07:20 16 Oktober 2018
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    Annegret Kramp-Karrenbauer (Archiv)

    Annegret Kramp-Karrenbauer: Die neue Merkel oder eine echte CDU-Erneuerung?

    © AFP 2018 / Odd ANDERSEN
    Politik
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    Paul Linke
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    „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ wird Annegret Kramp-Karrenbauer die Nachfolgerin von Angela Merkel sein. Dieser Meinung ist Manfred Otzelberger, Autor der Biografie „Die Macht ist weiblich“. Doch kann „AKK“ den Aufstieg an die Spitze der deutschen Politik schaffen? Woher kommt sie? Und was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

    Annegret Kramp-Karrenbauer oder kurz „AKK“ – „an diesen Namen werden sich die Menschen genauso gut gewöhnen wie an Leutheusser-Schnarrenberger, die ehemalige Justiz-Ministerin“, betont der Redakteur beim Magazin „Bunte“, Manfred Otzelberger, im Sputnik-Interview. Für den Autor des Buches „Die Macht ist weiblich. Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Biografie“ ist die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlandes und jetzige Generalsekretärin der CDU „die Frau der Zukunft“. Am 8. Oktober 2018 erschien das Buch im Riva-Verlag.

    Gern hätte Angela Merkel ihrer Parteikollegin ein Ministeramt in der neuen Regierung verschafft. Doch das habe Kramp-Karrenbauer ausgeschlagen. Denn sie habe ein viel höheres Ziel – Bundeskanzlerin, glaubt Otzelberger: „Sonst wäre sie nicht aus dem schönen Saarland, wo sie Ministerpräsidentin war, nach Berlin gegangen, wo die Luft deutlich rauer ist.“ Zudem sei der Vorschlag, Generalsekretärin zu werden, von ihr selbst gekommen, bemerkt der Buchautor. In dieser Position sei sie in der Partei „absolut beliebt“. Das sei eine wichtige Voraussetzung für die Kanzlerschaft und für den Parteivorsitz. „Denn die Partei nominiert den Kanzler. Und ich glaube, dass Angela Merkel spätestens ein Jahr vor der nächsten Wahl den CDU-Vorsitz an Frau Kramp-Karrenbauer übergibt. Und damit hat sie den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur“, meint der Biograf.

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    „Sanfte Machtpolitikerin“

    Der Journalist Otzelberger, der bereits Biografien über den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz sowie die umstrittene ehemalige CSU-Politikerin Gabriele Pauli veröffentlichte, traf Kramp-Karrenbauer seit ihrem Amtsantritt als Generalsekretärin über dreißig Mal und führte 50 Gespräche mit Freunden und Gegnern. Er kommt zu dem Schluss: „Sie hat kaum Feinde, weil sie auch mit politischen Gegnern anständig umgeht und auf ihrem sanften Weg zur Macht keine verbrannte Erde hinterlässt.“

    Was nominiert AKK zu Merkels Nachfolgerin?

    Die neue CDU-Generalsekretärin war im Saarland 17 Jahre lang entweder Ministerin oder Ministerpräsidentin. Damit sei sie einfach die „kompletteste Politikerin mit der größten Regierungserfahrung“. Das könne kein anderer Politiker in Deutschland vorweisen, versichert der Autor. „Sie ist 56 Jahre alt – im idealen Politikeralter. Sie ist eine Frau, die etliche Fähigkeiten hat, wie Angela Merkel. Sie geht pragmatisch an die Probleme heran und kann mit schwierigen Männern umgehen.“ Die beiden Frauen seien sich von ihrer politischen Agenda ziemlich nah. So seien beide überzeugte Europäerinnen, bemerkt der „Bunte“-Redakteur.

    Doch in den Wahlumfragen verlieren die Christdemokraten weiter an Stimmen und liegen aktuell bei 27 Prozent. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Macht scheinen die Menschen kein „weiter so“ zu wollen. Würden die Bundesbürger eine zweite Frau, die noch dazu Merkels politische Linie vertritt, an der Regierungsspitze sehen wollen?

    Wäre AKK als Nachfolgerin ein fataler Fehler?

    Otzelberger meint, Kramp-Karrenbauer habe noch „deutlich mehr“ anzubieten als Angela Merkel: Sie sei näher am Leben der „normalen Leute“, habe nie einen „großen Dünkel“ um sich gemacht und habe als Mutter von drei Kindern „von den Problemen der normalen Menschen viel mehr Ahnung als die meisten anderen Politiker“, so der Buchautor. Gegenüber der CSU habe die überzeugte Christdemokratin „ganz klar“ Grenzen aufgezeigt und „sehr, sehr deutliche Worte“ gefunden.

    „Sie muss an ihrer TV-Präsenz arbeiten“

    Doch kann sie auch die CDU aus dem Umfragetief befreien und für eine wirkliche Erneuerung der sogenannten „Volkspartei“ CDU sorgen? Sie habe alle Fähigkeiten dazu, versichert der AKK-Experte. Er glaube, dass die CDU-Politikerin nach den „langen Merkel-Jahren“ für die allermeisten Menschen neu sei. Viele würden sie noch gar nicht richtig kennen. Sie sei ausgleichend, durchsetzungsfähig, habe einen klaren politischen Kompass und eine große Regierungserfahrung. Ein Jens Spahn wäre mit seinen 38 Jahren noch zu jung. Dennoch könne alles auf einen Zweikampf zwischen den beiden hinauslaufen, meint der Reporter.

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    Einen Makel hat Manfred Otzelberger doch noch an AKK gefunden: „Ich glaube, dass sie an ihrer Fernseh-Präsenz noch arbeiten muss. Aber grundsätzlich kann sie Menschen begeistern.“

    Das komplette Interview mit Manfred Otzelberger:

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    Tags:
    Kanzlerin, Kandidat, CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, Angela Merkel, Deutschland