04:44 15 November 2018
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    Ein Restaurant in Wiesbaden, wo SPD-Unterstützer die Hochrechnung verfolgen.

    Zwischen Pils und Politik: SPD kämpft in Kneipen um verlorene Wähler

    © AFP 2018 / Thomas KIENZLE
    Politik
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    Marcel Joppa
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    In der früheren sozialdemokratischen Hochburg, dem Ruhrgebiet, setzt die SPD auf eine neue Strategie: Um verlorene Wähler zurückzugewinnen, suchen die Genossen in Nordrhein-Westfalen (NRW) das Gespräch mit Kneipenbesuchern. Die Themen: Die Große Koalition in Berlin, Arbeitslosigkeit und Flüchtlinge. Dabei kann es auch schon einmal heiß hergehen …

    Wenn man nebeneinander an der Theke sitzt und das Bier in Strömen fließt, dann können Gespräche auch schon einmal hitzig werden. Diese Erfahrung hat auch der ehemalige NRW-Innenminister und SPD-Politiker Ralf Jäger gemacht. Zusammen mit örtlichen Parteigenossen hatte er in Duisburg zum „Thekengespräch“ eingeladen.

    Endlich mal die Meinung geigen…

    Mit diesem Format wollen die Sozialdemokraten herausfinden, wie ihr einstiges Wahl-Volk heute tickt. Die Ruhrpott-Bürger sollen den SPD-Politikern ordentlich die Meinung geigen, ehrlich und direkt. Das ist das Ziel – genauso ist es in Duisburg gekommen. In der „Moltkeklause“ fanden sich rund 40 Personen ein, schimpften auf die GroKo und SPD-Chefin Andrea Nahles.

    Einer der Gäste nahm sich den Duisburger SPD-Bundestagsabgeordneten Mahmut Özdemir zur Brust, tippt ihm an die rote Krawatte und poltert:

    „Sie reden und reden, sagen aber nichts. Sie haben nicht geliefert.“

    Özdemir kontert, zählt die Erfolge der SPD-Ministerien in Berlin auf: das Kita-Gesetz, Sanktionen für straffällige Firmen und vieles mehr. Doch so richtig scheinen die Kneipengäste nicht überzeugt.

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    Skepsis trifft auf Optimismus…

    Duisburg ist eine Stadt mit einer halben Million Einwohnern, knapp 30.000 davon sind arbeitslos gemeldet. Jäger erklärt, dass es einfach zu wenig staatlich geförderte Stellen gebe. Es sei falsch, die Menschen in Hartz IV hängen zu lassen. Die Reaktion eines Kneipengastes:

    „Wer hat’n das erfunden?“

    Beim Thema Migration kann Jäger wiederum punkten, als er kritisiert, dass die Integrationskraft völlig überfordert sei.

    Keine Alternative für Deutschland …

    Nach rund einer Stunde kommt das Gespräch auf die Alternative für Deutschland (AfD). In manchen Duisburger Bezirken hatte die AfD bei der Bundestagswahl 2017 rund 30 Prozent der Stimmen gewonnen. SPD-Mann Jäger ärgert sich:

    „Und das, obwohl sie weder ein Konzept zur Rente noch zur Arbeitslosigkeit haben. Dafür überhöhen sie die Auswirkungen der Zuwanderung in einer unerträglichen Weise."

    Sein Appell an die Anwesenden: Sich nicht von irgendwelchen Schreihälsen verrückt machen lassen.

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    Eine Aktion mit Potential…

    Die „Thekengespräche“ der SPD sollen in Zukunft fortgesetzt werden. Anstatt nur über die Bürger zu sprechen, ist dies der erfrischende Versuch, auch mal mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Das ist für die Genossen sicher nicht immer angenehm. Aber wie sagte schon Ex-Parteichef Sigmar Gabriel: Die SPD muss dahin gehen, wo es brodelt, riecht und stinkt. Und das kann auch eine Duisburger Eckkneipe sein.

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    Tags:
    Wahl, Kritik, Hartz IV, Migration, AfD, SPD, Andrea Nahles, Deutschland