05:09 11 Dezember 2018
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    Anja Karliczek

    Bundesbildungsministerin fordert Studien zu Homo-Ehen – und erntet Kritik

    © AFP 2018 / Tobias SCHWARZ
    Politik
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    Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat sich mit einer Aussage über die „Ehe für alle“ viel Kritik eingehandelt: In einem Interview forderte sie Langzeitstudien zum Wohlergehen von Kindern, die in Homo-Ehen aufwachsen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verwies darauf, dass es solche Studien sehr wohl gebe.

    Karliczek findet die Entscheidung zur Öffnung der Homo-Ehe etwas übereilt. Sie plädierte in dem Interview mit dem Fernsehsender n-tv dafür, Entscheidungen erst zu treffen, wenn die zu erwartenden Auswirkungen bekannt seien.

    „Ich glaube, so, wie wir es gemacht haben, war es nicht richtig“, sagte Karliczek. Denn das habe für Polarisierung gesorgt. „Wir verschieben eine ganze Gesellschaft und reden gar nicht richtig darüber.“

    Aus Sicht der Ministerin gibt es keine umfassenden Langzeitstudien, die jeden kleinen Aspekt des Lebens von Kindern in gleichgeschlechtlichen Familien untersuchen. „Solange Kinder diskriminiert werden in Schulen oder in irgendeiner Weise gemobbt werden – so lange haben wir ein Problem“, so Karliczek.

    Auf die Frage von Moderator Louis Klamroth, ob sie im Jahr 2018 wirklich noch Studien brauche, um sich bestätigen zu lassen, dass Kinder von homosexuellen Paaren genauso glücklich und gut erzogen seien, antwortete Karliczek:

    „Es geht nicht um ‚glücklich’ und um ‚gut erzogen‘. Es geht um etwas grundsätzlich anderes. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die meisten Kinder in Familien, wo die Kinder gewünscht sind, auch gut aufgehoben sind, und dass sie da auch gut erzogen werden.“

    Bei dem Punkt gehe es darum, ob sich etwas grundsätzlich ändere: Denn Frauen und Männer hätten nämlich unterschiedlichen Einfluss auf Kinder. Und das mal zu erörtern, wäre laut der Bildungsministerin richtig.

    „Es geht um ganz subtile Dinge, die uns gar nicht klar sind." Das Leben mache doch mehr aus als das, was wir wahrnehmen, betonte Karliczek.

    „Wir verändern grundsätzlich Strukturen in unsrer Gesellschaft, mal eben so im Federstrich, und das ärgert mich. Und das stört mich auch.“

    Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ist mit dieser Einschätzung nicht einverstanden: „Schon heute belegen Studien, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften genauso gut entwickeln wie in Familien mit Mutter und Vater“, zitiert Focus Online die Politikerin. „Was zählt, ist, dass sich Menschen liebevoll um ihre Kinder kümmern. Kinder brauchen ein gutes Familienklima und gute Beziehungen zu denen, die für sie sorgen.“

    Kindeswohl hänge aber nicht von der Familienkonstellation ab, so Giffey weiter. „Wir im Familienministerium sehen es als unsere Aufgabe an, jede Familienkonstellation dabei zu unterstützen, dass Kinder gut aufwachsen können: Alleinerziehende, die Mutter-Vater-Familie und genauso auch Familien mit Eltern gleichen Geschlechts.“

    Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs forderte sogar eine Entschuldigung von Karliczek. Die „Ehe für alle“ sei zwölf Jahre lang debattiert worden. „Da frage ich mich, wo war Anja Karliczek die letzten Jahrzehnte?“

    „Karliczek kleidet Vorurteile in unsachgemäße Scheinargumente“, so die Kritik der Sprecherin der Linksfraktion für „Queerpolitik“.

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    Tags:
    Kritik, Studie, Kinder, Ehe für alle, Homo-Ehe, Deutschland