22:39 19 November 2018
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    Die Befreiung Tallinns. Einwohner begrüßen sowjetische Truppen.

    Tallinn stellt Moskau Rechnung für „Okkupation“ aus

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    Politik
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    Estland hat den Schaden, der durch die „sowjetische Okkupation“ verursacht wurde, berechnet – dieser beträgt laut dem estnischen Justizministerium 1,2 Milliarden Euro.

    Eine zuständige Kommission hatte sich zuvor mit den Kalkulationen befasst. „Im Bericht der Kommission sind konkrete Zahlen angegeben: 49.500 Menschen wurden Opfer von Stalins Repressionen, 24.100 weitere kamen im Zweiten Weltkrieg ums Leben und 139.400 flohen aus Estland; wegen des Verlusts der Petschorski-Region und der Gebiete jenseits von Narwa verlor Estland 213.000 Menschen“, teilt der Pressedienst des Justizministeriums mit.

    Nach Einschätzung des Justizministeriums büßte Estland in den Jahren 1948 bis 1985 eine Million Hektar Ackerland ein. Die Zwangskollektivierung habe zudem die Landwirtschaft des Landes zerstört.

    Der Schaden durch die Verschmutzung der Oberflächengewässer im Zeitraum von 1950 bis 1990 wird auf rund 263 Milliarden Euro geschätzt.

    Weil in dieser Zeit zudem viele Arbeitskräfte nach Estland kamen, sei der Anteil der Esten in der nationaler Zusammensetzung der Republik von 89 Prozent im Jahr 1941 auf 61 Prozent 1989 gesunken.

    Der estnische Außenminister Sven Mikser hatte zuvor erklärt, dass er die Schadensersatz-Forderungen an Russland nicht für vernünftig halte. Für den estnischen Historiker Toomas Hiio kommt ein Verzicht auf diese Forderungen nicht in Frage: Dies könnte laut ihm als Anerkennung eines freiwilligen Anschlusses Estlands an die Sowjetunion interpretiert werden.

    Position Russlands

    Der erste stellvertretende Vorsitzende des GUS-Ausschusses der Staatsduma (russisches Parlamentsunterhaus), Konstantin Satulin, hatte zuvor die Gespräche der baltischen Politiker über Kompensationen kritisiert: „Sie werfen regelmäßig die Frage von irgendwelchen Kompensationen auf. Ich würde sagen, es ist alles eher umgekehrt: Wir sollten von ihnen Schadensersatz fordern, weil in der Zeit, in der sie Teil der Sowjetunion waren, alles, was in Estland und Lettland gebaut wurde, mit unserem Geld entstand.“

    Die russische Führung weist die Vorwürfe der Besetzung der baltischen Staaten im Jahr 1940 als falsch zurück. Das Außenministerium in Moskau hatte früher erklärt, der Anschluss des Baltikums an die Sowjetunion sei damals in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht erfolgt. Der Einmarsch der sowjetischen Truppen habe auf Vertragsbasis und aufgrund der Zustimmung der örtlichen Führung stattgefunden.

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    Im Jahr 2005 wurde der russische Präsident Wladimir Putin von einer estnischen Journalistin gefragt, warum Russland es „so schwerfalle, sich für die Okkupation zu entschuldigen“. Putin empfahl der Journalistin, sich mit dem Beschluss des Kongresses der Volksdeputierten der Sowjetunion aus dem Jahr 1989 vertraut zu machen: Dort stehe nämlich schwarz auf weiß, dass der Kongress den Ribbentrop-Molotow-Pakt verurteilt. Dieser Pakt habe die Meinung des sowjetischen Volkes nicht widergespiegelt und sei eine persönliche Angelegenheit von Stalin und Hitler gewesen, betonte Putin.

    „Was kann man zu dieser Frage noch klarer und genauer sagen? Oder wollen Sie etwa, dass wir uns jedes Jahr entschuldigen?“, fragte der russische Staatschef. Diese Frage sei endgültig abgeschlossen.

    Zwischen Deutschland und Russland habe es in den Jahren 1918 und 1939 geheime Absprachen gegeben, die die baltischen Territorien betrafen, fügte Putin hinzu. Das sei eine Verschwörung gewesen, der leider kleine Staaten und kleine Völker zum Opfer gefallen seien.

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    Tags:
    Besatzung, Okkupation, Schadensersatz, Sowjetunion, Russland, Estland