12:48 18 Dezember 2018
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    in der M.: Der Politiker Johann Wadephul, Mitglied des Bundesvorstandes der CDU (Archiv)

    CDU-Vorstandsmitglied Johann Wadephul: Petersburger Dialog hat unschätzbare Bedeutung

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    Andreas Peter
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    Der Politiker Johann Wadephul, Mitglied des Bundesvorstandes der CDU, ist auch Vorstandsmitglied des Petersburger Dialogs. Das deutsch-russische Gesprächsformat fand dieses Jahr in Moskau statt. Wadephul misst ihm unschätzbare Bedeutung bei, wie er im Gespräch mit Sputnik erklärte.

    Der Petersburger Dialog geht inzwischen in sein siebzehntes Jahr. Das ist nicht selbstverständlich. Bedenkt man die Turbulenzen, die es in den zurückliegenden Jahren immer wieder in den deutsch-russischen Beziehungen gegeben hat und die auch aktuell das Verhältnis dieser beiden für Europa so wichtigen Staaten belasten, dann ist dieses Gesprächsformat von bemerkenswerter Beständigkeit und Robustheit. Zumal in dem Verein, der die eigentliche Arbeit des Dialogs koordiniert, Persönlichkeiten aus beiden Staaten zusammengefunden haben, deren Ansichten zum Teil erheblich auseinanderliegen.

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    Zehn Arbeitsgruppen und eine Jahrestagung

    Neben den jährlichen Tagungen, die abwechselnd in Deutschland und Russland stattfinden, sind das ganze Jahr über kontinuierlich zehn Arbeitsgruppen des Vereins tätig. Dort kommt es zum Gedankenaustausch, der teilweise mit Worten geführt wird, die gelegentlich schon mal vergessen lassen können, dass hier eigentlich Menschen zusammensitzen, denen an einer Intensivierung der Gespräche zwischen Deutschland und Russland gelegen ist.

    Johann Wadephul ist eines der sieben Vorstandsmitglieder der Gruppe der deutschen Vertreter im Verein. Wadephul hatte und hat in der CDU auf Landes- und Bundesebene einflussreiche Positionen inne. Aktuell ist er Mitglied des Bundesvorstandes und einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion von CDU und CSU. Für ihn gibt es zum Petersburger Dialog derzeit kaum eine vernünftige Alternative, wie er Sputnik erklärt:

    „Er hat eine unschätzbare Bedeutung, weil es eines der wenigen Foren ist, wo Deutsche und Russen miteinander in Ruhe, fachlich orientiert diskutieren können, das Verständnis ausdiskutieren können. Und das ist mit Sicherheit, unabhängig von den nicht besonders hohen Kosten dieser Veranstaltung, ein Treffen, wo man sagt, da ist jede Minute und jedes Geldstück gut angelegt. Also, ich würde schon sagen, das müssen wir fortführen, und das ist eines der Formate, was auch tatsächlich einen Ertrag bringt.“

    Unterschiedliche Ansichten über Dialogqualität

    Auch in diesem Punkt gehen die Ansichten – wenig überraschend – auseinander. Irina Scherbakowa etwa, Mitgründerin der russischen Nichtregierungsorganisation „Memorial“, meinte in der Septemberausgabe 2017 der Vereins-Zeitung „Dialog“, unter anderem:

    „Keiner will den zivilgesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Russland gefährden oder gar abbrechen. Im Gegenteil. Aber man war lange viel zu unkritisch. Nehmen Sie nur den alten Petersburger Dialog. In einem Dialog müssen wir uns ungeschminkt die Wahrheit sagen können.“ (Irina Scherbakowa, in „Die ungeschminkte Wahrheit (I)“, Dialog, September 2017, Nr.1)

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    Das mit der ungeschminkten Wahrheit sieht Johann Wadephul beim Petersburger Dialog gegeben, wie er im Gespräch mit Sputnik versichert:

    „Wir haben naturgemäß in der Arbeitsgruppe Politik nach wie vor harte Auseinandersetzungen und auch ganz eindeutig Differenzen in der Sichtweise aus beiden Ländern zum Konflikt in der Ukraine, das ist vollkommen klar.“

    Und dass das so ist, dafür garantieren allein schon zwei Namen auf der deutschen Seite des Vereins: Marieluise Beck und Ralf Fücks. Wer einigermaßen mit der Materie und den bisherigen Äußerungen der beiden vertraut ist, weiß, dass Russland hier keine weichgespülten Wortmeldungen erwarten darf. Aber im Gegensatz zu vielen westlichen Beobachtern, die tatsächlich der Ansicht sind, Russen könnten keine Kritik vertragen, und schon gar nicht massive, fundamentale Kritik, hat Johann Wadephul anderes erlebt:

    „Ich erlebe die allermeisten Russen in diesen Gesprächen so, dass sie aufgeschlossen sind, dass sie natürlich hart ihre Standpunkte vertreten, dass sie mir aber auch jedes Mal zuhören. Das merke ich daran, dass sie eine Reaktion zeigen. Und das ist eine sehr gute Grundlage.“

    Deutschland gilt als das Land, das mit Russland reden kann

    Wadephul sieht die heutige Rolle Deutschlands in der Kontinuität einer Rolle, die der alten Bundesrepublik während des Kalten Krieges mehr oder weniger ungefragt zugefallen war, nämlich, „dass wir diejenigen sind, die mit Russen sprechen können“. Diese Maxime und die Fähigkeit, miteinander reden zu können, statt nur übereinander, hat den Petersburger Dialog über inzwischen 17 Jahren am Leben gehalten. Trotz aller Schwierigkeiten während dieser Zeit, trotz aller Meinungsverschiedenheiten, trotz allen Streits, trotz gelegentlicher Empörungen auf beiden Seiten.

    Das Gespräch mit Johann Wadephul (CDU) zum Nachhören:

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    Tags:
    Partnerschaft, Dialog, CSU, CDU, Johann Wadephul, Russland, Deutschland