10:25 11 Dezember 2018
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    Ein kleiner Fan der spanischen Nationalmannschaft beim WM-Fußballspiel in Südafrika (Archivbild)

    „Sport zur Geisel der Politik geworden“ – IOC im Konflikt mit Spanien wegen Kosovo

    © Sputnik / Grigorij Syssojew
    Politik
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    Ilona Pfeffer
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    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat internationale Sportverbände dazu aufgefordert, keine Großveranstaltungen mehr an Spanien zu vergeben. Zuvor hatte Spanien bei der Karate-WM in Madrid Sportler aus dem Kosovo nicht unter ihrer Flagge antreten lassen. Das berichtet das Sportpolitik-Portal insidethegames.biz.

    Statt der kosovarischen Flagge wurden die Athleten aus dem Kosovo auf den Anzeigetafeln unter WKF (World Karate Federation) geführt. Spanien gehört neben der Slowakei, Rumänien, Griechenland und Zypern zu den Ländern, die Kosovo, das im Februar 2018 den zehnten Jahrestag seiner Unabhängigkeit feierte,  nicht vollständig anerkennen. Das Zeigen der kosovarischen Flagge hätte für das Ausrichterland Spanien möglicherweise bedeuten können, dass auch separatistische Bestrebungen im Baskenland und in Katalonien neuen Auftrieb bekommen hätten.

    Als Konsequenz aus dem Umgang Spaniens mit den kosovarischen Athleten bei der Karate-WM die Sportverbände anzumahnen, keine sportlichen Großveranstaltungen mehr an Spanien zu vergeben, hält der ehemalige Sportdirektor des IOC, Walther Tröger, für regelkonform. In dem Moment, wo ein Teilnehmerland gegen die Behandlung seitens des Ausrichters klage, müsse sich das IOC damit auseinandersetzen.

    „Hier ist es eben zum Eklat gekommen und dieser Eklat ruft auch zu Recht das IOC auf den Plan. Jetzt werden Verhandlungen stattfinden müssen, zu denen sich die Spanier äußern, vor allem auch das spanische NOK. Von dem ist bisher überhaupt nicht die Rede gewesen. Sicher ist, dass in den Regeln des IOC, die dann auch von den internationalen olympischen Verbänden akzeptiert werden, steht, dass jedes Land, das dem IOC angeschlossen ist und über einen NOK verfügt, auch das Recht hat, wie man bei internationalen Wettkämpfen auftritt. Dazu gehören eben die Embleme und Darstellungen der Nation. Das Kosovo ist anerkannt und hat auch dieses Recht.“

    Auch wenn das IOC damit versuche, unangenehme Zusammenstöße und Sicherheitsprobleme zu verhindern, spiele hier viel Politik in den Sport mit rein, die der Weltsport nicht brauche, sagt hingegen Alexej Osin, Sportjournalist von „Echo Moskwy“.

    „In diesem Fall ist der internationale Sport zur Geisel der Politik geworden, da die EU und die UN keine eindeutige Entscheidung bezüglich des Kosovo getroffen hatten. Diese Entscheidung hat die Welt in zwei Lager geteilt – diejenigen, die Kosovo anerkennen, und diejenigen, die es nicht tun. Die Kosovo-Entscheidung wurde politisch aufgedrängt, doch sie sportlich aufzudrängen ist unmöglich. Diese Sache ist immerhin freiwillig. Daraus entsteht eine Situation, in der man lieber keine Wettbewerbe im Kosovo durchführen und keine kosovarischen Athleten in andere Länder lassen sollte als Konfliktsituationen zu provozieren. Das braucht der Weltsport nicht.“

    Auch aus Sicht des russischen Sportagenten Andrej Mitjkow spielt im gegenwärtigen Konflikt die Politik eine große Rolle. Es sei jedoch im internationalen Sportbetrieb inzwischen normal, dass das IOC die Regeln diktiere.

    „Als wichtigste Organisation im internationalen Sport kann das IOC seine Bedingungen diktieren. Das ist eine völlig normale Situation und das muss man verstehen. Und wenn Spanien die politische Entscheidung getroffen hat, den kosovarischen Sportlern nicht zu erlauben, unter ihrer Flagge anzutreten, muss es verstehen, dass es eine Antwort darauf geben wird. Wenn eine internationale Organisation Wettbewerbe in irgendeinem Land durchführt, dann ist das schon nicht mehr das Territorium dieses Landes, sondern das Territorium der internationalen Föderation. Entsprechend müssen die Gesetze dieser Föderation höher stehen als die Gesetze des Landes.“

    Sportfunktionär und Olympia-Urgestein Walther Tröger kennt ähnliche Fälle aus seiner langen Erfahrung.

    „Da gibt es sehr viele Fälle. Zum Beispiel gibt es die Frage, dass im Iran Frauen nicht auf Wettkämpfe gehen dürfen, und viele andere Dinge mehr. Dann müssen die Spanier eben darauf verzichten, solche Veranstaltungen in ihrem Land auszurichten.“

    Oft gelinge es aber, schon im Vorfeld der Veranstaltungen derartige Probleme auszuräumen. Tröger glaubt, die internationalen Verbände werden sich auch im aktuellen Fall an die Aufforderung des IOC halten und entweder keine Wettbewerbe mehr an Spanien vergeben oder von dem Land verlangen, dass es eine politische Erklärung abgibt, dass es für teilnehmende Athleten keine Einschränkungen mehr geben wird. Sollten sich einzelne Verbände jedoch nicht daran halten, könnte das IOC sie empfindlich abstrafen:

    „Es kann den Verband dann sogar davon ausschließen, mit seiner Sportart an den Olympischen Spielen beteiligt zu sein. Das wäre natürlich eine sehr krasse Entscheidung, aber für meine Begriffe legitim.“

    Das Interview mit Walther Tröger zum Nachhören:

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    Tags:
    Sanktionen, Verbot, Sportler, Anerkennung, Jugoslawienkrieg, EU, IOC, Walther Tröger, Thomas Bach, Europa, Kosovo, Serbien, Spanien