01:50 19 November 2018
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    Helsinki-Gipfeltreffen von US-Präsidenten Donald Trump (l.) und Wladimir Putin (Archivbild)

    INF-Ausstieg: Moskau frei bei Festlegung militärischer Parität - Experte

    © Sputnik / Alexej Nikolskij
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    Natalia Pawlowa
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    Die Ankündigung Donald Trumps, sich aus dem INF-Vertrag zur Vernichtung von atomaren Kurz- und Mittelstreckenraketen zurückzuziehen, kann eine neue Rüstungsspirale provozieren. Doch Russland wird sich nicht in ein Wettrüsten hineinziehen lassen, es wird Antworten finden, wie sich Experten im Sputnik-Gespräch äußern.

    Lev Klepatsky, Experte für internationale Angelegenheiten, ehemaliger russischer Konsul in München, erwartet von Trumps Entscheidung nichts Gutes. Das sei eine neue Realität, mit der man rechnen müsse, sagte der Diplomat im Sputnik-Gespräch

    „Für Trump ist es eine normale Praxis geworden, sich aus bilateralen und multilateralen Verträgen zurückzuziehen. Die USA werfen Russland vor, gegen den Vertrag verstoßen zu haben. In Wirklichkeit verfolgen sie ihre eigenen Ziele. Sie lösen ihre Hände unter Verweis darauf, dass der Vertrag die Aufrüstung der amerikanischen Armee behindere. Wenn die Amerikaner mit dem Bau neuer Raketen beginnen, muss Russland darauf achten, inwieweit dies seine Sicherheit beeinträchtigen wird. Dies ist kein politisches, sondern ein militärisches Problem. Russland soll nicht in ein Wettrüsten gezogen werden, es wird Antworten finden.“

    Valery Korovin, Direktor des Zentrums für geopolitische Expertise, sieht neue Chancen für Russland beim Rückzug der USA aus dem INF-Vertrag.

    „Für Russland ist die Situation paradoxerweise vorteilhafter geworden. Zuvor verbarg die amerikanische Seite ihre Verletzungen des Vertrags, Russland aber hat sich strikt an den Vertrag gehalten. Jetzt hat Amerika die Maske fallen lassen und offen seinen Rückzug aus dem INF-Vertrag angekündigt. Somit hat Russland freie Hand bei der Festlegung der strategischen und militärischen Parität. Die russische Führung wird innerhalb des Gesetzes reagieren. Dies wird ein Gleichgewicht der Sicherheit vor allem in Europa aufrechterhalten.“

    Das 1987 unterzeichnete Abkommen verbot atomar bestückbare Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometern. Der Vertrag war der Wendepunkt für die Rüstungskontrolle im Kalten Krieg. Es wurden nicht nur zwei Kategorien nuklearer Trägersysteme komplett eliminiert, sondern auch ihre Startgeräte, Operationsinfrastruktur und Produktionsbasis.

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    Tags:
    Mittelstreckenrakete, Nuklearwaffen, Ausstieg, Atomwaffen, INF-Vertrag, Donald Trump, Ronald Reagan, Michail Gorbatschow, Wladimir Putin, Sowjetunion, UdSSR, USA, Russland