02:30 17 Oktober 2018
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    Clear Sky 2018: Nato spielt Hausherr im Himmel über der Ukraine

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    Auf Luftwaffenbasen in der West-Ukraine herrscht seit langem wieder reger Betrieb, im Himmel darüber dröhnen amerikanische Kampfjets, Kampfdrohnen, Tank- und Transportflugzeuge: Das Clear-Sky-Manöver von Nato und Ukraine hat begonnen. Nachdem sie die ukrainische Luftwaffe verschrottet haben, ergreifen die USA nun den ukrainischen Himmel.

    Stolz verkündet Kiew, es handele sich um das größte Militärmanöver, seit die Ukraine unabhängig sei. Die Übung diene dazu, die Fähigkeiten der Flugzeugcrews auszubauen und „die Kompatibilität mit den Luftstreitkräften der USA und anderer Nato-Mitgliedsländer“ beim Erfüllen gemeinsamer Aufgaben innerhalb der Allianz zu erhöhen.

    So lautet die offizielle Version. Tatsächlich aber fliegen beim derzeitigen Manöver hauptsächlich Nato-Flugzeuge über der Ukraine – die ukrainischen Jets bleiben am Boden, in den Hangars.

    Denn: „Die Ukraine hat ihre Luftwaffe nach dem Zerfall der Sowjetunion einfach verloren. Ausgerechnet die USA haben maßgeblich dazu beigetragen. Sie wollten die Schlagkraft der ehemaligen Sowjetrepublik auf ein Minimum zurückdrängen“, sagt General Nikolaj Antoschkin, Ex-Vize-Kommandeur der russischen Luftstreitkräfte.

    Die ukrainische Luftwaffe, wie man sie heute kennt, wurde 2004 geschaffen. Sie entstand aus den Überresten ehemals sowjetischer Geschwader, die nach dem Zerfall der UdSSR auf ukrainischem Boden geblieben waren.

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    Unter der Einwirkung der Amerikaner habe die Ukraine ihre gesamte Bomberflotte verloren.

    „Das waren ungefähr 80 Langstreckenbomber“, erklärt General Antoschkin. Auch andere Flugzeuge seien künstlich unbrauchbar gemacht worden – sprich: sie wurden verschrottet.

    Von den ehemals 1.100 Kampfflugzeugen verfügen die Ukrainer heute über circa 210. Nicht jede dieser Maschinen ist einsatzfähig: Die Verschleißrate liegt bei über 50 Prozent. Außerdem erlitt die ukrainische Luftwaffe bei Kämpfen im Donbass schwere Verluste. Vor allem tragbare Flugabwehrsysteme setzten den Ukrainern zu.

    An der Clear-Sky-Übung sind mehrere Tausend Soldaten mit circa 40 Luftfahrzeugen und Dutzenden Flugabwehrsystemen beteiligt. Die Mannschaften kommen aus Polen, Rumänien, Estland, aus Belgien, Dänemark, den Niederlanden und natürlich aus Großbritannien und den USA. Die Vereinigten Staaten haben das Manöver initiiert.

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    Das Ausmaß dieser Übung ist angesichts der beteiligten Kräfte „ziemlich gering“, sagt der Militärexperte Wladislaw Schurigin. „Aber man soll das Manöver nicht unterschätzen. Wir erleben, wie der große Bruder seine kleineren Geschwister allmählich ans Kämpfen gewöhnt. Die Amerikaner trainieren die Ukrainer, sich im Luftkampf ruhig und sicher zu verhalten.“

    Für Russland sei das Clear-Sky-Manöver keine Bedrohung, sagt der Experte: „Natürlich riskieren sie es nicht, sich der russischen Grenze zu nähern. Weißrussland aber ist nur einen Steinwurf vom Übungsgebiet entfernt – nur 200 Kilometer. Für die amerikanischen F-15-Jets ist das überhaupt keine Entfernung.“

    Kiew betont traditionell, es gehe nur um die Abwehr der „russischen Bedrohung“. Weißrussland als Mitgliedsland der OVKS bleibt dabei wie absichtlich unerwähnt.

    Das Nato-Manöver in der Ukraine hat aber auch noch einen anderen Grund: „Die ukrainische Luftwaffe wird auf Nato-Standards getrimmt. Das heißt auch, die Ukraine wird im Westen als Absatzmarkt für gebrauchte Nato-Jets betrachtet. Bald werden jene Flugzeuge dorthin geliefert, die erst in den USA, dann in Polen, Rumänien und Estland geflogen sind. Kiew wird sie natürlich dankbar annehmen“, sagt General Antoschkin.

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    Tags:
    Militärmanöver, Clear Sky 2018, NATO, USA, Russland, Ukraine