08:23 17 Dezember 2018
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    Vorstandsmitglied Königer verlässt die AfD: „Bürgerliche haben den Kampf verloren“?

    © AFP 2018 / John MACDOUGALL
    Politik
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    Paul Linke
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    Die AfD verliert ein Führungsmitglied. Steffen Königer, AfD-Vorstandsmitglied, ist aus Protest gegen rechte Tendenzen aus der Partei ausgetreten. Parteikollegen beteuern, mit einer Radikalisierung der Partei habe das nichts zu tun.

    Wegen ideologischer Differenzen mit dem rechten Flügel sei Steffen Königer, Beisitzer im AfD-Bundesvorstand, aus der Partei ausgetreten. Der Abgeordnete des Brandenburgischen Landtags erklärte am Donnerstag in Potsdam: „Die Bürgerlichen in der AfD haben den Kampf gegen die Destruktiven in der Partei in vielen Landesverbänden endgültig verloren.“ Ziel für viele in der Partei sei „der Aufbau von sektenartig organisierten Gefolgschaften“, in denen Treue höher stehe als Sacharbeit.

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    „Nicht mit Gewissen vereinbar“

    Vor knapp einem Jahr war Königer als Beisitzer in den Bundesvorstand gewählt worden. Er gehörte der „Alternativen Mitte“ an, einer Vereinigung innerhalb der AfD, die einen Gegenpol zum rechtsnationalen Flügel bilden soll. Bekannte Mitglieder des rechten Flügels sind unter anderem der thüringische Landeschef Björn Höcke sowie der Landes- und Fraktionschef der AfD in Brandenburg, Andreas Kalbitz. In seiner Austrittserklärung hat sich Königer selbst als Gegenspieler von Kalbitz bezeichnet.

    Weiterhin sagte Königer, eine Mitgliedschaft in der Partei könne er unter diesen Umständen mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Mitte November hatte er sich erfolglos für einen der vorderen Plätze auf der Kandidatenliste der AfD für die Europawahl beworben. Auch zuvor hatte er sich bei einer Delegiertenwahl in Brandenburg nicht durchsetzen können.

    Probleme in der JU?

    Königer unterstrich, dass er sich im AfD-Bundesvorstand kürzlich dafür ausgesprochen habe, der Jungen Alternative (JA) ihren Status als offizielle Jugendorganisation der Partei abzuerkennen, um diese neu zu gründen. Letzte Woche hatte der Vorstand beschlossen, erst dem Parteikonvent diese Frage zu stellen. Das Gremium soll eine Empfehlung zur JA aussprechen. Über diese könne anschließend der Bundesparteitag abstimmen. „Mit Abscheu nimmt der Bundesvorstand der Alternative für Deutschland menschenverachtende Einzeläußerungen von Mitgliedern der Jungen Alternative zur Kenntnis. Er erwartet von der JA, dass sie sich unverzüglich von diesen Mitgliedern trennt“, hieß es in einer Mitteilung des AfD-Vorstands vom Montag.

    Parteikollegen sehen andere Gründe für den Ausstritt

    Als fraktionsloser Abgeordneter möchte Königer dem Landtag künftig angehören. Ob er sich einer anderen Partei anschließen wolle, ließ er offen. Dazu hätte er kein Angebot. Er könne sich zudem eine Rückkehr in den Journalismus vorstellen.

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    Kay Gottschalk, der stellvertretende AfD-Vorsitzende, kommentierte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) Königers Austritt als „bedauerlich“. Die Begründung für seinen Austritt ließ er jedoch nicht zu. Auch Andreas Kalbitz äußerte sich zum Ausritt: „Es geht hier nicht um Inhalte, sondern die Angst vor dem Mandatsverlust.“ Ähnlich sieht es der Bundesabgeordnete der AfD, Thomas Seitz: „Vor zwei Wochen wollte Herr Königer noch unbedingt auf dem sicheren Listenplatz 4 für die AfD in das EU-„Parlament“ einziehen. Nachdem das nicht geklappt hat…“, teilte Seitz via Twitter mit.

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    Tags:
    Kampf, Austritt, Trennung, Agentur DPA, AfD, Deutschland