04:55 18 Februar 2019
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    VIDEO „Anne Will“ – Langweiliger Merz macht Bühne frei für angriffslustige Schwesig

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    Andreas Peter
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    Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat in der Fernsehsendung „Anne Will“ einen für ihn ungewohnt schwachen Auftritt gehabt. Dafür verblüffte die SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, mit einem für sie ungewohnt souveränen Auftritt. Für Merz wenig hilfreich in seinem Bemühen, neuer CDU-Vorsitzender zu werden.

    Wenn eine SPD-Ministerpräsidentin, die bislang nicht unbedingt für schlagfertige Eloquenz bekannt geworden ist und eine grüne Parteivorsitzende, die zur Abwechslung auch mal mit wenigen Worten viel sagte, einem Politprofi wie Friedrich Merz die Schau stehlen können und ihn zusammen mit der Gastgeberin in argumentative Bedrängnis bringen, dann hätte schon nach wenigen Minuten eine Alarmleuchte in seinem Kopf angehen müssen.

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    Ungewohnt unsouveräner Auftritt von Merz

    Doch diese Leuchte hatte an diesem Abend wohl einen Wackelkontakt, weshalb sich Merz zwei Drittel der Sendung in der Defensive wiederfand. Aber diese Nachlässigkeit sollte er sich nicht zu oft leisten, denn bedauerlicherweise leistete er sie sich bei Anne Will ausgerechnet in den Momenten, in denen es um den Vertrauensverlust in den neuen Bundesländern gegenüber Politik, Staat und Demokratie und seinen Anspruch ging, als millionenschwerer Manager zur gehobenen Mittelschicht gehören zu wollen. Hier lief Manuela Schwesig zu einer Form auf, wie man sie so von ihr eigentlich nicht so häufig erlebt.

    Ungewohnt redegewandter Auftritt von Schwesig

    Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern wiederholte zwar – für sie typisch —  thematisch immer wieder bereits Gesagtes, wirkte dabei aber diesmal wesentlich souveräner, lockerer, schlagfertiger, cleverer als sonst. Etwa, als Friedrich Merz eher beleidigt, denn überzeugend wirkte, als er sich gegen das Image des neoliberalen Finanzmanagers wehrte und seine Zugehörigkeit zur gehobenen Mittelschicht verteidigte, gelang es der ehemaligen Steuerfahnderin Schwesig ihm kurz und knackig mitzuteilen, dass sie von Neiddebatten nichts halte. Aber er könne nicht ernsthaft annehmen, mit seinem Einkommen und zwei Privatflugzeugen als gehobene Mittelschicht zu gelten. Um dann sehr geschickt ihn in Haftung für die Tatsache zu nehmen, dass viele Bürger nicht mehr daran glauben würden, dass es in dieser Republik noch mit Anstand, Ordnung und gerecht zugehe:

    „Ich habe es miterlebt, wie die Großen es immer schaffen, unter Beteiligung der Banken, sich tolle Konzepte auszudenken und Millionen, Milliarden Steuern hinterzogen werden, wo der kleine Arbeitnehmer 70 Kilometer jeden Tag pendelt und das Finanzamt ihn fragt, waren es wirklich 70 oder waren es nicht vielleicht 65, und das ist ein echtes Problem.“

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    Merz läuft sich bei Anne Will erst spät warm

    Zu Recht verwahrte sich Merz bei Schwesig für die leichtfertig hingeworfene Unterstellung, er habe in den zurückliegenden Jahren, so wörtlich, Kasse gemacht. Erst als es in der letzten Viertelstunde um die Frage ging, was er denn anders machen würde, sollte er neuer CDU-Chef werden, eierte Merz zunächst noch etwas herum, um dann aber seinen Trumpf auszuspielen, dass er im Moment noch kein wirklich aktiver Politiker sei. Weshalb er der aktiven Politikerin, Manuela Schwesig, die ihn gerade wegen angeblicher oder tatsächlicher Blockade in der Großen Koalition angriff, ziemlich entspannt und genüsslich unter die Nase rieb, dass sie sich gerade am Falschen abarbeite:

    „Nun müssen sie mit mir nicht die Konflikte der Großen Koalition austragen, mit denen ich nun wirklich gar nichts zu tun habe.“

    Gleiches Szenario beim Thema dringende Infrastrukturinvestitionen, wie etwa den Ausbau des Breitbandinternets im gesamten Bundesgebiet. Merz konnte auch hier mit einiger Berechtigung darauf verweisen, dass nicht er im Moment an den Hebeln der politischen Macht sitze. Wenn es beispielsweise darum gehe, zu verhindern, dass wie beim 4G-Netz der Bund nur auf die Einnahmen schaue und am Ende feststellen muss, dass kapitalistisch denkende und handelnde Unternehmen im nicht lukrativen ländlichen Raum eben auch nicht investieren, wenn ein starker Staat sie nicht dazu zwingt:

    „Das können sie bei der Vergabe der 5G-Lizenzen jetzt machen, so, also bitte, wenn sie in der Koalition dafür eine Mehrheit haben, und wenn ich es richtig sehe, ist der Bundesfinanzminister sogar wesentlich zuständig, weil er unter anderem auch im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom vertreten ist als Ministerium. Dann machen sie’s. Ich habe nichts dagegen. Auf geht’s!“

    Erst jetzt schien Friedrich Merz seine Betriebstemperatur erreicht zu haben. Dumm für ihn, dass die Sendezeit da schon wieder vorbei war.

    Tags:
    TV-Show, Auftritt, Friedrich Merz, Manuela Schwesig, Deutschland
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