10:53 18 November 2018
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    Flüssiggas

    „Unabhängigkeit“ von Russland: Polen wird 20 Jahre US-Flüssiggas beziehen

    CC BY 2.0 / Ken Hodge / LNG Tanker Energy Progress at Wickham Point in March 2016
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    Das polnische Erdöl-und Gasunternehmen PGNiG und der US-Konzern Venture Global LNG haben laut dem Leiter des polnischen Unternehmens, Maciej Wozniak, zwei Verträge über die Lieferung von zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas (LNG) jährlich über einen Zeitraum von 20 Jahren unterzeichnet.

    Wozniak präzisierte, dass die Lieferungen nach der Formel Free on Board (FOB) stattfinden würden. Dies bedeute, dass die polnische Seite die Rohstoffe bereits bei der Verschiffung erwerbe und selbst den Zielhafen bestimme.

    Zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas sind ungefähr 25 Tanker pro Jahr, und nach der Rückvergasung — 2,7 Milliarden Kubikmeter des blauen Brennstoffs.

    Zu den Preisen für das Flüssiggas gibt es bisher keine Angaben. Im September hatte Donald Trump Warschau die Lieferung „einer riesigen Menge an LNG zu einem guten Preis“ versprochen.

    Kurz zuvor hatte der ehemalige polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz erklärt, dass Russland und Deutschland beim Bau von „Nordstream-2“ „die Schlinge“ um Polens Hals „festziehen würden“, um Warschau und ganz Europa abhängig zu machen. Der Politiker bezeichnete die USA als einzigen und wichtigsten Verbündeten Polens.

    Derzeit importiert Polen rund 60 Prozent seines Gas-Bedarfs, der Rest wird selbst gefördert. Nach der Umstellung sollen 2,7 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas pro Jahr aus den USA kommen. Auch ist der Kauf von LNG aus Katar sowie Erdgas aus Norwegen im Gespräch.

    Moskau bleibt weiterhin der Haupterdgaslieferant für Warschau. Die Importe aus Russland machen rund 40 Prozent des polnischen Gas-Bedarfs aus. In den letzten sechs Monaten hat Polen die Importe aus Russland um 0,4 Milliarden Kubikmeter erhöht. Der 1996 unterzeichnete Vertrag zwischen PGNiG und Gazprom umfasst die Lieferung von bis zu zehn Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr, mit einem vertraglich festgelegten minimalen Volumen von 8,7 Milliarden Kubikmetern. Der Vertrag gilt bis 2022.

    Trotz der Unzufriedenheit mit dem Preis ist Warschau nicht bereit, den Umfang der russischen Rohstofflieferungen zu reduzieren. Stattdessen werden diese sogar erhöht. Dies geschieht, um die Reserven aufzufüllen, falls nach dem Start von „Nordstream- 2“ der Transit aus der Gasleitung „Jamal-Europa“, die durch Polen verläuft, dramatisch zurückgehen sollte.

    Die Befürchtungen sind begründet — trotz des Widerstandes aus den USA, der Ukraine und Polen begann der Bau von „Nordstream-2“ wie geplant. Innerhalb von zwei Jahren soll die Pipeline in Betrieb genommen werden. Der Transitweg durch Polen und Weißrussland kann dadurch überflüssig werden.

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    Tags:
    Gaspreise, Gaspipeline, Gaskonzern, Gasbedarf, Diversifizierung, LNG, Erdgas, Nord Stream 2, Nord Stream-2, Gaslieferungen, Gazprom, Antoni Macierewicz, Donald Trump, EU, USA, Russland, Polen