13:02 14 Dezember 2018
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    in d. M.: Vitali Klitschko, der ehemalige Box-Champion und jetzige Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew (Archiv)

    Klitschko als „Bild“-Gastautor: Absurd, dass Deutschland Nord-Stream 2 fördert

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    Politik
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    Armin Siebert
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    Vitali Klitschko, der ehemalige Box-Champion und jetzige Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, hat Deutschland in der Bild-Zeitung aufgerufen, sich für neue Sanktionen gegen Russland einzusetzen. Grund dafür wäre der „russische Angriff“ auf dem Asowschen Meer. Klitschko pflichtet auch dem US-Botschafter in Deutschland bei.

    Klitschko wendet sich in einem Dienstagabend auf Bild.de veröffentlichten Aufruf direkt an die Bundesregierung. Der Ex-Boxer schreibt:

    „Es sollte dringend auf Putin eingewirkt werden, die ukrainischen Soldaten sofort freizulassen.“

    Klitschko bezieht sich auf die am Sonntag vom russischen Grenzschutz im Asowschen Meer in der Nähe der Halbinsel Krim festgesetzten ukrainischen Marineboote.

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    Der ehemalige Boxweltmeister fordert weitere Sanktionen gegen Russland und einen Stopp der neuen russischen Gas-Pipeline Nord Stream 2:

    „Gleichzeitig muss unbedingt auch über neue Sanktionen gesprochen werden. Es ist doch absurd, wenn Deutschland jetzt den Bau einer russischen Gaspipeline wie "Northstream II" Richtung Ostsee fördert, wodurch künftig Gas an der Ukraine vorbei transportiert werden soll. Damit finanziert Deutschland auch die Armee, die gegen die Ukraine Krieg führt.“, so Klitschko auf Bild.de

    Eine objektive Absurdität, die Klitschko jedoch nicht erwähnt: Ukrainische Spitzenpolitiker sprechen zu oft über Krieg, wo doch Russland in keinem einzigen Dokument als eine Kriegspartei festgesetzt ist. Mehr noch: Bis heute treibt die Ukraine trotz Sanktionen Handel mit Russland, erwirbt regelmäßig Gas und fordert dabei auch noch Rabatt.

    Auch besteht der Verdacht, dass Poroschenko nach der offenbar geplanten Provokation am Asowschen Meer (die Militärs von den festgesetzten Marinekuttern gestanden die Provokation bereits) absichtlich das Kriegsrecht einführte, um Opponenten mundtot zu machen und mehr Einfluss auf die Abstimmung bei den kommenden Wahlen auszuüben.

    Die Pipeline „Nord Stream 2“ wird vor allem von den Baltischen Staaten, Polen, der Ukraine und den USA kritisiert. Die Bundesregierung unterstützt „Nord Stream 2“, das auch von europäischen Firmen finanziert wird, und bezeichnet die Pipeline als „rein wirtschaftliches Projekt“. Die USA haben im vergangenen Jahr in einem Gesetz die Möglichkeit festgeschrieben, Sanktionen gegen die Leitung, die ab Ende 2019 Gas über die Ostsee von Russland nach Europa bringen soll, zu verhängen.

    In dem Sanktionsgesetz wird explizit darauf verwiesen, dass der Export amerikanischen Fracking-Gases nach Europa ausgebaut werden soll, um russisches Erdgas zu ersetzen.

    „Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hat recht“

    Der Botschafter der USA in Deutschland, Richard Grenell, hat sich mehrfach gegen die neue russische Pipeline ausgesprochen. Klitschko solidarisiert sich in der „Bild” mit dem amerikanischen Diplomaten:

    „Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hat recht, wenn er auf diese falsche deutsche Russland-Politik immer wieder aufmerksam macht und gegen den Bau der Gaspipeline mobilmacht.“

    Klitschko fordert, den Bau der Pipeline zu sabotieren:

    „Alle, die auf der Seite der Ukraine stehen, sollten sich dem Protest anschließen und den Bau verhindern.“

    Die Ukraine befürchtet durch den Bau der modernen Pipeline, an Bedeutung als Transitland für russisches Gas zu verlieren.

    Klitschko fordert auf Bild.de auch eine Reaktion der EU:

    „Ich hoffe, dass Europa schnell eine gemeinsame Stimme findet, auf diesen kriegerischen Akt Russlands zu reagieren.“

    Ähnlich äußerte sich der amerikanische Botschafter am Mittwoch auf Twitter:

    „Die Ukraine steht an der Front im Kampf gegen die russische Aggression. Putins Aktionen an der Straße von Kertsch sind eine Verletzung der Seerechte aller Staaten. Alle Alliierten sollten der Ukraine beiseite stehen und Putin eine vereinte Botschaft senden.“

    Zuvor hatte Altkanzler Gerhard Schröder die Vereinigten Staaten in einem Interview hart attackiert. Der US-Botschafter Richard Grenell in Berlin führe sich wie ein „Besatzungsoffizier“ auf, sagte Schröder gegenüber Reuters.

    „Wenn ich mir das Agieren des amerikanischen Botschafters in Deutschland so anschaue, habe ich den Eindruck, er versteht sich eher als Besatzungsoffizier denn als Botschafter der Vereinigten Staaten in einem souveränen Staat.“

    Davor hatte die Bundeskanzlerin Angela Merkel Nord Stream 2 vor dem Europaparlament verteidigt. Merkel wies darauf hin, dass Deutschland ein Staat mit über 80 Millionen Einwohnern ist. "Wir haben auch Interessen und stimmen nicht immer mit allem überein", sagte sie.

    "Wenn wir aus der Kohle aussteigen wollen, werden wir für eine Brückenzeit mehr Gas benutzen müssen. Das bedeutet, dass dieser Gasimport auch diversifiziert sein soll. Da werden wir Russland als Quelle nicht ausschließen", betonte die Kanzlerin.

    ​Vitali Klitschko ist seit August 2015 Vorsitzender der Regierungspartei „Block Petro Poroschenko”.

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    Außerdem ist er seit Juni 2014 Bürgermeister von Kiew.

    Eine Umfrage ergab zuletzt, dass 95 Prozent der Kiewer mit der Arbeit Klitschkos als Bürgermeister unzufrieden sind.

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    Tags:
    Krise, Angriff, Sanktionen, Nord Stream 2, Bild, Richard Grenell, Vitali Klitschko, Asowsches Meer, Krim, Russland, Ukraine