06:55 20 November 2018
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    Gerhard Schröder (Archiv)

    Schröders späte Rache: „Ende von Merkels Kanzlerschaft“

    © AP Photo / Markus Schreiber
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Als Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2004 den Parteivorsitz der SPD an Franz Müntefering abgab, kündigte Angela Merkel das baldige Ende der rot-grünen Regierung an. Sie sollte Recht behalten, gut ein Jahr später gab es Neuwahlen. Jetzt dreht Schröder den Spieß um: Seine Zeit für eine späte Revanche ist gekommen.

    Es ist knapp 15 Jahre her und dennoch dürfte Gerhard Schröder die einstigen Worte Merkels nicht vergessen haben. Damals orakelte die CDU-Vorsitzende nach Schröders Rückzug vom SPD-Parteivorsitz, das sei der Anfang vom Ende von Rot-Grün, der Anfang vom Ende von Kanzler Schröder. Und tatsächlich: Ein Jahr später endete die Ära Schröder. Nach einer verlorenen Vertrauensfrage im Bundestag wurde Rot-Grün schließlich von einer Großen Koalition unter Kanzlerin Merkel abgelöst.

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    Rache wird am besten kalt serviert…

    Doch nun scheint die späte Gelegenheit gekommen, sich an Angela Merkel zu rächen. Bei einer Festveranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gab Schröder Auskunft über eine ganze Reihe von Themen – so auch zum kommenden CDU-Parteitag und der Ankündigung Merkels, nicht erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren:

    "In jedem Fall wird es so sein, dass mit dieser Entscheidung das Ende der Kanzlerschaft von Frau Merkel — wann auch immer — eingeleitet worden ist."

    Darüber hinaus empfiehlt Schröder der aus seiner Sicht geschwächten Kanzlerin, im Bundestag die Vertrauensfrage zu stellen.

    Der Zenit ist überschritten…

    Merkel hatte ihren Schritt, Kanzlerschaft und Parteivorsitz nun doch zu trennen, als ein "Wagnis" bezeichnet. Damit sieht Schröder seine damalige Nachfolgerin geschwächt, auch auf europäischer Ebene:

    "Die Kanzlerin hat ihre Verdienste, aber die Reform Europas traue ich ihr nicht mehr zu. Man weiß ja auch nicht, wie lange sie noch im Amt ist. Merkel hat ihren Zenit überschritten."

    Merkel hatte angekündigt, zwar bei der Bundestagswahl 2021 nicht wieder anzutreten, bis dahin aber die komplette Legislaturperiode als Kanzlerin zur Verfügung zu stehen.

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    Merz statt Merkel

    Laut dem Altkanzler habe Friedrich Merz die besten Chancen für den CDU-Parteivorsitz, wenngleich er die Kandidatur des rückwärtsgewandten Konservativen kritisch sehe. Schröder rechne mit Neuwahlen spätestens im Frühsommer kommenden Jahres:

    „Merz wird kaum die besonderen Loyalitäten übrig haben, die erforderlich sind, damit Merkels Vorstellung von einer Fortführung ihrer Kanzlerschaft unter einem anderen CDU-Vorsitzenden klappt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass — naja — meine Partei alles aushalten kann."

    Mit anderen Worten: Eine große Koalition unter einem Kanzler Friedrich Merz würde laut Schröder innerhalb der SPD keine Unterstützung erfahren.

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    Tags:
    GroKo, CDU, SPD, Friedrich Merz, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Deutschland