23:08 12 November 2018
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel

    Der erbitterte Kampf um Merkels Erbe: Diese Politiker könnten die CDU verändern

    © AFP 2018 / Michael Kappeler / dpa
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Wer könnte im Dezember den Vorsitz der CDU übernehmen und sich damit als Kanzlerkandidat in Stellung bringen? Einige Politiker haben ihren Namen bereits ins Spiel gebracht. Aber wer steht wofür? Welche Außen- oder Innenpolitik würde uns mit den bisher genannten Gesichtern erwarten? Und welchen Einfluss hätten sie überhaupt? Hier ein Überblick ...

    Bei einem Wahlparteitag Anfang Dezember will die CDU über den Nachfolger von Angela Merkel an der Parteispitze entscheiden. Die Kanzlerin hatte angekündigt, nicht wieder anzutreten und nach der aktuellen Legislaturperiode aus der aktiven Politik auszuscheiden. Nun hat der interne Kampf um die Nachfolge begonnen. Diese Namen wurden bisher genannt:

    Fazit:

    Friedrich Merz wäre wohl der konservativste CDU-Vorsitzende seit langem. Seine Einstellung in der Flüchtlingsfrage und sein neoliberaler Kurs könnten Wähler von der AfD zurück zur Union ziehen. Eine Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Merkel wäre allerdings schwierig, und auch der Koalitionspartner SPD dürfte rebellieren. Außenpolitisch könnte der US-freundliche Merz auf Konfrontation mit Russland gehen. Unsicher ist, ob der lange von der politischen Bühne verschwundene CDUler in der eigenen Partei genug Unterstützer für das Spitzenamt findet. 

    Fazit:

    Annegret Kramp-Karrenbauer würde als Parteichefin im Großen und Ganzen den Kurs von Angela Merkel fortführen. Die Saarländerin ist in der eigenen Partei bestens vernetzt und genießt hohes Ansehen – auch weil sie den Posten der Ministerpräsidentin für ihr Engagement als Generalsekretärin abgegeben hatte. Merkel-Kritiker wären allerdings kaum zufriedengestellt – es sei denn, „AKK“ tritt aus dem Schatten Merkels und entwickelt andere politische Visionen und Ziele. Kramp-Karrenbauers Wahl zur Vorsitzenden hängt auch von den möglichen Gegenkandidaten ab. Schlecht stehen ihre Chancen nicht. 

    Fazit:

    Jens Spahn ist eigentlich zu unerfahren für einen Parteivorsitz. Von seinem Amt als Gesundheitsminister müsste er wohl zurücktreten, sollte er die CDU-Führung übernehmen. Denn als Minister wäre er an die Weisungen der Kanzlerin gebunden, was ihm als Parteivorsitzendem wenig Spielraum ließe. Sollten Spahn und Merz gleichermaßen antreten, dürfte der Polit-Profi Merz bei dem konservativen Flügel der CDU bessere Chancen haben. Genug Selbstvertrauen hätte der ehrgeizige Spahn für den Karrieresprung. Ob er aber auch genug Rückhalt in seiner Partei hat, ist ungewiss. 

    Fazit:

    Armin Laschet hatte eigentlich erklärt, er wolle doch nicht als Parteivorsitzender kandidieren. Sollte sich sein CDU-Landesverband in NRW – der immerhin ein Drittel aller Delegierten auf dem Wahlparteitag im Dezember stellen wird – für ihn entscheiden, würde er nicht nein sagen. Bislang hatte sich Laschet nur als Mediator ins Gespräch gebracht, der mit allen Kandidaten und Interessensvertretern seiner Partei sprechen wolle, um dann mit seinem Landesverband eine Empfehlung abzugeben. Wählbar wäre der liberale NRW-Ministerpräsident für viele in seiner Partei – aber eher als Notlösung.

    Fazit:

    Wolfgang Schäuble wäre sicher nur eine Übergangslösung, bis die Partei einen geeigneten Kandidaten für Vorsitz und Kanzleramt gefunden hätte. Der Bundestagspräsident genießt quer durch alle Parteien großen Respekt. Er ist eines der wenigen Parteimitglieder, die Angela Merkel unverblümt die Richtung aufweisen könnten. Doch für den 76-jährigen ist es die wohl letzte Legislaturperiode. Er würde nur dann den Vorsitz übernehmen, wenn sich die CDU am Wahlparteitag auf keinen einzigen Vorsitzenden einigen kann. Dann könnte er eventuell ein letztes Mal in seiner Karriere für Merkel äußerst hilfreich sein.

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    Tags:
    Erbe, Kanzleramt, CDU, Friedrich Merz, Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer, Armin Laschet, Wolfgang Schäuble, Angela Merkel, Deutschland