10:14 16 November 2018
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    Juden in der AfD: „Wir lassen uns nicht instrumentalisieren“ – EXKLUSIV

    © AFP 2018 / Frank Rumpenhorst / dpa
    Politik
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    Valentin Raskatov
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    „Juden in der AfD“? Ein gleichnamiger Arbeitskreis wurde zu seiner Gründung von Medien und Organisationen mit Kritik überhäuft. Ein Zeichen, dass man richtige Fragen stellt, findet Dimitri Schulz, einer der Gründer der JAfD. Speziell jüdische Fragen in der AfD sind ihm zufolge der Kampf gegen Antisemitismus und die mediale Gleichbehandlung Israels.

    Juden in der AfD? Ein Ding der Unmöglichkeit. Ein jüdischer Arbeitskreis in der Partei? Kann nur eine Erfindung sein. Ein cleverer Zug, der sich aber so offensichtlich als strategischer Zug ausnimmt, dass er sich an der Grenze des Unzumutbaren bewegt. Schließlich hätten sich AfD-Politiker oft genug feindselig gegenüber Minderheiten und auch zur Genüge antisemitisch gezeigt. In diese Richtung gingen viele Reaktionen auf die Gründung der „Juden in der AfD“, in diese Bresche schlug die Kritik.

    Henryk Broder allein betrachtete in einem Beitrag für die Welt die Gründung mit Gelassenheit und übte Kritik an der Kritik. Seine Gegenfrage: Warum sollten Juden eigentlich politisch reifer sein als der Rest der Bevölkerung? Der Rest stellte sich diese Frage nicht, sondern pflückte sich das eine oder andere Mitglied des Arbeitskreises heraus, um zu zeigen, dass das Ganze nicht mit rechten Dingen zugegangen sein konnte.

    Dimitri Schulz ist eins dieser Mitlieder: Seit 2014 in der Partei aktiv, war er 2017 Initiator und Gründer der bundesweiten Interessengemeinschaft Russlanddeutscher in der AfD. Dort habe Schulz auch erkannt, dass unter den russischen AfD-Mitgliedern viele Juden gewesen seien. So kam es auch zur Gründung der JAfD, die am vorletzten Sonntag stattfand. Schulz hat die Gründungsveranstaltung mit organisiert.

    Gegen Antisemitismus und für gerechte Berichterstattung über Israel

    Den Gegenwind kann der Wiesbadener Stadtverordnete nicht nachvollziehen. Die JAfD ist für ihn eine ganz natürliche Entwicklung, „da die AfD zu einer Volkspartei heranwächst“. Die JAfD sei ein unabhängiger Verein, bestehend aus jüdischen AfD-Mitgliedern. Er wolle sich besonders mit jüdischen Fragen befassen.

    „Dazu zählt der Kampf gegen jede Form des Antisemitismus, der Erhalt jüdischen Lebens in Deutschland und Europa, der Kampf für eine Gleichbehandlung Israels in der Berichterstattung der Medien und in internationalen Organisationen“, erklärt Schulz gegenüber Sputnik.

    Speziell zur Berichterstattung fügt er erklärend hinzu, es werde immer erst dann in den Medien berichtet, wenn Israel reagiere. Vorangehende Aggressionen wie etwa Raketenbeschüsse gegen Israel würden übergangen. Das sei „nicht neutral“. Die Gruppe „Juden in der AfD“ informiere sich aus unterschiedlichen, auch russischen und israelischen Quellen, sodass ein vollständigeres Bild der Lage geliefert und den Berichten gegenübergestellt werden könne.

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    Warum sollten all die angeführten Themen nicht auch in der AfD behandelt werden, fragt sich der Politiker. Schließlich betrachtet er das Verhältnis der Partei zu Russen, Russlanddeutschen und Juden als „sehr gut“. Dass an der Partei mittlerweile keine wie auch immer gearteten politisch extremen Figuren mitwirken können, regelt aus seiner Sicht die 13-seitige Unvereinbarkeitsliste der AfD. Mit dieser Liste sei sie „die einzige Partei, welche sich von einem extremen Rand abgegrenzt hat“.

    Politisch unreif? Schulz dreht den Spieß um

    An Broder gibt Schulz zurück: „Gerade weil wir reifer sind, beschäftigen wir uns mit der AfD und sind auch Mitglieder der Partei geworden.“ AfDler würden oft als „die Dummen“ abgestempelt, dabei würden sie als einzige „mit offenen Augen durch die Gesellschaft laufen und die Probleme sehen“.

    Die Probleme, das sind: der Zerfall der traditionellen Familie, eine Frühsexualisierung von Kindern in Kindergärten und Schulen, eine zunehmende Islamisierung Deutschland und der importierte Antisemitismus.

    Vor diesen Problemen würden andere zurückscheuen, weil sie sonst „anecken“ würden. Was die Aufforderung der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch betrifft, es möge sich auch ein muslimischer AfD-Arbeitskreise gründen, wenn es Bedarf gibt, antwortet Schulz: „Ich persönlich denke nicht, dass es zwischen dem Islam und unserem Parteiprogramm Überschneidungen gibt.“

    Was aber passiert, wenn die AfD sich in einem Horrorszenario doch in eine rechtsextreme Partei verwandelt, die Rechte von Minderheiten einschränkt und offen zu Gewalt aufruft? „Wir lassen uns auf keinen Fall instrumentalisieren“, betont Schulz hier. Die JAfD sei ein unabhängiger Verein und könne sich zu solchen Vorgängen entsprechend positionieren.

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    Die Reaktionen von unterschiedlichen Seiten, darunter etwa vom Zentralrat der Juden und vom jüdischen Studierendenverband würden genau bestätigen, „dass wir den Finger in die richtige Wunde gelegt haben“. Hier habe die JAfD schnell Hass auf sich gezogen, obwohl die Mitglieder die Gründung gar nicht öffentlichkeitswirksam geplant hatten. Das Ganze sei dann von den Medien „aufgebauscht“ worden. „Die Reaktion zeigt, dass wir irgendwas richtig gemacht haben“, ist sich Schulz sicher.

    Schulz kein Jude? Nicht Abstammung bestimmt Mitgliedschaft

    Diverse Medien hatten den Dialog mit Schulz gar nicht erst gesucht. Das Argument: Er sei womöglich gar kein Jude. Entweder habe er sich bei der Emigration aus der Sowjetunion die jüdische Abstammung einfach auf Papier besorgt, oder er sei nicht von mütterlicher Seite jüdisch. Zudem sei markant, dass er kein Mitglied der jüdischen Gemeinde sei.

    Schulz entgegnet: „In meiner Familiengeschichte haben vier Generationen in Russland (ehemals UdSSR) gelebt. Fast alle waren jüdisch-stämmig, aus den Niederlanden, einzig mein Ur-Großvater väterlicherseits war nicht Jude und Deutscher aus Heidelberg. Somit bin ich nicht als Kontingentflüchtling, sondern als Vertriebener 1989 nach Deutschland zurückgekehrt.“ Dem Vorwurf, er sei nicht Teil der jüdischen Gemeinde, begegnet Schulz mit Unverständnis: „Eine Mitgliedschaft in einer jüdischen Gemeinde bestimmt nicht die Abstammung, somit sind die Zweifel absurd.“

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    Tags:
    Islamisierung, Kritik, Antisemitismus, Juden, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Israel, Deutschland, Russland