11:05 16 November 2018
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    Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (r.) beim Russland-Tag in Rostock

    Manuela Schwesig EXKLUSIV: „US-Kritik an Nord Stream 2 ist sehr durchschaubar“

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    Politik
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    Armin Siebert
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    Auf dem Russland-Tag in Rostock hat sich die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns Manuela Schwesig erneut für eine Aufhebung der Sanktionen ausgesprochen. Auch verkündete sie den Bau eines LNG-Terminals. Im Exklusiv-Interview mit Sputnik kritisiert sie die Behinderung von Nord Stream 2 durch die USA und lobt das deutsch-russische Verhältnis.

    Frau Ministerpräsidentin, Sie hatten in Ihrer Rede gesagt, dass Sie, wenn Sie sich sozusagen beim Volk umhören, da sehr viel positive Vibration bekommen. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz, dass das Volk nach wie vor und trotz aller medialen Einwirkungen noch quasi positiv zu Russland eingestellt ist, während das in der Politik meistens kritisch und negativ ist?

    Die große Besonderheit am deutsch-russischen Verhältnis ist genau das, dass die russische Bevölkerung trotz der schwierigen Geschichte, trotz der Gräueltaten der Deutschen gerade in Leningrad, ein sehr positives Verhältnis zu den Deutschen hat und sich eine gute Partnerschaft wünscht. Auch die Deutschen wünschen sich trotz der Kritik an Russland auch dieses Verhältnis. Oft wird gesagt, die Politik sollte wieder mehr das Ohr an der Bevölkerung haben. Ich kann nur sagen, gerade in der Russlandfrage sollten wir das tun. Es gibt sehr, sehr viele Menschen, die mich ansprechen, Mails, die mich in diesen Tagen erreichen, die besagen: Wir wünschen uns den Dialog. Und Dialog heißt nicht, nicht Kritik üben zu können.

    Ich möchte zum Beispiel das Projekt Nord Stream 2 benennen. Gerade über dieses Projekt ist es gelungen, gemeinsam auch Umweltaspekte stärker zu berücksichtigen. Da bin ich meinen Partnern sehr dankbar, dass sie das auch aufgenommen und umgesetzt haben. Ich erreiche doch nur etwas, gerade bei schwierigen Themen, wenn ich im Gespräch bleibe, und nicht, wenn ich dem anderen mit erhobenem Zeigefinger sage, was er alles falsch macht.

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    Gerade bei Nord Stream 2 gibt es auch die Konkurrenz zu US-amerikanischem Flüssiggas. Das neue LNG-Terminal, dessen Bau Sie angekündigt haben – ist es exklusiv für russisches Flüssiggas vorgesehen?

    Das neue LNG-Terminal wird Flüssiggas aus verschiedenen Bereichen beziehen. Und ich will zu der amerikanischen Kritik an Nord Stream 2 sagen, es ist sehr durchschaubar, dass die Amerikaner hier natürlich eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen. Dagegen habe ich gar nichts. Jeder hat seine wirtschaftlichen Interessen. Aber dann sollte man das auch so offen ansprechen.

    Deutschland macht sich nicht abhängig von Russland. Im Gegenteil. Nord Stream 2 ist ein wichtiges Projekt für beide Seiten, um die Energieversorgung zu sichern. Und eine sichere Energieversorgung ist wichtig – nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch für den Wohlstand, den wir für die Menschen erhalten müssen.

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    Das Interview mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zum Nachhören:

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    Tags:
    Demokratie, LNG, Sanktionen, Nord Stream 2, Manuela Schwesig, Rostock, Deutschland, Russland