09:44 11 Dezember 2018
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    Die Angst vor der Apokalypse: Welche Zeichen deuten den Dritten Weltkrieg an?

    © AFP 2018 / Brendan Smialowski
    Politik
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    Immer wieder tauchen Horrorszenarien in den Medien auf: Bald schon werde die Menschheit in einem globalen Krieg durch den Fleischwolf gedreht. Es gibt aber auch Experten, die vorsichtiger bei Kriegsprognosen sind. Schließlich müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen, damit ein Weltkrieg ausbricht, schreibt Alexej Leonkow für das Portal „Swesda“.

    Die Türkei schießt ein russisches Flugzeug ab: Ist das der Startschuss für den Dritten Weltkrieg? Nordkorea testet eine Atombombe, die USA schicken Flugzeugträger in die Region: Wird die Welt jetzt brennen? In Großbritannien erleidet ein Doppelagent eine Vergiftung: Erklärt London Moskau den Krieg?

    Solcherart Überschriften prasseln, wenn nicht täglich, so doch wöchentlich auf den normalen Bürger ein. Um da die Nerven nicht zu verlieren, hilft eine Kurzanalyse, ob die Voraussetzungen für einen Weltkrieg momentan wirklich gegeben sind, schreibt der Militärexperte Leonkow.

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    Wie mächtig ein Staat auch sein mag, ein Weltkrieg ist eine enorme Belastung für dessen Menschen, dessen Wirtschaft und Politik. „Schnelle siegreiche Interventionen“ und allerhand „Blitzkriege“ haben die Eigenschaft, sich zu langwierigen zermürbenden Konflikten zu entwickeln. Es ist ja ein Axiom, dass ein Krieg zwar einfach anzufangen, aber schwer zu beenden ist.

    Wie sehr eine Staatsführung auch glaubt, für einen Krieg gerüstet zu sein, die Erfahrungen der letzten beiden Weltkriege zeigen: Nur wenige Monate nach Kriegsbeginn sind die Waffendepots und die Munitionsvorräte verbraucht – die Wirtschaft muss kurzfristig auf Kriegsmodus umgestellt werden.

    Die Länder, die dabei auf eigene Rohstoffe zurückgreifen können – im Zweiten Weltkrieg waren es die Sowjetunion und die USA – sind dabei natürlich im Vorteil. Deutschland und Japan hatten schon 1943 Schwierigkeiten mit der Rohstoffversorgung, was sich proportional auf ihre kriegswichtige Industrie auswirkte.

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    Deshalb ist die erste Voraussetzung – und das erste Anzeichen – eines anstehenden Krieges die großflächige Umstellung der Industrie auf die Herstellung von Rüstungsgütern sowie Bestellungen von Technik und Material über den gegenwärtigen Bedarf der Streitkräfte hinaus.

    Darauf folgt die Konzentration von Truppen an Landesgrenzen. Begleitet wird die Truppenanhäufung an den Grenzen durch die Verstärkung von Nachschublagern im Landesinneren.

    Derart massive Truppenbewegungen und —ansammlungen werden den Geheimdiensten des Gegners natürlich nicht entgehen. Dieses deutliche Signal einer Kriegsvorbereitung würde von der Gegenseite von der ersten Stunde an wahrgenommen.

    Gegenmaßnahmen würden ergriffen: Truppen würden landesweit in höchste Gefechtsbereitschaft versetzt, Reservisten würden mobilisiert, Nachschub an Personal und Material würde vorbereitet werden.

    Was in den USA und in den Ländern Europas derzeit zu beobachten ist, zeugt aber eher vom Gegenteil: In den Streitkräften fehlen reihenweise junge Männer im Alter von 25 bis 35 – die kampfstärkste Altersgruppe im Kriegsfall. Die Regierungen dieser Länder sind gezwungen, junge Migranten für die Armee zu rekrutieren, die im Gegenzug für bestimmte Privilegien bereit sind, die Interessen der Nato zu verteidigen. 

    In Großbritannien etwa gibt es nur zwei Heeresverbände, die keinen Personalmangel haben: die sog. Gurkha-Bataillone, zwei aus nepalesischen Soldaten bestehende Einheiten. Den restlichen 27 britischen Heeresbataillonen fehlen zwischen 10 und 55 Prozent der notwendigen Kräfte.

    US-Panzersoldaten beim Nato-Manöver Trident Juncture in Norwegen
    © AFP 2018 / Jonathan Nackstrand

    Bei den US-Streitkräften bestehen über 37 Prozent der einfachen Soldaten und Unteroffiziere aus asiatischen und lateinamerikanischen Migranten, denen für treue Armeedienste eine US-Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt wurde.

