08:45 16 November 2018
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    Friedrich Merz (CDU) beim Aachener Karnevalverein (Archivbild)

    Friedrich Merz als Merkel-Nachfolger? Die konservative Sehnsucht der CDU

    © AP Photo / Roberto Pfeil
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Ihn hatten viele wohl nicht auf der Rechnung: Der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz will anscheinend im Dezember als CDU-Chef kandidieren. Damit hätte er auch gute Chancen als künftiger Kanzlerkandidat. Merz hatte einst die Debatte um eine deutsche Leitkultur angestoßen. Er gilt als wirtschaftsnah, konservativ und als Transatlantiker.

    Mitten im Umfragetief der Union bringt sich ein alter Widersacher Merkels in Stellung. Nach der Ankündigung der Kanzlerin, auf dem anstehenden Parteitag im Dezember nicht mehr als CDU-Vorsitzende zu kandidieren, taucht plötzlich Friedrich Merz aus der politischen Versenkung auf.

    Seit bald zehn Jahren ist Friedrich Merz aus der Politik verschwunden. Minister war der Sauerländer nie – und auch Fraktionschef der Union nur während der Oppositionsjahre der Ära Schröder. Trotzdem erinnern sich einige Anhänger der Unionsparteien mit Nostalgie an Merz. Denn der 62-Jährige steht für einen Konservatismus, den viele Parteianhänger schon lange vermissen.

    Geheime Gespräche in Brüssel?

    Einiges spricht dafür, dass Merz nach seiner 2009 verkündeten „Polit-Pause“ wieder mitmischen will. Und das womöglich auf höchster Ebene. Wie die „Welt“ berichtet, reiste Merz nach Brüssel, um Gespräche mit EU-Kommissar Günther Oettinger, Brexit-Unterhändler Michel Barnier und 15 unionsnahen deutschen EU-Spitzenbeamten zu führen. Es habe sich um einen „Testlauf“ gehandelt, sagte ein Teilnehmer. Merz wolle erfahren, was man in der EU über die Bundesregierung und Kanzlerin Merkel denke.

    Seit seinem Ausstieg aus der Politik ist Merz in der Wirtschaft tätig, unter anderem als Berater und als Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der „größte unabhängige Vermögensverwalter weltweit“. Merz steht auch dem Netzwerk „Atlantik-Brücke“ vor.

    Unterstützung aus Sachsen …

    Schon seit längerem gibt es Forderungen nach einer Erneuerung der Partei. Auch über einen Abschied Angela Merkels vom Amt als CDU-Chefin war im September öffentlich spekuliert worden. Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer brachte Merz sogar als möglichen Kanzlerkandidaten für die nächste Bundestagswahl ins Spiel. Der hohe Verlust bei der Hessenwahl dürfte diese Debatte innerhalb der Union weiter angefacht haben.

    Merz gilt als Vertreter einer konservativen und wirtschaftsnahen Politik. Auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere prägte er unter anderem den Begriff „Leitkultur“ mit. Er sprach sich außerdem für ein vereinfachtes Steuersystem aus und wollte eine Steuerreform „auf dem Bierdeckel“ entwerfen. Im Jahr 2008 plädierte Merz auch für eine Einschränkung von Sozialleistungen.

    Wer zuletzt lacht …

    Zum Verhängnis wurde ihm, dass CSU-Chef Edmund Stoiber nach der verlorenen Bundestagswahl 2002 Angela Merkel unterstützte und ihr zur Mehrheit für den Fraktionsvorsitz von CDU und CSU verhalf. Merz musste in die zweite Reihe zurück und durfte als Wirtschaftsexperte und Fraktionsvize herhalten. 2004 hatte er genug und trat als Fraktionsvize zurück. Nun könnte er ein fulminantes Comeback als CDU-Chef feiern. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber noch nicht.

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    Tags:
    Bundeskanzler, Landtag, Niederlage, Wahlen, CDU, CSU, Friedrich Merz, Edmund Stoiber, Günther Oettinger, Angela Merkel, Hessen, Deutschland