08:51 18 November 2018
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    Air Base Ramstein (Archivbild)

    Werden russische Raketen bald auf US-Stützpunkt in Ramstein gerichtet?

    © Foto: U.S. Army/ Pfc. Emily Houdershieldt
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    Nikolaj Jolkin
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    Der Beschluss der USA, aus dem INF-Vertrag auszusteigen, trifft in erster Linie ihre Verbündeten in Europa, weil dann die 1987 abgezogenen Mittelstreckenraketen dort wieder stationiert werden, erklärte im Sputnik-Gespräch der russische Militärexperte Viktor Litowkin.

    In diesem Fall wird sich Russland gezwungen sehen, seine Raketen auf jene Staaten zu richten, die es den USA erlauben, ihre Pershings und Cruise Missile wieder auf ihrem Boden zu stationieren, betont er.

    „Dies sind aber praktisch alle NATO-Mitgliedsstaaten, die inzwischen ihre Souveränität eingebüßt zu haben scheinen. Also wird jetzt Europa wieder im Visier der russischen Raketen leben. Das betrifft vor allem Deutschland, Frankreich, Großbritannien und vielleicht auch Italien, in denen sich amerikanische Militärstützpunkte befinden. Eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und den Ländern Europas kommt dann vor diesem Hintergrund nicht mehr in Frage.“

    Aus militärischer Sicht war der Vertrag notwendig, um die Gefahr einer gegenseitigen atomaren Vernichtung der beiden Seiten abzuwenden, erläutert der Experte. „Es lag daran, dass die in Europa befindlichen Raketen ihre Ziele in Russland innerhalb von acht bis zehn Minuten erreichen konnten. Die russischen brauchten dazu dieselbe Zeit. Der militärischen Führung der einen wie der anderen Seite wäre keine Zeit für eine wohlerwogene Entscheidung über ihr weiteres Vorgehen geblieben, falls die Raketen aus Versehen irgendwohin abgeflogen wären. Von daher war die Vernichtung von Raketen dieser Klasse damals eine große Errungenschaft. Sie baute die Konfrontation zwischen den beiden Seiten schlagartig ab und festigte zugleich ihr Vertrauen zueinander.“

    Die Kündigung des Vertrags durch die USA kann Russland und andere Länder zur Steigerung des Wettrüstens veranlassen, so Litowkin. „Dies würde ihnen die Wiederherstellung des Kräftegleichgewichts mit den USA ermöglichen, die auf dem Planeten dominieren möchten, während dieser Vertrag sie doch an der Hegemonie hindern würde.“

    Eine vielsagende Koinzidenz: fast genau 30 Jahre nach dem Inkrafttreten des Vertrags zwischen der UdSSR und den USA über Mittel- und Kurzstreckenraketen (INF-Vertrag) verkündet der amerikanische Kongress ein Moratorium seiner Umsetzung und will faktisch die stärker werdende Verbindung zwischen Russland und Europa abbrechen.

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    Tags:
    Mittelstreckenrakete, Atomwaffen, Kriegsgefahr, Ausstieg, Eskalation, INF-Vertrag, U.S. Air Force, Pentagon, NATO, Donald Trump, Michail Gorbatschow, Ronald Reagan, Europa, Ramstein, UdSSR, Sowjetunion, Deutschland, USA, Russland