02:33 12 Dezember 2018
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    Demonstration in Pristina vor der Unabhängigkeitserklärung Kosovos (Archivbild)

    US-inspiriert? Kosovo setzt auf Eskalation in Serbengebiet und will EU einschüchtern

    © Sputnik / Ilya Pitalyow
    Politik
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    Die Kosovo-Serben werden mit Waffengewalt und drohender Hungersnot eingeschüchtert, um Belgrad sowohl direkt als auch via EU unter Druck zu setzen. Hohe Zölle, albanische Einheiten im serbischen Norden des Kosovo und die geplante Schaffung einer eigenen Armee – sind das US-inspirierte Aktionen, um die Anerkennung des Gebiets zu erzwingen?

    Die Situation im Kosovo spitzt sich weiter zu. Pristina will bei den präzedenzlos hohen Zöllen für Waren aus Serbien und Bosnien-Herzegowina nicht stehenbleiben, womit die Serben im Norden des Kosovo, die vorwiegend aus dem zentralen Serbien versorgt werden, an den Rand einer humanitären Katastrophe gebracht worden sind. Am Freitagmorgen drang in die „Hauptstadt“ des serbischen Nordens des Kosovo zudem auch noch die albanische Spezialeinheit ROSU ein. Vier Serben wurden festgenommen, darunter ein Polizist. Nach Polizei-Angaben wurden sie brutal in ihren eigenen Häusern verprügelt und danach zur Polizeiwache im albanischen südlichen Teil der Stadt gebracht.

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    Offizielle Vertreter der Polizei des Kosovo nahmen erst mehrere Stunden später Stellung zu der Situation und behaupteten, dass die Festnahmen der Serben mit der Ermittlung des Mordes an dem örtlichen Politiker Oliver Ivanovic am 16. Januar verbunden sind. Inzwischen ist die Bevölkerung bereits auf die Straßen gegangen. Der Bürgermeister von Kosovska Mitrovica bat die KFOR und den Präsidenten Serbiens, Alexandar Vucic, um Schutz. Später bestätigte die kosovarische Polizei die Gerüchte in den Medien, dass sie den stellvertretenden Bürgermeister von Kosovska Mitrovica, Milan Radojcic, im Visier haben.

    Der Präsident rief die Verteidigungs- und Innenminister sowie Leiter der Sicherheitsdienste zu einer Sondersitzung zusammen, von konkreten Ergebnissen wurde bislang nicht berichtet. Heute soll sich Vucic mit den Botschaftern Russlands und Chinas in Serbien treffen. Um 12.00 Uhr wollten die Einwohner des Nordens des Kosovo zu friedlichen Protesten gegen die Sanktionen Pristinas auf die Straße gehen.

    Laut lokalen Medien wurde der Präsident des selbst ausgerufenen Kosovo, Hashim Thaci, vom britischen Botschafter im Kosovo einbestellt, allerdings werden keine Details mitgeteilt. Thaci behauptet, dass er „ausschließlich aus Vergnügen bei einem Mittagessen war“.

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    Laut serbischen Experten sind die letzten Maßnahmen Pristinas eine durchdachte und mit den USA als Schutzherr abgestimmte politische Provokation, die auf das Erreichen eines Zugeständnisses ausgerichtet ist.

    Der ehemalige Chef des Koordinierungszentrums für Kosovo und Metochien, Nebojsa Covic, meint, dass die Einführung der unglaublich hohen Zölle für serbische Waren keine wirtschaftliche, sondern politische Maßnahme ist.

    „Serbien wird wirtschaftliche Verluste in Höhe von 300 bis 400 Millionen Dollar tragen, doch ich denke, dass es nicht um die Wirtschaft geht. Das sind rein politische Maßnahmen, die mit äußerer Unterstützung vorbereitet wurden. Ich meine vor allem die USA“, so der Experte gegenüber Sputnik.

