21:57 18 November 2018
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    Angela Merkel, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Emmanuel Macron treffen sich in Istanbul

    Experte: Vierer-Gipfel zeigt politische Niederlage des Westens

    © Sputnik / Michail Klimentjew
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    Die Teilnahme Frankreichs und Deutschlands am Vierer-Gipfel in Istanbul hat die politische „Überlegenheit“ Russlands in der syrischen Frage bewiesen, meint der Direktor des Jordanischen Zentrums für strategische Studien, Amer Al Sabaileh.

    Das Treffen in der Türkei sei die letzte Gelegenheit für europäische Länder, ihre Position zu Syrien zu ändern, wenn sie weitere Parteien der politischen Regelung und des Wiederaufbaus des Landes werden möchten, sagte Sabaileh im Interview mit Sputnik.

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    „Lasst uns zunächst einverstanden sein, dass heute jeder mit Russland Schritt halten muss, um die Situation in Syrien endgültig zu regeln. Diese Länder (Gipfel-Teilnehmer – Anm. d. Red.) einschließlich der Türkei standen auf verschiedenen Ebenen in der Opposition zur russischen Politik. Jetzt hat sich die Position der Türkei geändert, dann hat man sich der Lösung des Idlib-Problems zugewandt, und zurzeit haben sich zwei wichtige Akteure in der internationalen Arena – Deutschland und Frankreich – mit eingeschaltet. Diese beiden Staaten haben ohne Zweifel gezeigt, dass sie aus dem Szenario der politischen Regelung in Syrien nicht ausgeschlossen sein wollen“, verriet der Experte.

    Sabaileh zufolge braucht Ankara wiederum Frankreich und Deutschland, um im Dialog mit Russland ein Gleichgewicht zu finden, sowohl in Bezug auf die Idlib-Frage als auch in Bezug auf die Zukunft des ganzen Landes.

    Er bezeichnete den Vierer-Gipfel als eine „erweiterte Version“ der Astana-Gespräche über Syrien.

    „Meiner Meinung nach muss jeder am Ende mit der russischen Politik rechnen und daran festhalten. Sie haben am letzten Treffen (in Istanbul) nicht als Sieger teilgenommen, sondern eher als Verlierer, weil sie sich nicht weiter widersetzen können und dazu gezwungen sind, zuzustimmen“, fügte Sabaileh hinzu.

    Damaskus werde im Laufe der Annäherung Russlands mit bestimmten Ländern höchstwahrscheinlich seine Politik gegenüber den Letzteren ändern, erörterte er.

    Die syrische Regierung hat wiederholt erklärt, sie wolle keine Hilfe beim Wiederaufbau des Landes von jenen Staaten bekommen, welche die Terroristen und die bewaffnete Opposition unterstützt hätten.

    „Ich denke, dass die syrische Position gerechtfertigt ist, aber es muss Veränderungen in der Politik geben. Letztendlich ist Politik die Wissenschaft der Veränderungen, nicht der Konstanten. Ich denke, die Syrer werden ihre Vorteile noch einmal analysieren und ihre Position bezüglich der Teilnehmer am Wiederaufbauprozess überdenken“, so Sabaileh.

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    Sabaileh sei überzeugt, dass in Idlib ein begrenzter Militäreinsatz gegen die dort gebliebenen Kämpfer stattfinden werde, denn eine Konfrontation sei seiner Meinung nach die einzig mögliche Entscheidung.

    „Viele von denen, die in Idlib geblieben sind, sind Bürger von Ländern der ehemaligen Sowjetunion, zum Beispiel Tadschiken und Usbeken sowie Tschetschenen. Daher ist es ausgeschlossen, dass Russland mit ihnen interagieren oder ihnen erlauben würde, zu gehen. Ansonsten könnten diese Terroristen die Staatssicherheit Russlands gefährden“, erklärte der Experte.

    Nach Ansicht des Analytikers hat Russland der Türkei einen großen Dienst erwiesen, indem es auf der Grundlage des Sotschi-Vertrags erlaubt habe, die Angehörigen der mit Ankara verbundenen bewaffneten Opposition aus Idlib abzuziehen. So versuche die Türkei, ihren Verpflichtungen nachzukommen, die gemäßigten Kämpfer von den Terroristen abzugrenzen.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der russische Präsident Wladimir Putin, der französische Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten sich am Samstag in Istanbul zum Syrien-Gipfel getroffen. Sie erörterten insbesondere die Situation in der Provinz Idlib und betonten die Notwendigkeit, dort ein Waffenstillstandsregime aufrechtzuerhalten. Sie wiesen auch auf die Bedeutung der Terrorbekämpfung hin und forderten die Bildung einer Verfassungskommission bis Ende des Jahres.

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    Tags:
    Opposition, bewaffnete Konflikte, Kämpfer, Terroristen, Vierer-Gipfel, Angela Merkel, Emmanuel Macron, Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin, Amer Al-Sabaileh, Idlib, Jordanien, Syrien, Deutschland, Frankreich, Türkei, Russland