12:52 14 Dezember 2018
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    Angela Merkel beim Treffen mit der Basketballmannschaft in Chemnitz

    "Wir sind wütend: Wieso erst jetzt?": Merkel in Chemnitz - SPUTNIK EXKLUSIV

    © REUTERS / Matthias Rietschel
    Politik
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    Alexander Boos
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht am Freitag Chemnitz zu mehreren Terminen. Die sächsische Industriestadt sorgt seit Sommer für - meist negative - Schlagzeilen. Bereits im September kündigte die scheidende CDU-Chefin einen Besuch an. Warum der erst jetzt kommt, lässt die Kanzlerin offen. Sputnik ist vor Ort.

    Ein mutmaßlicher Mord, Trauermärsche, angebliche Menschenjagden am Tag nach der Tat, die wohl keine waren, rechte Aufmärsche, linke Rock-Konzerte: In Chemnitz war in letzter Zeit viel los. Doch: Wo blieb bisher die Kanzlerin, Angela Merkel (CDU)?

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    Die Antwort: Jetzt ist sie da. Am Freitag besucht Merkel auf Einladung von Barbara Ludwig (SPD), der Oberbürgermeisterin von Chemnitz, die Stadt.

    "Frau Ludwig ist total wütend auf Merkel", offenbarte ein Chemnitzer Taxifahrer gegenüber Sputnik am Freitagvormittag, während er durch die Stadt brauste, die voller Polizei und Medienvertretern war.

    Anti-Merkel-Proteste angekündigt

    Laut Angaben des Bundespresseamtes haben sich "mehrere Proteste" in der Stadt angekündigt.

    In Chemnitz "wollen auch die Merkel-Gegner aufmarschieren. Inklusive neuer Pfeifkonzerte gegen die Kanzlerin." Das berichtet der "Spiegel".

    Der Münchner "Merkur" notiert dazu:

    "Rund 1.000 Polizisten sind im Einsatz. Die sächsische Polizei bekommt unter anderem Unterstützung aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Bremen sowie von der Bundespolizei."

    Merkel beim Basketball: Kanzlerin besucht Chemnitzer Zweitligist

    Sportlicher Auftakt bei strahlend-blauem Himmel in Chemnitz: Merkel besuchte am frühen Freitgnachmittag Trainings-Einheiten von Nachwuchsteams des Basketball-Zweitligisten "99ers" ("NINERS") in Chemnitz. Sputnik war dabei.

    Die Richard-Hartmann-Halle, die Heimstätte der Chemnitzer Basketballer, war sehr gut gefüllt — die Sportler trainierten, die Pressevertreter warteten — als die Kanzlerin Angela Merkel bedächtig mit einem großen Tross die Sporthalle betrat. Mit dabei: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Oberbürgermeisterin Ludwig. Die deutsche Regierungschefin unterhielt sich zunächst mit Offiziellen des Chemnitzer Basketball-Vereins und schüttelte danach jedem einzelnen Basketballer die Hand. Diese warfen die Körbe besonders motiviert.

    Vertrauliche Worte der Kanzlerin

    Kanzlerin Merkel gab eine Team-Besprechung der politischen Art.

    Dabei richtete sie vertrauliche Worte an die Nachwuchs-Sportler sowie an Offizielle des Chemnitzer Basketball-Clubs. Sprich: Die anwesenden Medienleute verstanden kein gesprochenes Wort der noch CDU-Chefin, die relativ weit weg auf dem Spielfeld war. "Das soll auch so sein, das war ein reiner Bild-Termin", stellte eine Pressebeauftragte der "Niners" auf Sputnik-Anfrage vor Ort klar.

    Große Fragerunde mit Chemnitzer Bürgern — Proteste angekündigt

    Merkel stellt sich den Bürgern: Ab 16 Uhr wird die Kanzlerin am Freitag mit Lesern der Tageszeitung "Freie Presse", der größten Chemnitzer Zeitung, in einer großen Fragerunde zusammentreffen. Das Medienhaus hatte bereits vor Wochen zu einer offenen Gesprächs-Runde mit der Kanzlerin eingeladen. An dem Treffen nehmen zahlreiche Bürger, der sächsische Ministerpräsident Kretschmer und Ludwig teil. "Merkel wird fünf Stunden in Chemnitz sein", teilte eine Sprecherin der Chemnitzer Bürgermeisterin vor wenigen Tagen mit.

    Chemnitzer Bürgermeisterin kritisiert Kanzlerin

    SPD-Politikerin Ludwig, das Chemnitzer Stadtoberhaupt, kritisierte jüngst öffentlich den "zu späten" Zeitpunkt des Merkel-Besuches im Erzgebirge:

    "Ich hätte es besser gefunden, wenn sich die Bundeskanzlerin unmittelbar nach den Ereignissen vom August ein Bild vor Ort gemacht hätte, im Gespräch mit den Chemnitzern", sagte Oberbürgermeisterin Ludwig (SPD) in einem aktuellen Interview der "Süddeutschen Zeitung". "Auch um Sicherheit zu gewinnen, was tatsächlich passiert ist. Schließich haben diese Ereignisse und deren Interpretation fast die Bundesregierung zum Scheitern gebracht. Ich hatte Frau Merkel bereits im September zu einem Bürgerdialog zum Thema Zuwanderung eingeladen. Jetzt, mit Abstand von knapp drei Monaten, ist die Frage, welches Ziel sie verfolgt."

    Angela Merkel beim Treffen mit der Basketballmannschaft in Chemnitz
    © Sputnik / Alexander Boos
    Angela Merkel beim Treffen mit der Basketballmannschaft in Chemnitz

    Warum Merkel erst Monate nach den dortigen Vorfällen nach Sachsen reist, ist bis heute — zumindest von offizieller Berliner Regierungsseite — immer noch unklar.

    Von Ende August bis Mitte September brodelte es in Chemnitz nach dem mutmaßlichen Mord an dem jungen Chemnitzer Daniel H. durch Asylbewerber. Aus spontan organisierten Trauerkundgebungen wurden angebliche "rechte Ausschreitungen" — und dann wieder doch nicht. Ein Beamter aus der sächsischen Justiz ließ einen Haftbefehl — also Interna — an die Medien durchsickern. Und der frühere Chef des deutschen Inlands-Geheimdienstes, dem Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, stolperte über seine öffentlichen Aussagen zu den Vorfällen in der früheren Karl-Marx-Stadt.

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    Tags:
    Bundeskanzlerin, Mannschaft, Messerstecherei, Besuch, Unzufriedenheit, Mord, Flüchtlingskrise, Basketball, Proteste, CDU, Bundesregierung, Angela Merkel, Chemnitz, Sachsen, Deutschland