06:04 19 November 2018
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    Französischer Historiker: Russland hat die Welt im 20. Jahrhundert zweimal gerettet

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Politik
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    Der französische Historiker Édouard Husson hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron scharf kritisiert, der im Vorfeld der Feier zum 100. Jahrestag des Weltkriegsendes 1918 „Russland zum Feind erklärt“ habe. Denn dieses Land hat laut Husson die ganze Welt im 20. Jahrhundert gleich zweimal gerettet.

    Den entsprechenden Gastbeitrag von Husson hat das rechte französische Nachrichtenportal „Atlantico“ veröffentlicht. Vor Kurzem hatte Macron dazu aufgerufen, „eine wahre europäische Armee“ gegen Russland, China und die USA zu bilden. Diese Äußerung sei in Verdun erklungen, also dem Ort, wo sich eine der blutigsten Schlacht des Ersten Weltkrieges ereignet hatte, so Husson. Dabei hätte die französische Regierung versprochen, dass alle Aktionen, die mit dem Jubiläum des Weltkriegsendes verbunden sind, im Zeichen des Frieden stehen würden. 

    Laut Husson „verblüfft“ ihn die Wahl des Zeitpunktes und des Ortes, wo Russland zum Feind erklärt worden sei. Zumal der russische Präsident Wladimir Putin in wenigen Tagen nach Paris kommen würde. 

    Wie auch immer die Beanstandungen in Bezug auf Russland aussähen, müsse sich die Welt daran erinnern, was die Länder vereinigt. Zumal die russische Armee angesichts ihres „heldenhaften Kampfes und der großen Verluste“ im Herbst 1918 Achtung verdient habe, weil es ohne diesen Umstand keinen Sieg über Deutschland gegeben hätte.

    „Ob es nicht an der Zeit ist, den 1,8 Millionen gefallenen russischen Soldaten Tribut zu zollen?“, fragt sich Husson. Dabei schlägt er vor, die Politik beiseite zu schieben und sich an das Volk und das Land zu erinnern, das im 20. Jahrhundert die ganze Welt zweimal gerettet hat.

    Der Historiker erinnert daran, dass Russland „bei der Verteidigung der Freiheit Europas“ während des Ersten Weltkrieges fünf Millionen Menschen und mehr als 27 Millionen Menschen während des Zweiten Weltkrieges verloren hatte.

    Dabei habe kein deutscher Kanzler einen Versöhnungsschritt gegenüber Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion unternommen, wobei Frankreich und Deutschland dies gegenseitig bei den anlässlich des Krieges veranstalteten Aktionen mehrfach getan hätten. 

    Zudem verstehe Macron nicht, worauf er sich einlasse, wenn er ein unabhängiges  Sicherheitssystem in Europa schaffen will, schreibt der französische Historiker.

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    „Wie kann man ohne Zustimmung vonseiten Russlands die Ausbalancierung zwischen den Kontinenten Europa und Asien ernsthaft  besprechen? Wie kann man im Jahr 2018 in vollem Ernst beabsichtigen, den Islamismus  und seine Milizen ohne enge Zusammenarbeit mit Moskau zu besiegen?“, fragt sich Husson.

    Seines Erachtens müsse man, wenn Europa sich eine friedliche Zukunft wünsche, mit aller Kraft der Idee der „europäischen Verteidigung“ widerstehen, die sowohl gegen die USA als auch gegen Russland gerichtet sei.

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    Tags:
    der Erste Weltkrieg, der Zweite Weltkrieg, Emmanuel Macron, Europa, Deutschland, USA, Russland