07:05 10 Dezember 2018
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    v.l.n.r.: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn

    Merz, AKK, Spahn: Wer sind die heimlichen Unterstützer im Hintergrund?

    © REUTERS / Fabian Bimmer
    Politik
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    Marcel Joppa
    2015102

    Am 7. Dezember wird auf einem Parteitag in Hamburg entschieden, wer den CDU-Vorsitz von Angela Merkel übernimmt. Die aussichtsreichsten Kandidaten heißen Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn. Doch ist im Hintergrund schon klar, wer das Rennen macht? Und welche prominenten Fürsprecher haben sich insgeheim in Stellung gebracht?

    An möglichen Nachfolgern mangelt es der CDU für den Parteivorsitz sicher nicht: Nachdem Angela Merkel vor rund vier Wochen ihren Rückzug bekannt gegeben hat, signalisierten insgesamt zwölf Kandidaten ihr Interesse für das Amt des Parteichefs. Dreien von ihnen werden reale Chancen eingeräumt. Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn präsentieren sich aktuell auf insgesamt acht Regionalkonferenzen der CDU-Basis und kämpfen um Stimmen. Dabei hat jeder von ihnen bereits prominente Unterstützung hinter sich.

    „Mythos“ Merz: Wunschkandidat der Strippenzieher?

    Friedrich Merz war der Erste, der sein Interesse am CDU-Parteivorsitz anmeldete. Noch am selben Vormittag, an dem Merkel ihren Verzicht erklärte, kündigte der 63-Jährige sein politisches Comeback an. Seine Anhänger in der Union – zumeist Wirtschaftsliberale und Konservative — bejubelten Merz als „Mythos“ und eloquente Antwort auf die Ära Merkel. Als bisheriger Lobbyist der Finanzbranche, der sich als Millionär der Mittelschicht zurechnet, kann er jedoch nicht bei jedem CDUler punkten.

    Der gebürtige Sauerländer Merz ist eindeutig ein Wunschkandidat der deutschen Wirtschaft. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger sprachen sich vor wenigen Wochen mehr als 70 Prozent der 114 befragten Führungskräfte für ihn aus. Merz, der im Jahr 2003 mit seinem Entwurf für eine Errechnung der „Einkommenssteuer auf dem Bierdeckel“ für Aufsehen sorgte, gilt innerhalb seiner Partei als politisch größter Kontrapart zu Angela Merkel.

    Ein weiteres Unterstützernetzwerk ist der so genannte „Andenpakt“. Dabei handelt es sich um eine Gruppe teils ehemaliger einflussreicher CDU-Politiker, die Merz zu seiner Kandidatur verholfen haben sollen. Mitglieder des „Andenpakts“ sind hauptsächlich männlich und aus Westdeutschland. Zu den Mitgliedern zählen laut Medienberichten Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger, der Europaabgeordnete Elmar Brok oder auch der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Die Mitglieder treffen sich meist im Geheimen. Ihr Rückhalt für Friedrich Merz könnte am Ende entscheidend sein.

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    AKK: Merkels Kronprinzessin?

    Eigentlich galt Annegret Kramp-Karrenbauer schon lange als Wunschnachfolgerin der Kanzlerin – nicht nur als CDU-Chefin, sondern auch als mögliche Regierungschefin. Dennoch wirkte die Saarländerin nach Merkels angekündigtem Rückzug einigermaßen überrumpelt. Weil dann wenig später bereits von Merz' Comebackplänen zu hören war, geriet Kramp-Karrenbauer unter Zugzwang. Eilig erklärte sie intern ihr Interesse.

    Mit dem ersten öffentlichen Auftritt ließ „AKK“ sich dann aber Zeit, was vor allem bei Merkel-Anhängern innerhalb der Partei als respektvoll und damit äußerst positiv gewertet wurde. Die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlandes und jetzige CDU-Generalsekretärin erklärt auch in den aktuellen Regionalkonferenzen, dass sie sich politisch von ihrer Förderin Merkel absetzen wolle. Klare Alleinstellungsmerkmale oder innovative Ideen vermissen viele Parteimitglieder jedoch bisher.

    Kramp-Karrenbauer ist nicht nur die Favoritin der Kanzlerin, sondern vermutlich auch die der meisten Spitzenpolitiker der Union. Wenngleich sich die meisten CDU-Präsidiumsmitglieder erst nach den Regionalkonferenzen zu ihrem Wunschkandidaten äußern wollen, sind bereits einige Unterstützer bekannt. So wird vermutet, dass u.a. der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther „AKK“ folgt. Neben der Frauen Union, die – wenig überraschend – Kramp-Karrenbauer offen fördert, haben auch einige ehemalige CDU-Politiker ihre Unterstützung erklärt. Zu ihnen gehören der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und CDU-Urgestein Norbert Blüm.

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    Spahn: Vom Hoffnungsträger zum Außenseiter?

    Er ist der jüngste der drei Bewerber. Lange galt der 38-Jährige Jens Spahn als Hoffnungsträger der Konservativen und Unzufriedenen innerhalb der Union. Doch der gebürtige Münsteraner hat ein Problem: Friedrich Merz. Dem Ex-Fraktionschef flogen plötzlich jene Sympathien zu, auf die auch Spahn gehofft hatte. Auch er wurde von Merz' Kandidatur kalt erwischt. Wie Kramp-Karrenbauer erklärte er eilig seine Ambitionen. Anders als bei der Generalsekretärin applaudierte daraufhin bei Spahn aber kaum jemand.

    Namentliche Unterstützer Spahns in seiner Partei sind kaum bekannt. Lange galt der medial oft präsente Gesundheitsminister als Liebling der Parteijugend. Seine Social Media Kanäle pflegt Spahn aufmerksam, seiner fehlenden politischen Erfahrung setzt er jugendliche Dynamik entgegen. Sein Bewerbungsvideo zum Parteivorsitz gleicht einem Hochglanz-Spot von FDP-Chef Christian Lindner während der Bundestagswahl. Doch nicht einmal die Junge Union unterstützt Spahn einheitlich.

    Wer am 7. Dezember das Rennen macht, ist noch weitgehend offen. Schließlich sind es die Delegierten auf dem Parteitag, die den oder die neue Vorsitzende wählen, ehemalige CDU-Spitzen können höchstens Empfehlungen abgeben. Und auch das Parteipräsidium, CDU-Ministerpräsidenten oder Merkel selbst haben nur einen begrenzten Einfluss auf das Wahlverhalten der Anwesenden. Klar ist aber auch, dass sich viele Landesverbände im Vorfeld absprechen wollen, um einheitlich zu wählen. Aktuell liegt Kramp-Karrenbauer in Umfragen vorne, doch das könnte sich – je nach politischer Allwetterlage – auch schnell wieder ändern.

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    Tags:
    Führung, Kampf, Kandidat, Unterstützung, CDU, Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz, Angela Merkel, Deutschland