    Dem Experten zufolge wird dies getan, um möglichst Spannungen im Norden des Kosovo zu entfachen und zu zeigen, dass die Existenz der serbischen Gemeinschaft in diesem Gebiet nicht gesichert ist, und anschließend Belgrad unter Druck zu setzen.

    „Diese Maßnahmen wurden nach folgendem Prinzip ersonnen: Ihr (kosovarischen Albaner) sollt möglichst viele Probleme bereiten und damit Serbien unter Druck setzen, und wir (die USA) werden dann Belgrad sagen, es müsse doch Zugeständnisse gegenüber dem Kosovo machen. Dabei verstehen die Amerikaner unter Kompromiss und Dialog, dass Serbien seine Unabhängigkeit anerkennen soll“, so der Experte.

    Serbien sollte nicht auf die Provokationen eingehen und in die Falle der gegenseitigen Sanktionen tappen, wobei die westlichen Kräfte Belgrad erneut zum Aggressor erklären könnten.

    „Wir müssen vorsichtig sein, Geduld zeigen und alles analysieren. Die politische Bühne sowohl in Serbien als auch im Kosovo und in Metochien sollte möglichst gesäubert werden. Unsere Partner, die die Situation im Kosovo verstehen – Russland, China, Spanien, Griechenland – sollten ihre Position zum Ausdruck bringen“, so der Experte.

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    Militärexperten in Serbien meinen, dass zum Racheplan Pristinas für die gescheiterte Bewerbung um die Interpol-Mitgliedschaft auch die operative Schaffung der Armee gehört, genauer gesagt, die Umwandlung der Sicherheitskräfte des Kosovo, die gemäß internationalen Vereinbarungen beschränkte Verpflichtungen und Zahlenstärke haben, in vollwertige Streitkräfte. Diese Armee sollte nicht nur mit dem Ziel genutzt werden, die unter serbischen Kontrolle befindlichen strategischen Objekte einzunehmen und die serbische Bevölkerung in der Region in Angst zu halten, wobei Belgrad erpresst wird, sondern auch zum direkten Druck gegen Brüssel, das sich kaum einen offenen bewaffneten Konflikt nahe seiner Grenzen wünscht. Die kosovarischen Behörden sind enttäuscht, dass die versprochenen Visa-Erleichterungen mit der EU nicht zustande gekommen sind. Deshalb sind sie der Ansicht, dass Brüssel Belgrad nicht ausreichend zu Zugeständnissen bei den Verhandlungen drängt.

    Der Militärexperte Momoi Stojanovic äußerte in einem Sputnik-Gespräch die Meinung, dass die Amerikaner seit vielen Jahren die Umwandlung der Sicherheitskräfte des Kosovo vorbereiten. „Ob das am 28. November, am Tag der albanischen Flagge, oder an einem anderen Tag geschieht, steht nicht fest, allerdings wird es dazu sicher in der nächsten Zeit kommen“, so der Experte.

    Die Bildung einer vollwertigen Armee im Kosovo würde schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. „Das würde die ohnehin fragile Sicherheitssituation auf dem Westbalkan zusätzlich belasten. Ich bin davon überzeugt, dass der nächste Schritt der Versuch der Umsetzung der albanischen Gebietsansprüche in Montenegro und Mazedonien sein wird“, so der Experte.

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    Stojanovic zufolge würde die Schaffung der Kosovo-Streitkräfte zum Abzug der KFOR-Truppen führen. „Es wird nur der US-Stützpunkt Bondsteel bleiben, den sie aus strategischer Sicht brauchen. In der Tat würde niemand zwischen der Armee des so genannten Kosovo und der Armee Serbiens stehen, was zu vielen Vorfällen führen kann“, so der Experte.

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    Tags:
    Spezialeinheiten, Diskriminierung, Sanktionen, Handelskrieg, Strafzölle, Jugoslawienkrieg, KFOR, EU, NATO, Oliver Ivanović, Hashim Thaçi, Aleksandar Vučić, Ivica Dačić, Spanien, Balkan, Pristina, USA, Serbien, Kosovo