19:59 20 Februar 2020
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    Beim türkisch-islamischen Dachverband Ditib gibt es Widerstand gegen eine Einflussnahme durch den türkischen Staat. Beim Islamverband ist der gesamte Landesvorstand für Niedersachsen und Bremen zurückgetreten. Das Vertrauen zur Zentrale in Köln sei gestört, weil türkische Botschaftsvertreter versucht hätten, starken Einfluss zu nehmen.

    Ditib ist eine der größten sunnitisch-islamischen Organisationen in Deutschland. Er untersteht der dauerhaften Aufsicht durch das staatliche Präsidium für religiöse Angelegenheiten der Türkei, das dem türkischen Präsidenten Erdogan direkt untersteht. Bei dem Islamverband ist nun überraschend der gesamte Landesvorstand für Niedersachsen und Bremen zurückgetreten. Laut Berichten des NDR erklärten der dortige Vorsitzende Yilmaz Kilic und seine gesamte Führungsspitze den Rückzug.

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    Ein seriöser Partner geht…

    Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil äußerte sich als einer der ersten politischen Entscheidungsträger Deutschlands zu der Entscheidung. Weil bedauere diesen Schritt, auch für die weitere Zusammenarbeit auf Landesebene:

    "Ich empfinde seinen Rückzug als echten Rückschlag für die bisherigen Bemühungen. Kilic ist für die Landesregierung ein enger, seriöser Gesprächspartner gewesen.“

    Zu den Vorwürfen des ehemaligen Vorsitzenden gegenüber türkischen Behörden äußerte sich Ministerpräsident Weil nicht.

    Abschottung statt Öffnung…

    Kilic hatte seinen Rückzug damit begründet, dass alle Versuche, mehr Offenheit zu schaffen und Strukturen innerhalb des Bundesverbandes zu verändern, gescheitert seien. Das Vertrauen zum Bundesverband in Köln sei nachhaltig gestört, weil türkische Botschaftsvertreter versucht hätten, direkten Einfluss auf die Vorstandsarbeit in Niedersachsen zu nehmen:

    "Ich sehe hier keinen Weg, weiter zu kämpfen. Wenn Sie dann noch zu hören bekommen: 'Sie können ja zurücktreten', dann tun wir das auch."

    Statt mehr Offenheit habe der Bundesverband Ditib vor allem auf Abschottung gedrängt. Dies wolle Kilic nicht weiter mittragen.

    Die Präsenz des türkischen Staates…

    Der islamische Dachverband war in den vergangenen Monaten wegen seiner Nähe zur Türkei und der Einflussnahme durch die türkische Religionsbehörde Diyanet immer wieder in die Kritik geraten — Zuletzt beim Besuch des Staatspräsidenten Erdogan bei der Eröffnung der Ditib-Moschee in Köln. Medien berichteten auch immer wieder über eine Zusammenarbeit des türkischen Geheimdienstes mit Ditib. In Deutschland gibt es aktuell rund 900 von der Türkei finanzierte Ditib-Moscheen.

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    Tags:
    Einfluss, Moschee, Islam, Ditib, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Deutschland