10:52 19 November 2018
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    Iranischer Öltanker im Persischen Golf (Archivfoto)

    „Autorität schwindet“: Professor zu Sanktions-Ausnahmen der USA

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    Politik
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    Die großangekündigten US-Sanktionen gegen den Iran, die das unliebsame Regime „aushungern“ lassen sollen, sind jüngst in Kraft getreten. Washington ließ für einige Staaten jedoch Ausnahmen zu – allerdings nur zeitweise. Das ist ein Zeichen, dass die einstige Autorität der USA schwindet, meint ein iranischer Professor.

    Acht Staaten werden von den Sanktionen zeitweise ausgenommen: China, Indien, Griechenland, Taiwan, Italien, Japan, die Türkei und Südkorea. Dies verfolgt laut Außenminister Mike Pompeo den Zweck, einen gut versorgten Ölmarkt zu gewährleisten.

    Mohammad Marandi, Professor für englische Literatur und Orientalismus an der Universität von Teheran, kommentierte die Situation in einem Interview für Radio Sputnik. Das politische Establishment in Washington müsse einsehen, so Marandi, dass es im Moment nicht mehr so einflussreich wie früher sei.

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    „Das politische Establishment der USA begreift nicht, dass sich so vieles in den letzten Jahrzehnten geändert hat, besonders seit dem 11. September 2001, und die Vereinigten Staaten besitzen nicht die Art Autorität, die sie einst hatten“, sagte der Professor.

    Washington habe zudem im Laufe des sogenannten „Krieges gegen den Terror“ viele Länder zerstört: „Die Einstellung gegenüber den USA in der Region ist die der Verachtung. Die Iraner lehnen nicht nur Trump und seine Administration ab, sondern sie entwickeln auch eine Abneigung gegenüber den USA, weil sie sehen, dass er vom Volk zum Präsidenten dieses Landes gewählt wurde.“

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor harte Kritik an den US-Sanktionen gegen Teheran geäußert: Diese hätten eine „Destabilisierung der Welt“ zum Ziel.

    „Die US-Sanktionen gegen den Iran sind falsch“, so der türkische Staatschef zu Reportern. „Wir wollen nicht in einer imperialistischen Welt leben.“

    Die Entscheidung der USA, Ausnahmen für die Türkei und andere Verbündeten zu machen, legt laut Marandi die Vermutung nahe, dass die USA einfach nicht mehr in der Lage seien, den Iran am Erdöl-Export zu hindern.

    „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir nicht mehr in einer unipolaren Welt leben. Das ist eine multipolare Welt, obwohl die USA immer noch der stärkste Staat in der internationalen Gemeinschaft sind.“

    Am 5. November warem die US-Sanktionen gegen den Iran, die vor der Wiener Nuklearvereinbarung über das iranische Atomprogramm (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) vom 14. Juli 2015 galten, erneut verhängt worden.

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    Tags:
    Handel, Erdöl, Sanktionen, Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Iran, USA