    Was die Pentagon-Strategen von diesem Umstand halten, sei dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass diese Soldaten häufig aus den ärmsten Bevölkerungsschichten stammen, schlecht oder gar nicht ausgebildet sind, psychische Erkrankungen oder eine kriminelle Vergangenheit aufweisen.

    Deshalb muss die Frage gestellt werden, wie und womit die Vereinigten Staaten und ihre Nato-Partner im Falle eines Weltkriegs kämpfen wollen. Mit Lenkraketen? Kernwaffen? Oder mit der schieren Soldatenmasse aller Nato-Verbündeten zusammen?

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    In der Tat setzen die Vereinigten Staaten und Co. auf die Feuerkraft ihrer modernen Waffen: Marschflugkörper, Kampfflugzeuge, Atombomben. Im Ernstfall ginge es darum, die „Taktik der verbrannten Erde“ umzusetzen, also durch Flächenangriffe so viele gegnerische Kräfte wie möglich zu vernichten, damit die Bodentruppen nur noch die kläglichen Überreste erledigen müssen.

    Dass diese Taktik nicht immer funktioniert, hat jedoch die Geschichte schon gezeigt. In Vietnam etwa warf die US-Luftwaffe über zwei Megatonnen Bomben ab. Trotzdem musste die US Army – nach 60.000 toten und über 300.000 verletzten GIs – eine Niederlage in dem kleinen Land einstecken und Hals über Kopf abziehen.

    Ja, aber die USA setzten in Vietnam keine Atomwaffen ein, würden Skeptiker jetzt entgegnen. Nukleare Bomben und Raketen plus die Präzisionswaffen von heute könnten doch jeden Widerstand brechen, sagen mitunter die Verfechter westlicher Dominanz, wie der Experte Leonkow schreibt.

    Nun ist es aber klar, dass ein nuklearer Angriff gegen eine Atommacht eine entsprechende Gegenreaktion auslösen würde. An einem Angriff gegen Russland durchgespielt, hieße das: Sobald amerikanische Interkontinentalraketen ihre Flugbahn erreichen, starten russische Raketen in den Silos und auf mobilen Startrampen in die Gegenrichtung. Zusätzlich feuern die russischen Atom-U-Boote ihre Flugkörper ab.

    Währenddessen fängt die russische Flug- und Raketenabwehr die größtmögliche Anzahl der ballistischen Ziele ab, wohingegen die russischen Interkontinentalraketen, die die gegenwärtig vorhandenen Abwehrsysteme erfolgreich überwinden können, dem Gegner einen schweren Schlag versetzen – bei minimalem Sprengkopfverbrauch, weshalb Russlands Raketenkräfte mehrfach zuschlagen könnten.

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    Wie groß die Verluste der Gegenseite dabei wären, lässt sich nur schwer prognostizieren. Wovon man aber ausgehen kann, ist, dass die Einwohner Westeuropas und Amerikas unter dem Angriff am schwersten zu leiden hätten, wegen der hohen Siedlungsdichte in direkter Nähe zu militärischen Einrichtungen.

    Die Folgen eines nuklearen Angriffs wären noch Jahrzehnte an unserer Umwelt zu spüren. Das Aussterben der gesamten Menschheit ist zwar unwahrscheinlich, das Aussterben unserer Zivilisation aber durchaus denkbar. Und das ist wohl das wichtigste Argument, warum die Wahrscheinlichkeit eines Dritten Weltkriegs eher als gering zu werten ist.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archiv)
    © REUTERS / Valentyn Ogirenko

    Beim Einsatz von Interkontinentalraketen wird der gesamte Erdball zum Schlachtfeld. In den bisherigen Weltkriegen kämpften die USA immer weitab ihres eigenen Gebiets. Im zukünftigen Krieg wäre eine derart sichere Stellung nicht mehr gegeben.

    Der Dritte Weltkrieg scheint also unwahrscheinlich. Und aus russischer Sicht ist das auch gut so: Russland möchte keinen Krieg. Doch gefechtsbereit muss es immer bleiben. Das bringt jene Staaten zur Vernunft, die sich mitunter für unsterblich halten.

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    Anzeichen, Kriegsgefahr, Kriegsvorbereitungen, Apokalypse, Rohstoffe, Atomkrieg, Nuklearkrieg, Atomabkommen, Krieg, Atomwaffen, START-Vertrag, INF-Vertrag, Dritter Weltkrieg, Kalter Krieg, Zweiter Weltkrieg, US-Armee, Drittes Reich, Europa, Japan, Deutschland, USA, Russland