis gesperrt wurde, sind sie gezwungen, eine Annäherung an Russland zu suchen“, erklärt der Nahost-Experte Michail Tschernow. „Außerdem ist der syrische Himmel damit größtenteils auch für die Verbündeten Israels geschlossen.“

    Dennoch: Beim kommenden Treffen in Moskau würden keine Zugeständnisse gefordert, „man spricht stattdessen besser über Interessen“, sagt der Experte Tschernow. „Es wird berichtet, Russland möchte Israel anbieten, einen Kommunikationskanal mit dem Iran einzurichten, um bestimmte Fragen gewaltfrei zu lösen. Das entspricht auch der russischen Deeskalationsstrategie.“

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    Tags:
    Raketenabwehr, S-300, Il-20, Zachi Ha-Negbi, Wladimir Putin, Benjamin Netanjahu, Moskau, Israel, Russland