05:42 11 Dezember 2018
SNA Radio
    An der Wand Die Zukunft des Europas in der Nähe des EU-Hauptstandortes in Brüssel (Symbolbild)

    Europa fehlen starke Führungskräfte, auch für Russland ein Problem - Expertenrunde

    © AFP 2018 / Philippe LOPEZ
    Politik
    Zum Kurzlink
    Nikolaj Jolkin
    24894

    Der militärpolitische Experte Sergej Osnobischtschew hat in einer Videokonferenz der Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“ darauf verwiesen, dass es keine Anzeichen von Hass auf alles Russische in Europa gebe.

    Osnobischtschew äußerte, dass „tiefgreifende Differenzen mit dem Westen, wann auch immer sie vorhanden waren, selbst zu Sowjetzeiten die Zusammenarbeit nicht hindern konnten. Damals war es sogar gelungen, eine Struktur für Rüstungskontrolle aufzubauen, die inzwischen auseinanderzubrechen beginnt. Egal ob Europa Russland mag oder nicht, sind wir aufeinander angewiesen. Wir wollen nicht angehimmelt werden: Ihr braucht uns nicht zu lieben, lasst uns aber in den Fragen kooperieren, die heute eine ernsthafte Gefahr für den europäischen Kontinent darstellen. Wir sind verurteilt, friedlich nebeneinander zu leben, deshalb müssen wir alle Probleme auf zivilisierte Weise lösen.“

    Alexej Kondratjew, Senator im Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments, stellte mit Bedauern fest, dass „Deutschlands führende Politiker, wenn sie Staatschef werden, die historischen Beziehungen zwischen unseren Ländern häufig außer Acht lassen.“ Als Gegenbeispiel nannte er Kohl und Schröder, Regierungschefs einer anderen Art. „Es gab deutsche Politiker, die es selbst in der Zeit des Kalten Krieges gewusst haben, zwischen unseren Staaten ein normales Verhältnis aufzubauen, obwohl im Hinblick auf die Beziehungen zwischen beiden politischen Blöcken auch gewisse Spannungen unvermeidlich waren“.

    Heute fehle es in Europa an starken Führungskräften, und dies werde auch für Russland zum Problem, so der Senator. Er rechne mit keinem sofortigen Umschwung in den deutsch-russischen Beziehungen im Rahmen des Nordatlantischen Paktes und der EU auch nach Merkels Rücktritt. „Allerdings dürfte auch versucht werden, den Dialog positiver zu gestalten. Vielleicht intensiviert man wieder den deutsch-russischen Petersburger Dialog, der sich zu einer effizienten Plattform für die wirtschaftliche Zusammenarbeit russischer und deutscher Unternehmer entwickeln könnte.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Vizechef Deutsch-Russischen Forums: „Vernünftige Politik ohne Russland ist unmöglich“<<<

    Aber der Einfluss der USA, der mit dem Schüren von russlandfeindlicher Hysterie einhergeht, hat laut Kondratjew zur Folge, dass „der deutschen Öffentlichkeit schon wieder ein karikiertes Bild des russischen Bären präsentiert wird, das uns entzweit. Unterdessen gibt es in Russland viele deutsch-russische Gemeinschaftsunternehmen, die erfolgreich funktionieren. „Allerdings befremdet es, dass die USA auf das für Russland und Deutschland vorteilhafte Projekt ‚Nord Stream 2‛ einzuwirken versuchen. Und wenn Merkel bei der Durchsetzung der deutschen Interessen sich kleinmütig zeigt, zeugt dies kaum von normalen deutsch-russischen Beziehungen.“

    Der Senator hofft, dass der nächste Bundeskanzler, im Sinne der nationalen Interessen handelnd, „in der Lage sein wird, ein Verhältnis zu etablieren, das eine zukunftsfähigere Entwicklung der wirtschaftlichen, kulturellen und menschlichen Kontakte zwischen unseren Ländern ermöglicht.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: EU richtet ihre Kräfte auf Asowsches Meer: Was kommt nun?<<<

    Der Professor am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen MGIMO Osnobischtschew verwies darauf, dass der menschliche Faktor stets eine Rolle im deutsch-russischen Verhältnis gespielt habe. „Zwar darf man damit nicht übertreiben, doch fallen da die persönlichen Vorlieben der Staatschefs auch ins Gewicht. Eine andere Sache ist es, dass es in unserer jüngsten Geschichte Momente gegeben hat, in denen Russland und Deutschland ein besonderes Verhältnis zueinander gepflegt haben. Es bestand sogar eine Stabilitätsachse Russland — Deutschland — Frankreich, und den Schlüssel dazu steckte der russische Präsident in die eigene Tasche.“

    Man brauche nichts in die Tasche zu stecken, räumte der Experte ein, aber besondere Beziehungen zwischen den einflussreichsten Ländern Europas seien notwendig. „Gegenwärtig unterhalten wir Beziehungen zu Italien, die man als besondere bezeichnen kann. Die hat es schon immer gegeben, selbst zu Sowjetzeiten. Auch zu Deutschland hat ein besonderes Verhältnis bestanden, so auch zu Frankreich. Wichtig sind die objektiven Interessen, die uns unerbittlich zusammenführen, so stark uns die Interessen einzelner Politiker auch entzweien.“

    Osnobischtschew äußerte die Hoffnung, dass die nahe Zukunft diesen leicht einsehbaren Gedanken illustrieren werde. „So werden wir wieder intensive besondere Beziehungen gestalten können, sicher nicht zum Nachteil anderer Staaten.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Rüstungskontrolle, Zusammenarbeit, Dialog, Hass, Italien, Frankreich, Deutschland, UdSSR, Europa, Russland