18:10 22 Oktober 2018
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    US-F-22 Raptor (Archiv)

    Wenn Raptor-Jets in Syrien wildern: Kann eine F-22 ein S-300-System austricksen?

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    Politik
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    Andrej Koz
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    Die Chance, die neuen russischen Flugabwehrsysteme in Syrien auszuspionieren, wird sich die US Air Force bestimmt nicht entgehen lassen. Kein anderes Flugzeug wäre besser dafür gerüstet als die F-22, entwickelt auch zur Bekämpfung von Flugabwehranlagen. Freie Hand hätten die Jets in Syrien trotz ihrer Stealth-Technik aber nicht, mahnen Fachleute.

    Erst fliegen ein paar F-22 unentdeckt in den Luftraum des Gegners hinein und stören die gegnerischen Sensoren. Parallel dazu beschießen sie Radarstellungen, Raketenrampen und Führungszentralen. Dann folgt eine weitere Jagdbomberstafel und erledigt den Auftrag vollends.

    So beschreibt der Militärexperte Sergej Sudakow, Professor an der russischen Militärakademie, die Einsatztaktik der US Air Force im Kampf gegen die Flugabwehr eines Landes. Und der Fachmann fügt hinzu: „Reibungslos funktionieren solche Einsätze nur in der Theorie, auf dem Papier.“

    Eine F-22 kann nämlich entdeckt werden, sagt der Experte: „Wenn nicht vom Radar, dann in dem Moment, wenn der Pilot Störsignale über die bordeigene EloKa-Anlage aussendet.“ Diese Strahlungsquelle würde am Boden geortet werden. Innerhalb kürzester Zeit würden dann auch Abwehrraketen auf das Ziel gerichtet.

    Der Militärexperte Michail Chodarenok sagt jedoch: „Die geringe Radarsignatur einer F-22 ist zwar eine Tatsache. Aber die Behauptung, die Maschine sei für die S-300-Systeme unsichtbar, ist eine große Übertreibung.“

    Im Zentimeterwellenbereich sei eine F-22 tatsächlich schwer zu orten, „was aber nicht ausschließt, dass dieses Flugzeug erfolgreich beschossen wird“. Und im Meterwellenbereich sei das Jagdflugzeug ohnehin gut zu sehen.

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    „Gegenwärtig tobt ein Krieg der Worte“, sagt der Experte Chodarenok. „Aber ich bin mir absolut sicher, dass weder die Israelis noch die Amerikaner eine S-300-Stellung angreifen werden, solange sie mit russischem Personal besetzt ist. Erst wenn die Abwehrsysteme an die syrischen Kräfte übergeben werden, könnte es Angriffsversuche geben.“

    Der Ausbildungsgrad der syrischen Streitkräfte sei noch ausbaubedürftig. „Deshalb lässt sich in Syrien eine mehrfach gestaffelte Flugabwehr wie auf dem Stützpunkt Hmeimim so schnell nicht aufstellen“, erklärt der Analyst.

    Die unzureichende Erfahrung der Syrer könnte sich natürlich sehr negativ auf den Ruf der S-300-Systeme auswirken. „Und die westlichen Medien könnten das dann zum Anlass nehmen, Schwindelgeschichten über die angeblich mangelnde Effektivität der russischen Systeme zu verbreiten“, so Chodarenok.

    Die Amerikaner haben die syrische Flugabwehr schonmal auf Undurchlässigkeit getestet. Wie das Fachportal „The Drive“ berichtete, wurden F-22-Jets dafür eingesetzt. Kürzlich kursierten Bilder einer F-22 im Internet, die von den optronischen Sensoren einer russischen Su-35 erfasst worden sein soll.

    Jetzt plant das Pentagon laut „The Drive“, wieder F-22-Jets nach Syrien zu schicken. Der Tarnkappenjäger sei für die russischen Flugabwehrsysteme S-300 unsichtbar, heißt es im US-Verteidigungsministerium.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Syrisches Außenministerium schätzt Bedeutung russischer S-300-Systeme ein

    Dieser „Krieg der Worte, Drohungen und Erklärungen“ sei in Wahrheit „ein ganz normaler Deckmantel“, sagt Professor Sudakow. „Damit möchte Washington im Vorfeld der Wahlen am 6. November seine Überlegenheit über Russland demonstrieren.“

    Aber: „Über bloße Worte wird die Sache nicht hinausgehen. Und wenn doch, dann kann schon eine einzige abgeschossene ‚Raptor‘ das Ansehen der Hardliner in Washington erheblich schwächen.“

    Sollte auch nur eine einzige F-22 abgeschossen werden, wäre das für den Waffenexporteur USA ein unwiederbringlicher Imageschaden. „Deshalb werden die Vereinigten Staaten zehn Mal nachdenken, bevor sie ihre besten Flugzeuge gegen die S-300-Systeme losschicken“, so der Experte.

    Moskau hat bereits am 17. September, gleich nach dem Abschuss der russischen Il-20 vor der russischen Küste, beschlossen, moderne Flugabwehrsysteme nach Syrien zu verlegen. Die Stationierung von S-300-Systemen in Syrien werde helfen, solche Tragödien künftig zu vermeiden, erklärt das russische Verteidigungsministerium.

    Die russische Führung macht die israelische Luftwaffe für das Unglück mit dem Seefernaufklärer verantwortlich. Israelische Piloten hätten die Situation so provoziert, dass die russische Maschine ins Kreuzfeuer geraten und abgeschossen worden sei.

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    Lieferung, Waffen, Abschuss, Flugzeuge, S-300, F-22 Raptor, Israel, Syrien, Russland, USA